München - Markus Eisenbichler ist Deutschlands Vorzeige-Adler bei der Vierschanzentournee. Dabei drohte seine Karriere vor vier Jahren jäh zu enden.

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Markus Eisenbichler ist der deutsche Vorzeige-Adler bei der Vierschanzentournee (3. Springen, Mi., ab 14 Uhr im LIVETICKER) - dabei hätte seine Karriere 2012 um ein Haar ein tragisches Ende gefunden.

Damals trainierte das Nachwuchstalent gerade in Oberstdorf, als ihm ein Sprung völlig misslang und er kopfüber auf den Hang aufschlug. Die Folgen waren ein gebrochener Brustwirbel und vier weitere angebrochene - nur knapp entging er dem Rollstuhl.

Eisenbichler weiß, wie viel Glück er damals hatte: "Als ich da unten lag und nichts mehr gespürt habe, habe ich schon mal gedacht, dass es das jetzt mit dem Skispringen war."

Im Krankenhaus kam die Entwarnung und Eisenbichler traf eine Entscheidung, die seine Karriere verändern sollte: "Ich hatte damals viel Zeit zum Nachdenken. Skispringen ist einfach ein gefährlicher Sport und mir war klar: Wenn ich weitermache, dann richtig."

Eisenbichler ändert Arbeitseinstellung

Vor seinem Sturz galt Eisenbichler als Talent, dem die hundertprozentige Arbeitseinstellung fehlte. "Ich war früher oft schludrig, habe im Training nicht immer 100 Prozent gegeben. Das passiert mir nicht nochmal", schwor er sich.

Zwei Jahre später führte er das DSV-Team in Klingenthal zum Sieg und galt sogar als Geheimfavorit bei der Vierschanzentournee.

Doch Eisenbichler kam mit dem steigenden Druck nicht zurecht und scheiterte - wie er es selbst formuliert – "kläglich".

Die neue deutsche Nummer eins

Zwei weitere Jahre dauerte es, bis der heute 25-Jährige den Durchbruch schaffte - auch dank einer veränderten Vorbereitung. So verzichtete Eisenbichler im Sommer auf fast alle Wettkämpfe und trainierte stattdessen mit dem B-Kader.

Das zahlt sich aus - in dieser Saison ist Eisenbichler die Konstanz in Person und durch die Formkrise von Severin Freund die Nummer 1 im deutschen Team.

Volles Risiko geht er nicht nur auf der Schanze, sondern auch im Auto. "Ich hatte fast mehr Adrenalin im Blut als beim Skispringen - da pumpt das Herz", sagte Eisenbichler nach einem spektakulären Auto-Eistraining, bei dem die DSV-Adler ihre Qualitäten am Steuer eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Auf der tief befrorenen Bodenalm bei Seefeld jagten die Springer des DSV die Boliden von Partner Audi rund um einen tückischen Parcours. 

Vom Quali-Loser zum Mitfavoriten

Davor hatte er mit Platz eins und vier in Qualifikation bzw. Wettkampf in Garmisch nun endgültig gezeigt, dass er in der Skisprung-Weltspitze angekommen ist - und das ausgerechnet an jenem Ort, an dem er noch vor einem Jahr einen herben Rückschlag hinnehmen musste.

Damals war Eisenbichler aus Garmisch geflohen, nachdem er zuvor in der Qualifikation sang- und klanglos ausgeschieden war und aus dem deutschen Kader für die restlichen Springen gestrichen wurde.

Doch der Bundespolizist bewies zum wiederholten Male Kampfgeist und kam stärker denn je zurück. Bundestrainer Werner Schuster spricht sogar von einer "atemberaubenden Entwicklung".

"Mache einfach mein Zeug"

Diese führt ihn nach zwei Springen der Vierschanzentournee bis auf Rang vier der Gesamtwertung, sogar das Podest ist in Reichweite – doch daran verschwendet Eisenbichler keinen Gedanken (Die Gesamtwertung der Tournee).

"Ich denke wirklich nicht an die Gesamtwertung. Da sollen sich andere Gedanken machen, ob ich aufs Treppchen kommen kann oder nicht. Das ist mir ziemlich wurscht. Ich mache einfach mein Zeug", sagt Eisenbichler.

Eisenbichlers Einstellung ist mittlerweile eine Zutat seines Erfolgsrezepts.

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