65th Four Hills Tournament - Innsbruck Day 1
Severin Freund steigt aus der Vierschanzentournee aus © Getty Images

Olympiasieger Severin Freund steigt nach enttäuschenden Leistungen aus der Vierschanzentournee aus und nennt gesundheitliche Gründe. Hauptproblem ist aber ein anderes.

Der Schnupfen gab Severin Freund den Rest: Gesundheitlich und sportlich stark angeschlagen hat der Skisprung-Weltmeister die Reißleine gezogen und seine ohnehin verkorkste Vierschanzentournee vorzeitig beendet.

Bevor am Mittwoch in Innsbruck der Kampf um den Gesamtsieg in die heiße Phase geht (14 Uhr im LIVETICKER), begab sich der 28-Jährige ins Bett, um fit für die WM zu werden.

"Ich habe mich am Dienstag von Sprung zu Sprung schlechter gefühlt und mich im Hotel von unserem Teamarzt untersuchen lassen. Der diagnostizierte einen grippalen Infekt und hat mir eine Pause und Ruhe verordnet", sagte Freund.

WM als großes Ziel

Der Niederbayer hatte zuvor in der Qualifikation für das Bergisel-Springen mit einem Hüpfer auf 116,5 m nur den 47. Platz belegt.

Freund hatte als 22. der Gesamtwertung ohnehin keine Chance mehr auf eine Topplatzierung gehabt, daher stieg er bei seiner zehnten Tournee-Teilnahme erstmals freiwillig vorzeitig aus.

"Das ist zwar bitter, aber da es in der Saison noch einiges zu holen gibt, wäre es unklug, nicht auf den eigenen Körper zu hören", sagt er. Ende Februar beginnt in Lahti die nordische Ski-WM, in Finnland geht der DSV-Adler als Titelverteidiger an den Start. (SERVICE: Gesamtwertung Vierschanzentournee)

Folgen der Hüft-OP als Problem

Ob Freund bis dahin in Medaillenform kommt, erscheint allerdings fraglicher denn je.

Die Folgen seiner Hüft-Operation im Frühjahr, die nach dem Sturz vor genau einem Jahr in Innsbruck notwendig wurde, machen ihm nach wie vor zu schaffen.

Fünf Monate konnte Freund im Sommer nicht trainieren, die Bewegungsabläufe beim Absprung passen deshalb nicht hundertprozentig. 

Bundestrainer Werner Schuster hatte deshalb schon in Garmisch-Partenkirchen angedeutet, seinem Vorflieger möglicherweise eine Weltcup-Pause zu verordnen, damit Freund Zeit zum Trainieren hat.

Schuster gibt Hoffnung nicht auf

Aufgegeben hat Schuster seine etatmäßige Nummer eins indes noch nicht. "Im Moment habe ich keinen Grund, an ihm zu zweifeln, dass er bis zur WM in Form kommt. Ob er wirklich dann in Medaillenform ist, steht in den Sternen", sagte der Österreicher: "Wenn er seine sieben Sachen wieder beieinander hat, kann er vorne angreifen. Ich hoffe, dass wir das gemeinsam hinkriegen."

Die angedachte Pause kommt nun früher als erwartet. Gut möglich, dass Freund mit Blick auf die WM die anstehende Polen-Reise zu den Weltcups in Wisla (14./15. Januar) und Zakopane (21./22. Januar) auslässt. (SERVICE: Der Weltcup-Kalender)

Ein Verzicht auf die anstrengende Asien-Tour wäre da schon problematischer, steht doch im südkoreanischen Pyeongchang (15./16. Februar) nicht nur die WM-Generalprobe auf dem Programm, sondern auch der erste Wettkampf auf der neuen Olympia-Schanze.

Für die Tournee jedenfalls reichten Freunds Kräfte nicht mehr. Am Dienstagmorgen hatten sich die ersten Anzeichen auf den beginnenden Infekt gezeigt, nach der Qualifikation erbrachte ein Arztbesuch Gewissheit.

"Ich habe Severin eine Wettkampfpause verordnet und die Abreise aus dem Teamhotel empfohlen", sagte DSV-Mannschaftsarzt Dr. Mark Dorfmüller: "Leistungssport auf höchstem Niveau macht unter diesen Voraussetzungen keinen Sinn."

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