Men's Nordic Combined HS130/10k - FIS Nordic World Ski Championships
Johannes Rydzek ist der König der Schanzen und Loipen © Getty Images

Johannes Rydzek legt bei der Nordischen Ski-WM in Lahti im Langlauf eine furiose Aufholjgad hin und krönt sich zum erfolgreichsten Kombinierer der WM-Historie.

Als Johannes Rydzek am magischen Mittwoch endgültig zum König der Kombinierer aufstieg, staunten selbst die Teamkollegen Bauklötze.

"Ritschi könnte im Moment die Schanze rückwärts runter springen und würde trotzdem gewinnen", sagte Björn Kircheisen - und der neue Rekordweltmeister Rydzek quittierte es nach seinem dritten WM-Coup von Lahti mit einem schallenden Lachen.

"Drei Titel hier, das ist unglaublich", sagte der 25 Jahre alte Allgäuer, nachdem er auch von der Großschanze in der Manier eines ganz großen Champions den Weltmeister-Titel geholt hatte. Mit einem Zauberstück von Rennen, trotz Platz fünf nach dem Springen, trotz einer Minute Rückstand. "Ich wusste, dass ich gut drauf bin, aber damit hätte ich nie gerechnet", meinte Rydzek.

Mit seinem fünften Gold insgesamt ist Rydzek der erfolgreichste Kombinierer der WM-Historie, als erster Deutscher gewann der "Dominierer" aus Oberstdorf fünf Titel bei nordischen Weltmeisterschaften und überflügelte damit den diesmal klar geschlagenen Eric Frenzel.

"Der Glaube war immer da, zum Schluss habe ich alles mobilisiert - und die Attacke zum richtigen Zeitpunkt gesetzt. Ich habe dabei auf meine Stärke hintenraus vertraut", sagte Rydzek nach einem unfassbar hart in der tiefen Loipe erarbeiteten Sieg, den er vor dem Japaner Akito Watabe (4,8 Sekunden zurück) sowie dem Franzosen Francois Braud (+13,0) feierte.

Vergleich mit Laura Dahlmeier

"Er hat das weltmeisterlich gemacht. Das war erste Sahne", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch: "Als es drauf ankam, hatte er noch die nötigen Körner. Er ist im Endspurt bombenstark." Und Kircheisen meinte: "Das ist wie bei Laura Dahlmeier im Biathlon - wenn es läuft, dann läuft es. Er ist der Beste, ein überragender Sieger."

Rydzek hatte zuvor in Lahti bereits den Einzelwettbewerb von der Normalschanze gewonnen sowie mit der deutschen Staffel triumphiert. "Das alles hier habe ich noch gar nicht realisiert. Das wird noch ein paar Tage brauchen", meinte der Kombi-König von Finnland.

Zwei weitere Top-Ten-Plätze

Ein grandioser Vierfacherfolg der DSV-Kombinierer wie im ersten Einzel-Showdown von der Normalschanze war diesmal nie in Reichweite, zu groß der Rückstand der Deutschen nach dem schwierigen Springen unter starkem Windeinfluss. Fabian Rießle wurde Sechster vor Olympiasieger Frenzel auf Platz sieben, Kircheisen kam auf Rang 16.

Mit fünf Titeln hat der DSV in Lahti schon das deutsche Rekord-Ergebnis der DDR-Mannschaft von 1974 mit fünfmal Gold eingestellt - und noch ist kein Ende in Sicht, auch für Rydzek nicht. Der kann am Freitag im abschließenden Teamsprint wohl an der Seite von Frenzel sein viertes Lahti-Gold holen und damit sein finnisches Wintermärchen vollenden.

Rydzek hatte es auf der Schanze im Ringen mit dem Seitenwind noch am besten erwischt, der 60-Sekunden-Rückstand auf den führenden Österreicher Mario Seidl war nicht die gewünschte, "aber auch nicht die schlechteste Ausgangslage", wie Rydzek sagte. Auch Bundestrainer Weinbuch war überzeugt: "Der Ritschi schafft das noch."

Hoher Rückstand nach dem Springen

Olympiasieger Frenzel hatte sich als 13. schon anderthalb Minuten Rückstand eingebrockt, Fabian Rießle und Björn Kircheisen sogar noch mehr - ein Wunschergebnis sah anders aus, Rydzek wurde damit zum einzigen echten Gold-Trumpf - und der stach.

In der Loipe übernahm Rydzek von Beginn an das Kommando, saugte sich Meter um Meter, Sekunde um Sekunde an Seidl heran. Nach drei von vier Runden hatte eine von Rydzek angeführte Vierergruppe den Sprungsieger gestellt. Am letzten Anstieg zündete der derzeit weltbeste Kombinierer die letzte Raketenstufe - alles weitere war schierer Jubel. 

Weiterlesen