BIATHLON-WORLD-WOMEN
Gabriel Koukalova hat Laura Dahlmeier im Massenstart-Weltcup noch abgefangen © Getty Images

Laura Dahlmeier wird beim Massenstart-Finale in Oslo Neunte. Ihre Dauerkonkurrentin Gabriela Koukalova läuft auf Platz zwei und schnappt der Deutschen die nächste Kugel weg.

Die letzten Strapazen ihres Rekordwinters rissen Laura Dahlmeier im Ziel einer langen Saison zu Boden.

Nach dem abschließenden Rennen am legendären Holmenkollen blieb die Gesamtweltcupsiegerin und Fünffach-Weltmeisterin aus Partenkirchen minutenlang im tiefen Schnee von Oslo liegen.

Die kleine Kristallkugel für den Massenstart musste Dahlmeier ihrer großen Rivalin Gabriela Koukalova überlassen, sich selbst nach zwölf Kilometern und drei Schießfehlern mit Platz neun zufrieden geben.

"Das Rennen hat nochmal sehr viel Überwindung gekostet. Ich habe versucht, alles zu geben und bin jetzt einfach nur total K.o. und leer", sagte Dahlmeier: "Ich war einfach nur froh, als es vorbei war und ich gewusst habe, die nächsten sechs, sieben Monate stehen einfach keine wichtigen Rennen an, und es geht um nichts Großes."

Koukalova reicht Platz 2

Koukalova hatte am letzten Weltcup-Wochenende des Winters mehr Kräfte mobilisieren können als Dahlmeier. Bereits am Freitag hatte die Tschechin der zuvor alles überragenden Deutschen die Trophäe für den Sprint abgeluchst. Platz zwei am Sonntag hinter der Norwegerin Tiril Eckhoff reichte Koukalova für den nächsten Triumph in einer Disziplinwertung. Beide leisteten sich nur einen Schießfehler.

Der wurde Franziska Hildebrand - in Führung liegend - zum Verhängnis. Ihr letzter Schuss verfehlte die Scheibe, so kam die 29-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld nur auf Platz fünf. Maren Hammerschmidt wurde 19., Vanessa Hinz lief auf Platz 24. Die zehnmalige Saisonsiegerin Dahlmeier verpasste erst zum siebten Mal bei 24 Starts das Podest.

Für die 23-Jährige endete in Norwegen dennoch eine Saison der Superlative, die ihre Höhepunkte bei der WM in Hochfilzen hatte. Als erste Biathletin überhaupt räumte die zierliche Bayerin im Februar fünfmal Gold und einmal Silber ab, gewann saisonübergreifend elf WM-Medaillen in Serie und stellte Bestmarken für die Ewigkeit auf.

"Kindheitstraum in Erfüllung gegangen"

"Es ist nicht meine Motivation, irgendwelche Rekorde zu brechen", sagte Dahlmeier: "Aber wenn man sich mal in einer stillen Minute hinsetzt und überlegt, wie viele Medaillen man gewonnen hat, ist das ein sehr schönes Gefühl."

In der vergangenen Woche hatte die Ausnahmekönnerin ihren Winter in Kontiolahti mit dem vorzeitigen Sieg im Gesamtweltcup gekrönt. Fünf Jahre nach Magdalena Neuner war Dahlmeier erst die fünfte Deutsche, der das gelang. "Dieser Erfolg hat mich wahnsinnig gefreut, denn in diesem Moment ging ein Kindheitstraum in Erfüllung", sagte Dahlmeier. 

Richtig realisiert habe sie aber noch nicht, was ihr in den vergangenen Wochen gelungen ist. "Ich weiß natürlich, dass es sehr außergewöhnliche Erfolge sind", sagte Dahlmeier: "Was es aber genau für mich bedeutet und was es für Auswirkungen hat? Da lasse ich mich überraschen. Ich nehme es so, wie es kommt."

Kletter-Tour in der Sommerpause

Dahlmeier sehnt sich nach der kurzen Sommerpause, doch erst Anfang April kommt sie in ihrer Heimatstadt nach einem offiziellen Empfang wirklich zur Ruhe. In der kommenden Woche stehen die Zollmeisterschaften in Frankreich an, dann ein Trainerlehrgang und weitere Termine, ehe der Urlaub folgt.

"Ich freue mich darauf, nichts tun zu müssen", sagte Dahlmeier: "Wenn ich auf nichts Lust habe, will ich einfach im Bett liegen bleiben und faul sein."

Die Hobby-Bergsteigerin plant auch eine ausgiebige Kletter-Tour. Ihr schwebt ein Trip nach Peru vor, gebucht ist aber noch nichts. Schon am 1. Mai beginnt die Vorbereitung auf die Olympiasaison.

Die Winterspiele 2018 in Pyeongchang und eine konkrete Zielsetzung spielen jedoch noch keine Rolle in ihrem Kopf. "Das letzte Jahr war für mich einfach so phänomenal, und Olympia ist da noch sehr, sehr weit weg", sagte die siebenmalige Weltmeisterin: "Aktuell will ich mich gar nicht damit beschäftigen."