Die Hoffnungen der deutschen Skisprung-Fans ruhen auf Markus Eisenbichler (l.) und Severin Freund (r.) © dpa picture alliance

Oberstdorf - Severin Freund ist vor dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf nicht mehr die deutsche Nummer eins. Ein anderer hat ihn sportlich überflügelt.

Die Anfeuerungsrufe der 14.000 Fans schienen bei Severin Freund am Lautesten, doch am Weitesten flog wie zuletzt so oft ein anderer Deutscher: Markus Eisenbichler.

In der Qualifikation von Oberstdorf überzeugte der Siegsdorfer mit Rang sechs, Freund musste sich dagegen mit dem 19. Platz begnügen.

Die deutschen Skispringer gehen mit vertauschten Rollen in den großen Auftakt am Freitag (16.45 Uhr im LIVETICKER).

"Wir haben nicht nur Severin. Markus kann mit den Besten mithalten. Er muss für sich erkennen: Hey, das kann ich ja auch", sagt Bundestrainer Werner Schuster. Denn während der allgegenwärtige Freund vor dem Auftakt am Schattenberg für Fans und Medien als eine Art Blitzableiter agierte, ist Eisenbichler in aller Ruhe in die Weltspitze geflogen.

(Das müssen Sie zur Vierschanzentournee wissen)

Eisenbichler auch in Quali besser

Fünfmal in Folge war Eisenbichler zuletzt bester DSV-Adler, in Lillehammer stand er erstmals auf dem Podest. 

"Wir lassen Markus jetzt weitestgehend in Ruhe, er hat ja auch noch keine ordentliche Tournee gesprungen. Es ist ein Reifeprozess", sagt Schuster. Erst einmal hielt Eisenbichler bis Bischofshofen durch, mehr als Platz 50 in der Gesamtwertung schaffte er nie.

Freund kommt mit der neuen Rolle gut zurecht, hilft Eisenbichler, wo er kann. "Nach meinem Podest war Severin der Erste, der mir die Ski zusammengebunden und Fotos gemacht hat, so wie wir es immer für ihn getan haben", verriet Eisenbichler der tz. Das Ziel des Durchstarters: "Ich will gut springen, aber ich mache auch nicht so ein Fass auf wie die Medien."

Freund spürt OP-Folgen

Und Severin Freund, der Oberstdorf-Sieger des Vorjahres? Auch nach seiner Ankunft im ersten Tournee-Ort stapelte der Niederbayer tief.

"Der Sieg hier vor einem Jahr war eines der schönsten Erlebnisse meiner Karriere", sagte er auf der Bühne vor knapp 2000 Fans auf dem Prinzregenten-Platz, schob dann aber hinterher: "Die Vorzeichen sind diesmal anders. Es fehlt noch etwas."

Noch immer spürt Freund die Folgen seiner Operation im Frühjahr, doch an einem perfekten Tag wie zuletzt beim Weltcup-Auftakt in Kuusamo sind Siege durchaus möglich.

Freund selbst nennt als Favoriten lieber den erst 17 Jahre alten Domen Prevc (Slowenien) oder Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch (Polen). "Domens Flugsystem ist außergewöhnlich, aber auch außergewöhnlich effektiv. Das kann ihm auf den Tourneeschanzen helfen", sagt er.

Damit hat der junge Slowene zuletzt auch seinen sieben Jahre älteren Bruder Peter in den Schatten gestellt, der sich im vergangenen Jahr vor Freund den Tourneesieg sicherte - und nun fast schon fürchten muss, hinter dem 20-jährigen Quali-20. Cene bald nur noch die dritte Kraft im Hause Prevc zu sein.

Und was ist für Freund drin? Ganz abgeschrieben hat er sich noch nicht, auch wenn er seine Sätze mit Bedacht formuliert.

"Manchmal kann es im Skispringen ganz schnell gehen", sagt der Frontmann des DSV-Teams, der auf "seiner" Schanze in Oberstdorf schon fast 2000 Sprünge absolviert hat: "Ich will die Tournee nutzen, damit meine Sprünge besser werden. Und dann schauen wir mal, was für ein Ergebnis rauskommt. Das hat meistens in meiner Karriere ganz gut funktioniert."

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