Patagonia revolutioniert die Wetsuit Industrie
Patagonia revolutioniert die Wetsuit Industrie
Nicolai Steidle -

Patagonia funktioniert nach dem sogenannten Graswurzel Prinzip: wem es gefällt, wird es weiter empfehlen. Und dass Patagonia gefällt, belegen 750 Millionen Dollar Jahresumsatz eindrucksvoll. Doch wie wächst eine Firma, deren Firmenphilosophie Konsumkritik ist?

"Kaufen sie diese Jacke nicht! " war der Titel einer Doppelseitigen Werbeanzeige von Patagonia im Jahr 2011 kurz vor dem Weihnachtsgeschäft. Das Unternehmen forderte die Wegwerfgesellfschaft dazu auf, alte Jacken zu reparieren anstatt neue zu kaufen, sie motivierten die Konsumgesellschaft zum recyceln und zur Genügsamkeit, das Omegaziel der Patagonia Kampagnen war der Antikonsum. Und das dies nicht leerer Aktionismus war, bewies Patagonia prompt: sie schickten einen Truck durch Europa, in welchem Kunden ihre kaputten Jacken, egal welcher Marke, kostenfrei reparieren lassen konnten.

Es ist also geradezu paradox, dass Patagonia mit einer Antiwachstums Strategie kontinuierlich wächst. Oder ist es am Schluss einfach nur logisch?

In jedem Fall ist es konsequent, dass die Firma, die den Spagat zwischen Konsum und Klimawandel so gut meistert wie wohl keine andere in der Textilindustrie, sich vom klassischen Neoprenanzug verabschiedet (das Material wird aus Erdöl gewonnen) und zur Umweltverträglichen Variante "Yulex" wechselt. Was Yulex ist, ob es mit dem klassischen Neopren mithalten kann und wie es in die Firmenphilosophie passt, hat uns der britische Big Wave Surfer und Patagonia Europe Surf Manager Gabe Davies im Interview erzählt.

Gabe Davies

Warum wollte Patagonia sich vom Neopren trennen?

Als wir im Jahr 2005 anfingen Wetsuits herzustellen, hatten wir vor allem eines im Kopf: Wir wollten unser technisches Know How in der Bekleidungsindustrie dazu nutzen, stabile High Performance Wetsuits zu bauen ohne der Umwelt zu schaden.

Als wir uns erstmal damit beschäftigten, wie klassische Wetsuits hergestellt wurden, fanden wir heraus, dass der Herstellungsprozess Unmengen an Energie verschlingt, was m Schluss extrem umweltschädlich ist.

Neopren, auch Polychloroprene genannt, ist eine Substanz die 1930 entdeckt wurde und hergestellt wird, indem man Butadiene chlort, ein Petrochemicum das aus Schweröl gewonnen wird. Es stellt das Basismaterial von Surf und Tauch Wetsuits seit den 1950er Jahren dar und es gab keine Alternativen als wir 2005 mit unserer ersten Generation Wetsuits begannen.

Sind sich die Surfer von Heute eigentlich bewusst, dass Neopren aus Schweröl gefertigt wird?

Aus Gesprächen mit Surfern und Leuten aus der Industrie, kann man sicher sagen, dass langsam ein Bewusstsein dafür entsteht, wie schädlich Neopren am Schluss für uns alle ist. Vor allem in den USA wurden in verschiedenen Magazinen Artikel veröffentlicht, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen und die Menschen aufklären. Als wir im Jahr 2016 die ersten Neoprenfreien Wetsuits aus Yulex, einem natürlich gefertigten Gummi, herausbrachten, wurden sich auch andere Marken der zerstörerischen Konsequenzen von Neopren bewusst und fingen gleichsam an, Wetsuits aus natürlichem Gummi zu fertigen.

Was sind die Vorteile dieser neuen Wetsuits?

Seit dieser Saison sind die Patagonia Wetsuits nicht nur die umweltfreundlichsten dieses Planeten, sie sind auch die sozial verträglichsten. In Zusammenarbeit mit dem Wetsuit Hersteller Sheico und dem Gummi Fabrikanten Yulex, hat Patagonia Wetsuits geschaffen, die noch leichter, flexibler, gemütlicher und passender sind als je zuvor. Auch die Stoffe und die verwendeten Kleber wurden weiterentwickelt und sind umweltfreundlicher denn je.

Am Schluss profitieren vor allem die Arbeiter vom Fair Trade Label

Wir produzieren seit diesem Jahr die ersten Wetsuit mit Fair Trade Label, die Menschen hinter dem Produkt werden mit dem Respekt behandelt, der ihnen gebührt. Für jeden fertig gestellten Wetsuit bekommen die Arbeiter einen Bonus. Die Zertifizierung stellt ausserdem sicher, dass die Fabrik sich an Standards bezüglich Arbeitssicherheit und Gesundheitsfragen hält. Seit Frühjahr 2017 sind auch alle Board Shorts und Bikinis Fair Trade zertifiziert. Momentan hat Patagonia mehr Fair Trade gefertigte Artikel als jede andere Marke weltweit.

Die Yulex Wetsuits können sich sehen lassen

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wie funktionell Yulex ist und seht, wie die Kautschuk Gewinnung aussieht.

Sind die Yulex Wetsuits genauso funktionell wie herkömmliche Wetsuits oder muss der Käufer Abstriche machen zu Gunsten des Umweltschutzes?

Wir sind extrem glücklich, dass wir ein ökologisches Material gefunden haben, dass genau so gut oder sogar besser performt als traditionelles Neopren. Unsere Untersuchungen haben ausserdem folgendes ergeben: dadurch dass die Polyisoprenen Polymere in Bäumen produziert werden anstatt in Fabriken, und somit Sonnenenergie anstatt künstlicher Strom verwendet wird, werden bis zu 80 % weniger Treibhausgase im Herstellungsprozess ausgestoßen im Vergleich mit traditionellem Neopren. Und trotzdem ist der natürliche Gummi stärker und dehnbarer als sein synthetischer Austauschstoff. Seine Stärke, Elastizität und Dehnungsübertragung eignet sich hervorragend für Wetsuits. Wir wirken also nicht nur der Abholzung unserer Wälder entgegen, Yulex Gummi bedeutet auch in Sachen Performance einen Zugewinn.

So wird der Kautschuk für die Yulex Wetsuits gewonnen.

Glaubst du, dass andere Firmen eurem Beispiel folgen und sich die Wetsuit Industrie auf den Kopf stellt?

Das ist ein großer Teil unserer Arbeit und man könnte es als Omega Ziel ausrufen, dass Patagonia seit mehr als 20 Jahren verfolgt: Wir wollen unser Geschäft nutzen um Umweltschutz zu fördern und andere zu inspirieren. Kurzum: Wir wollen die Surfindustrie ändern!! Sheico produziert fast alle Wetsuits am Markt. Wir haben Sheico die Fair Trade Certification ermöglicht und so auch allen anderen Firmen ermöglicht, den gleichen Weg einzuschlagen, falls sie sich dazu entscheiden. Da bisher nur 0,5% des Gummi auf der ganzen Welt aus FSC zertifiziert ist, hoffen wir, dass unsere Entscheidung andere Firmen motivieren wird, den gleichen Weg einzuschlagen und nachhaltigere Lösungen zu implementieren.

Inwieweit war Firmengründer Yvon Chouinard, der für seine umweltfreundliche Firmenphilosophie bekannt ist, in diese Entwicklung involviert?

Im Endeffekt beruht jede unserer Entscheidungen auf Yvon's Leitprinzip: baut das beste Produkt, verursacht keinen vermeidbaren Schaden und nutzt unser Unternehmen, um Lösungen für die Umweltkrise zu finden und zu inspirieren. Dieses Prinzip findet immer und überall Anwendung und dient uns als Orientierungshilfe, ob wir uns weiter auf dem richtigen Weg befinden.

Warum hat sich Patagonia entschieden, diese Innovation mit anderen Firmen zu teilen?

Wir wollen dass sich so viele Firmen wie möglich für  Yulex® natural rubber entscheiden und zwar aus Quellen die Forest Stewardship Council® zertifiziert sind von der Regenwald Alliance und dass sie ausserdem in Fair Trade Cerftification investieren. Gemeinsam können wir viel mehr erreichen als Patagonia allein das jemals könnte.

Yvon Chouinard sagte mal, dass er nur im Geschäft sei, um die Welt zu retten. Nur eine Phrase oder ist dieser Mann die Mutter Theresa der Bekleidungsindustrie?

Am Black Friday 2011 haben wir eine Werbung in der New York Times geschalten, in welcher wir den Lesern sagten: Do not buy this jacket!! Kauft nur was ihr wirklich braucht und dann passt gut darauf auf.

Wir wollten auf den Fußabdruck aufmerksam machen, den wir in der Umwelt hinterlassen, jeder sollte seinen Konsum limitieren. Firmen sollten weniger produzieren und einfach langlebigere Sachen auf den Markt bringen. Kunden sollen 2 mal darüber nachdenken bevor sie kaufen.

Warum? Alles was wir tun, nimmt unserem Planeten etwas, was wir niemals zurückgeben können. Jedes Kleidungsstück, welches wir in unserer Firma produzieren, ob es nun aus organischen Materialien gefertigt ist oder aus recycelten Material, stößt ein vielfaches seines Gewichts in Treibhaus Gasen aus, verursacht mindestens die hälfte seines Gewichts an Müll und benötigt für die Produktion Unmengen an Wasser, welches immer knapper wird auf unserer Erde.

Heute ist Second Hand Ware ein großer Teil unseres Unternehmens, wir helfen den Leuten ihre Kleidung zu reparieren und somit länger zu behalten. 2017 haben wir 70.000 Kleidungsstücke weltweit repariert (55.000 davon in Reno Nevada in unserem Repair Center-dem größten Repair Center für Outdoor Apparel in ganz Nord Amerika), und wir veranstalteten Worn Wear Tours durch Europa und besuchten dabei Surf und Snowboard Destinationen und halfen den Menschen ihre Ausrüstung zu reparieren, ganz gleich welche Marke.

Glaubt man Wrap UK, dann reduziert ein neunmonatiges längerverwenden von Kleidung den Waste Footprint um bis zu 30%. Abgesehen davon verbraucht eine Reperatur weitaus weniger Energie und Chemikalien als es Recycling tut.

Vor allem in der Textil Industrie ist der Preiswettbewerb besonders erbarmungslos, die leidtragenden sind meistens die Arbeiter. Patagonia hat nun einen Meilenstein gesetzt, indem sie Sheico zur Fair Trade Zertifizierung gebracht haben und gleichzeitig andere Firmen motiviert haben, ihnen zu folgen.

 

Auf der nächsten Seite sehr ihr die Tourdaten der Worn Wear Tour für dieses Jahr

 

Worn Wear Tour

DatumVeranstaltungsortLocation

30/8/2018

Newquay, Cornwall, UK

31/8/2018 - 1/9/2018

Newquay, Cornwall, UK

4/9/2018 - 5/9/2018

Cornwall, UK

7/9/2018

Cornwall, UK

8/9/2018 - 9/9/2018

Newquay, Cornwall, UK

11/9/2018

Bude, Cornwall, UK

12/9/2018

Braunton, North Devon, UK

14/9/2018

Newquay, Cornwall, UK

15/9/2018 - 16/9/2018

Newquay, Cornwall, UK

22/9/2018 - 23/9/2018

Pukas Surf Eskola Zarautz, Spain

27/9/2018

Place des Estagnots, Seignosse, France

28/9/2018 - 29/9/2018

Place des Estagnots, Seignosse, France

3/10/2018 - 4/10/2018

Lacanau, France

5/10/2018

Place des Estagnots, Seignosse, France

6/10/2018 - 7/10/2018

Place des Estagnots, Seignosse, France

9/10/2018 - 10/10/2018

Bordeaux, France

10/10/2018

Lacanau, France

12/10/2018

Place des Estagnots, Seignosse, France

13/10/2018 - 14/10/2018

Place des Estagnots, Seignosse, France

 

 

 



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