Shinsuke Nakamura feiert bei WWE Backlash 2017 sein Debüt
Shinsuke Nakamura feiert bei WWE Backlash 2017 sein Debüt © WWE 2017 All Rights Reserved

München - Shinsuke Nakamura bestreitet bei Backlash sein Debütmatch im WWE-Hauptkader. SPORT1 erklärt, warum der Showkampf-Künstler aus Japan so heiß erwartet wird.

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Wer nicht genau hinschaut, kann das neue WWE-Phänomen ganz einfach nur für einen seltsamen Vogel halten.

Die Fratzen, die Shinsuke Nakamura schneidet, die eigenwilligen Bewegungsabläufe bei seinen Auftritten: Es ist ganz ähnlich wie mit Salvador Sobral, dem diesjährigen Sieger-Sänger des ESC - auf den ersten Blick befremdet, was der Wrestling-Star da tut.

Auf den zweiten Blick ist es dann aber auch ganz ähnlich wie mit dem portugiesischen Song-Contest-Gewinner: Der zweite Blick auf Nakamura öffnet eine neue Welt.

"Der Künstler namens Nakamura"

In der Nacht auf Montag bestreitet der 36 Jahre alte Japaner sein erstes Match im Hauptkader, bei WWE Backlash 2017 tritt Nakamura gegen Dolph Ziggler an.

Der Showkampf-Marktführer wirbt auf den Plakaten für die Großveranstaltung mit dem Debütkampf, kündigt ihn in Anlehnung an Prince an als "The Artist known as Nakamura" an, als Wrestling-Künstler, als Genie. Der Hype um den Neuzugang des SmackDown-Kaders ist groß - zu Recht.

Der für WWE-Verhältnisse mit knapp über 100 Kilo eher schmächtige Nakamura ist ein Ausnahme-Athlet, er gilt in seiner Heimat bereits als lebende Legende, ist mit zahlreichen Titeln und Auszeichnungen dekoriert worden: Seine außergewöhnlichen Ringleistungen in der Liga New Japan haben ihm weltweit Bewunderung eingebracht.

Freddie Mercury ist sein Idol

Das Erfolgsgeheimnis des Mannes aus Kyoto, neben seinem speziellen Glamrock-Charisma (er nennt Queen-Sänger Freddie Mercury als Inspiration): Nakamura beherrscht meisterhaft den so genannten "Strong Style", eine realitätsnahe Spielart des Showkampfs, in der es vor allem um die Härte, Präzision und - ja - Schönheit der Schläge und Tritte geht. Er schärfte sein Können auch einst in echten MMA-Fights.

Zu früheren Zeiten hätte Nakamuras Erfolg in Japan nicht unbedingt dazu geführt, dass er bei WWE gelandet wäre: Für zu groß hielt Liga-Boss Vince McMahon lange den kulturellen Graben zwischen dem traditionsbewussten Japan- und dem entertainment-orientiertem WWE-Stil.

Das hat sich geändert: WWE ist aufgeschlossener geworden, nicht zuletzt deshalb, weil die Liga ausländische Märkte wie den japanischen immer stärker erobern möchte.

Die TV-Kamera als Neuland

Der "King of Strong Style" wurde im Januar 2016 verpflichtet und zunächst für ein Jahr in die Entwicklungsliga NXT geschickt. Viele Fans empfanden das als Majestätsbeleidigung, aus Sicht von WWE-Talentchef Paul Levesque (Triple H) war es allerdings nötig, nicht nur, damit Nakamura noch etwas besser Englisch lernen konnte.

Nakamura habe "keine echte Kenntnis von TV-Produktion" gehabt, berichtete die Ringlegende vor einigen Monaten einer Journalisten-Runde: "Er war ein Wrestler und Performer, für den vorher irrelevant war, ob er von der Kamera gefilmt wird. Das funktioniert so aber nicht für uns."

Geschadet hat Nakamura das Intermezzo bei NXT nicht: Bei den großen Shows dort - wo ebenfalls Zehntausende in den Hallen zuschauen - unterstrich Nakamura seinen Ruf mit grandiosen Matches, allen voran seinem Debütkampf gegen Sami Zayn, der im vergangenen Jahr in der Nacht vor WrestleMania 32 die Show stahl. Obendrein bekam er auch noch einen echten Gänsehaut-Einzug auf den Leib geschneidert, mit teils live vorgetragener Geigenmusik, die von den Fans begeistert mitgesungen wird.

Die Vorfreude auf Nakamuras Kunst ist nur gewachsen. Ab Sonntag bringt er sie auf die Leinwand.

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