E-Autos müssen regelmäßig an Ladestationen aufgeladen werden
E-Autos müssen regelmäßig an Ladestationen aufgeladen werden © iStock
Lesedauer: 11 Minuten

Bei Kauf eines E-Autos gibt es viel zu beachten. Das Aufladen des Autos ist eine zentrale Frage. SPORT1 hat alle wichtigen Antworten darauf.

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Sie überlegen, auf ein E-Auto umzusteigen und fragen sich, wie der Ladevorgang funktioniert? Oder wie sie öffentliche Ladesäulen finden und ob Sie Ihren Öko-Flitzer sogar zu Hause mit frischem Strom versorgen können?

Wenn ja, worauf müssen Sie achten? Reicht eine handelsübliche Haushaltssteckdose oder wird spezielles Equipment benötigt? SPORT1 hat Antworten auf alle diese Fragen.

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Kann ich mein Elektrofahrzeug zuhause laden?

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihr E-Auto einfach zuhause aufladen. Sie gehen abends ins Bett und am nächsten Morgen steht das Fahrzeug fahrbereit in der Garage. Aber welche Lademöglichkeiten gibt es und was eignet sich für wen? Wir klären über die verschiedenen Lademöglichkeiten auf:

Haushaltssteckdose (230V)

Grundsätzlich können Sie Ihr E-Auto einfach an die haushaltseigene Steckdose anschließen (230V). Hierzu benötigen Sie jedoch ein spezielles Ladekabel mit einem integrierten Steuergerät. Doch diese Methode hat einen Nachteil: Der Ladevorgang dauert zwischen 8 und 14 Stunden. Ein weiteres Risiko ist die Überlastung des Stromnetzes, was einen Kabelbrand auslösen kann. Wegen der langen Ladezeit sowie dem erhöhten Sicherheitsrisiko wird die Methode auch "Notladung" genannt, nutzen Sie den gewöhnlichen 230 V-Anschluss also nur im Notfall.

Starkstrom (400V)

Alternativ können Sie den in vielen Haushalten vorhandenen Starkstrom-Anschluss verwenden (400V), auch Dreiphasenwechselstrom genannt. Sie erkennen ihn meist am roten CEE-Stecker, der in vielen Haushalten bereits angeschlossen ist. Wie bei der ersten Methode benötigen Sie dazu ein Ladekabel mit integriertem Steuergerät, das beim Hersteller erhältlich ist. Doch nicht jeder Haushalt verfügt über den Power-Anschluss.

Wallbox

Die optimale Ladelösung für zuhause heißt Wallbox. Mit der Hochleistungssteckdose können Sie ihr Elektrofahrzeug schnell und effizient aufladen. Vorteil dieser Methode: Das Steuergerät ist bereits integriert – Sie stecken den Stecker ein und schon erhält der Wagen frische Energie. Wenn Sie sich für eine eigene Ladestation entscheiden, müssen Sie dieses dem örtlichen Netzbetreiber mitteilen. Verfügt Ihre Wallbox über eine Ladeleistung von mehr als 12 kW, dann müssen Sie hierfür eine Genehmigung beim Stromnetzbetreiber einholen.

Was kostet das Laden zu Hause?

Die Kosten für den Ladevorgang zu hause richten sich nach der jeweiligen Akkukapazität des E-Autos und Ihrem Stromtarif. Für unsere Beispielrechnung haben wir uns für den BMW i3 und das Model S von Tesla  - jeweils in der Standardversion - entschieden. Zudem zeigen wir Ihnen die Kosten bei Verwendung eines durchschnittlichen Stromtarifs und einmal mit Ökostrom:

BMW i3:

Akku-Kapazität → 42 kWh

Haushaltssteckdose (2,4 kW) - Ladedauer mit 20 Prozent Restkapazität → ca. 18 Stunden

Wallbox (11 kW) - Ladedauer mit 20 Prozent Restkapazität → ca. 4 Stunden

Wallbox (50 kW Schnellladestation) - Ladedauer mit 20 Prozent Restkapazität → ca. 45 Minuten

Grundversorger-Stromtarif → 30 Cent pro kWh

Ökostrom → 27 Cent pro kWh

Kosten für 80 Prozent Akkuladung mit einem Grundversorger-Stromtarif → 12,60 Euro

Kosten für 80 Prozent Akkuladung mit einem Ökostromtarif → 11,34 Euro

Tesla Model S:

Akku-Kapazität → 85 kWh

Haushaltssteckdose (2,4 kW) - Ladedauer mit 20 Prozent Restkapazität → ca. 35 Stunden

Wallbox (11 kW) - Ladedauer mit 20 Prozent Restkapazität → ca. 8 Stunden

Wallbox (50 kW Schnellladestation) - Ladedauer mit 20 Prozent Restkapazität → 2 Stunden

Grundversorger-Stromtarif → 0,30 Euro pro kWh

Ökostrom → 0,27 Euro pro kWh

Kosten für 80 Prozent Akkuladung mit einem Grundversorger-Stromtarif → 25,50 Euro

Kosten für 80 Prozent Akkuladung mit einem Ökostromtarif → 22,95 Euro

Da die Ionen-Akkus bei den letzten 20 Prozent deutlich langsamer laden, rechnen wir lediglich mit einer Akkuladung von 80 Prozent.

E-Auto zu Hause laden – Welche technische Ausstattung benötige ich?

Für zwischen 500 und 2500 Euro erhalten Sie eine Wallbox, mit der Sie Ihr Elektroauto schnell und bequem zuhause aufladen können. Die Kosten variieren je nach Herstellermodell sowie der jeweiligen Leistung und können bei technischen Extras und zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen steigen.

Gegen einen einen zusätzlichen Aufpreis gibt es weitere intelligente Lösungen, wie etwa eine Smartphone-App. Mit dieser können Sie dann zum Beispiel den Ladevorgang aus der Ferne steuern oder Lade-Statistiken auswerten. So finden Sie ganz leicht die günstigste Ladezeit. Dank verschiedener Förderprogramme vom Bund für das Laden eines E-Autos zu Hause, lassen sich zusätzlich noch ein paar Euros einsparen.

Installation und Einrichtung der Wallbox sollten Sie unbedingt von einem Fachmann ausführen lassen, denn  dieser verfügt über das nötige technische Fachwissen und kann die einwandfreie Nutzung gewährleisten.

SPORT1-Tipp: Von günstigen Wallbox-Bausätzen aus dem Internet sollten Sie unbedingt Abstand nehmen - auch wenn der Preis von 200 - 300 Euro sicherlich verlockend ist. Wie der ADAC in seinem Wallboxen-Test herausgefunden hat, gibt es bei einigen "Billig-" Anbietern eklatante Sicherheitsmängel. So schalten manche Ladeboxen beispielsweise bei einer Fehlermeldung den Strom nicht ab, was einen Brand auslösen kann.

Ladevorgang optimieren

Die Installation der Ladestation klingt nach großem Aufwand? Machen Sie sich keine Sorgen, die anfänglichen Kosten holt das E-Auto schnell wieder rein. Gegenüber Dieseln und Benzinern bietet die Technologie zahlreiche Vorteile. So setzen Elektrofahrzeuge die nötige Energie deutlich sparsamer ein. Und auch der Energienachschub ist kosteneffizient. Durch intelligente Stromzähler lässt sich der Ladevorgang optimieren. Immer, wenn der Strom gerade günstig ist, aktiviert sich die Ladestation automatisch.

Zuschüsse vom Staat einsammeln

E-Autos sind modern, umweltfreundlich und machen den Straßenverkehr fit für die Zukunft. Verständlich, dass der Staat die Technologie unterstützt – und Sie können davon profitieren. Förderprogramme etwa helfen dabei, die Kosten weiter zu reduzieren. Hier lohnt sich ein Städtevergleich. In München etwa erhalten Privatpersonen bis zu 20 Prozent (maximal 1500 Euro) der Kosten für die Wallbox und die Installation zurück. In Nordrhein-Westfalen sind es sogar 50 Prozent (maximal 1000 Euro). Unternehmen, die Ladestationen einrichten, erhalten sogar bis zu 5000 Euro.

Hier ein paar weitere Beispiele:

Stadt                          Art der Förderung

Düsseldorf                  500 Euro für die Wallbox und maximal 20 Prozent der Installationskosten

Mainz                          400 Euro für die Wallbox

Hannover                    500 Euro für die Wallbox

München                    Bis zu 40 Prozent der Anschaffungs- und Montagekosten

Bei den meisten städtischen Förderprogrammen ist die Nutzung von Ökostrom zwingende Voraussetzung.

Was gilt für Mieter?

Hausbesitzer können über Ihr Grundstück weitgehend frei verfügen. Etwas schwieriger scheint die Situation für Mieter oder Eigentümer, die Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft sind. E-Auto-Nutzer sind hier auf öffentliche Ladestationen angewiesen. Doch nicht in allen Wohnvierteln ist eine Ladeinfrastruktur vorhanden. Welche Möglichkeiten haben Sie, eine Ladesäule zu installieren?

Ladestation in der Garage

Wenn Sie über eine Garage verfügen, ist dort mit Zustimmung der Gemeinschaft die Installation einer Wallbox möglich. Einfordern können Sie diese aber nicht. Schon der Hinweis auf eine „optische Beeinträchtigung“ durch die Ladestation genügt, um Ihnen die Zustimmung zu verweigern.

Aktuelle Entwicklungen machen optimistisch: Durch die Energiewende ist die politische Landschaft in Bewegung: Aktuell prüft der Gesetzgeber Möglichkeiten, die Installation von Lademöglichkeiten in Gemeinschaftsanlagen zu erleichtern.

In einem aktuellen Entwurf des Bundesjustizministeriums wird sogar ein gesetzlicher Anspruch auf eine Lademöglichkeit diskutiert. Damit soll eine Richtlinie des Europäischen Parlaments umgesetzt werden, wonach spätestens ab 2025 alle neuen und sanierten Wohngebäude mit mehr als zehn Parklätzen mit Verkabelungen für Ladestationen ausgerüstet sein müssen. Bei Gebäuden mit mehr als zehn Parkplätzen ist die Installation mindestens einer Ladestation Pflicht. Die Chancen stehen also gut, dass das Laden zuhause in Zukunft noch einfacher wird.

Laden im öffentlichen Raum

Laut einer Studie des Bundesverbandes eMobilität laden 80 Prozent der Elektroautobesitzer ihr Fahrzeug zu Hause auf. Eine komfortable Alternative bieten Ladestationen im öffentlichen Raum. Diese befinden sich beispielsweise mehrfach im Stadtzentrum, an Schwimmbädern, in öffentlichen Tiefgaragen oder auf den Parkplätzen großer Möbelhäuser. Zur Nutzung müssen Sie lediglich das Ladekabel im eigenen Wagen mitführen und schon sind sie überall flexibel.

Knapp 16.000 Ladestationen gibt es in Deutschland im Jahr 2019, etwa 2000 davon sind Schnellladestationen (Stand: April 2019). Ein weiterer Ausbau des Ladenetzes ist bereits in Planung. Im Vergleich zu den rund 14.500 Sprit-Tankstellen in Deutschland, sind elektrische Ladestation inzwischen in der Überzahl. Betrieben werden die Stationen meist von großen Energiekonzernen. Spezielle Internetseiten und Apps helfen beim Finden einer passenden Ladestation in der Nähe, z.B. plugsurfing, goingelectric oder e-tankstellen-finder. Eine aktuelle Karte mit Ladesäulen stellt die Bundesnetzagentur kostenlos zur Verfügung.

Wie lange muss zu Hause oder an öffentlichen Stationen geladen werden?

Reicht es, das E-Auto ein paar Stunden anzuschließen, oder lädt die Batterie die ganze Nacht? Für diese Frage gibt es keine einheitliche Antwort. Grundsätzlich gilt: je höher die Ladeleistung, desto schneller der Ladevorgang. Aber auch Umweltbedingungen wie Temperatur und Erwärmung der Batterie können das Ergebnis beeinflussen. Wie bei Smartphone-Akkus empfiehlt sich: Laden Sie nicht täglich und schonen Sie die Speicherfähigkeit der Batterie.

In Bezug auf die Ladedauer spielen jedoch vor allem drei Faktoren eine entscheidende Rolle:

  • Die Kapazität des Akkus
  • Die eingesetzte Technologie (Ladetechnik)
  • Die Leistung der Ladestation oder des Stromanschlusses

Hier einige Beispiele für Ladezeiten verschiedener Ladestationen:

Ladestation                                                               Ladedauer (in Stunden)

Steckdose (230V)                                                       etwa 8 – 14

Steckdose mit Wallbox                                              etwa 2 – 6

Öfftl. Ladesäulen                                                       etwa 2 – 4

Öfftl. Schnellladesäulen                                            etwa 0,5 – 1

SPORT1-Tipp: Vergleichen Sie auch die Ladezeiten der einzelnen Elektroauto-Modelle. Mit zielgerichteter Suche finden Sie den Wagen, der zu Ihren Ansprüchen passt. Während der verbreitete Kleinwagen VW e-up! rund neun Stunden benötigt, ist die Ladezeit des e-Golf etwa vier Stunden länger. Grund ist die höhere Batteriekapazität. Auch der Nissan Leaf, weltweit eines der meistverkauften Elektroautos, verfügt mit 12,5 Stunden über eine ähnliche Ladezeit. Entsprechend länger hält sich das Fahrzeug dann aber auch im Betrieb.

Ein Tool, mit dem Sie die Ladezeit Ihres E-Fahrzeugs berechnen können, finden Sie hier:

https://rechneronline.de/elektroauto/ladezeit.php

Wie oft muss ich mein E-Auto laden?

Wie bei anderen Fahrzeugen auch, stellt sich die Frage, wie weit ich mit meinem E-Auto komme. Muss ich vor jeder Einkaufstour aufladen oder reicht die Batterie für mehrere Tage? Im Unterschied zu Benzinern muss das Elektroauto im Alltag nicht extra zur Tankstelle. Laden Sie einfach, wenn das Auto sowieso steht. Wer bis zu 50 km täglich fährt, als Pendler oder um die Kinder zur Schule zu bringen, der sollte mit ein bis zwei Ladevorgängen pro Woche auskommen. Schließen Sie das Fahrzeug einfach über Nacht an die Wallbox an und schon steht es tagsüber bereit.

"Echte" Ladestopps sind nur bei längeren Reisen notwendig. Je nach Modell variiert hier die Reichweite. Bei Reisen bis zu 1000 km genügen für die meisten Fahrzeuge drei bis vier Nachladungen von jeweils 20 Minuten. Einfach eine Runde spazieren gehen und die Beine vertreten und schon ist das Fahrzeug wieder einsatzfähig. Und seien wir ehrlich: Pausen brauchen wir bei längeren Strecken ohnehin.

SPORT1-Tipp: Nicht immer müssen Sie das Fahrzeug „voll“ laden. Die Lithium-Ionen-Akkus sorgen dafür, dass die letzten 20 Prozent das Aufladens deutlich länger dauern, als die 80 Prozent davor.