BIATHLON-WORLD
Laura Dahlmeier liegt erschöpft im Ziel © Getty Images

Laura Dahlmeier schwingt sich bei der WM endgültig zur Königin der Biathletinnen auf. Danach muss sie erneut den Strapazen Tribut zollen.

Nach ihrem vierten WM-Gold verließen Laura Dahlmeier auch die allerletzten Kräfte.

Körperlich völlig geschwächt wurde die Biathlon-Überfliegerin aus dem Raum der Pressekonferenz gebracht. Schon auf dem Podest in Hochfilzen konnte sie gerade noch so die Arme zum Jubeln heben. Als Schlussläuferin hatte die 23-Jährige in einem Kraftakt das deutsche Team wie schon vor zwei Jahren zum Titel geführt und war dabei einmal mehr über die Schmerzgrenze gegangen. 

Wenig später erklärte Dahlmeier ihren Kollaps: "Ich habe schon, als ich die Ziellinie überquert habe, gemerkt, dass ich ziemlich platt bin. Nach dem Interviews habe ich gemerkt, dass ich Probleme mit dem Blutdruck habe. Ich habe dann bei unserem Mannschaftsarzt Blutdruck messen lassen. Der war massiv im Keller.

"Es war alles bisschen viel für mich in letzter Zeit. Es geht nicht alles spurlos an mir vorüber. Ich bin gefordert, nicht nur im Wettkampf, sondern auch drumherum", klagte die Rekord-Biathletin über ihre Belastung. Doch der Start am Sonntag im Massenstart ist wohl nicht in Gefahr: "Ich bin mir sicher, dass ich mich wieder regeneriere. Das hat bis jetzt noch immer geklappt. Am Sonntag werde ich wieder Vollgas geben." 

"Gigantischer Tag für uns"

"Das war ein gigantischer Tag für uns, die Rekorde sind fantastisch. Vor allem will ich aber herausheben, dass wir eine super Staffel hatten. Wir haben gewusst, dass wir gewinnen können", sagte Dahlmeier nach dem Zieleinlauf. Die Garmisch-Partenkirchnerin sicherte sich mit ihrer erneuten Energieleistung zwei weitere Rekorde, die sehr lange Bestand haben werden.

Anschließend ging es ihr schnell deutlich schlechter und sie musste die Beine hochlegen, um keinen Kreislaufkollaps zu erleiden. "Geh jetzt!", rief ihr Teamkollegin Vanessa Hinz kurz vor dem Start der Pressekonferenz zu. Dahlmeier verließ anschließend mit dem Mannschaftsarzt den Raum. "Laura hatte Kreislaufversagen wie am Mittwoch, deshalb haben wir sie rausgenommen", sagte DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach bei SPORT1.

Ähnliches war ihr am Mittwoch nach dem Sieg im Einzel passiert, zwei Tage zuvor hatte sie hyperventiliert und musste ebenfalls behandelt werden.

"Gewaltiges Pensum" für Dahlmeier

Gemeinsam mit Vanessa Hinz (Schliersee), Maren Hammerschmidt (Winterberg) und Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld) gewann Dahlmeier (Partenkirchen) trotz dieser Probleme nach 4x6 km und neun Nachladern vor der Ukraine und Frankreich. "Sie muss ein gewaltiges Pensum bewältigen, nicht nur was das Sportliche angeht. Sie hat mir bereits gestern gesagt, dass es mit dem Regenerieren etwas schwieriger ist als sonst", sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig.

Als erste Biathletin überhaupt holte die 23-jährige Dahlmeier saisonübergreifend zehn WM-Medaillen in Serie. Außerdem überflügelte sie Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner als erfolgreichste Deutsche bei einer WM. Neuner hatte 2011 dreimal Gold und zweimal Silber gewonnen - Dahlmeier hat in Hochfilzen bereits viermal Gold und einmal Silber abgeräumt. Und am Sonntag wartet im Massenstart noch eine weitere Chance auf Edelmetall.

Vieles deutete im Vorfeld auf einen deutschen Erfolg hin, schließlich hatte das DSV-Quartett in diesem Winter alle Staffelrennen gewonnen. Am Freitag bestritt Dahlmeier als Schlussläuferin zunächst ein einsames Rennen an der Spitze. Knapp zehn Sekunden betrug ihr Vorsprung beim Wechsel und es war klar: Würde sie ihre Normalform erreichen, wäre Gold so gut wie sicher. Doch Dahlmeier benötigte drei Ersatzpatronen und machte es noch einmal spannend. Es sollte dennoch reichen, im Ziel lag Deutschland 6,4 Sekunden vor der Ukraine und 8,1 vor Frankreich.

Hinz startet mit leichten Wacklern

Startläuferin Hinz hatte zuvor ihren Job mit ein paar Wacklern erledigt. "Ich wollte es zu schnell machen. Wenigstens habe ich aber die Nachlader reingebracht, also passt es schon", sagte die 24-Jährige, die Hammerschmidt mit 10,6 Sekunden Rückstand zur Spitze als Dritte auf die Strecke schickte.

Die 27-Jährige schoss liegend einmal daneben. Weil sie ihre Patronen aber schneller als die Konkurrentinnen abfeuerte, verlor sie trotz des Nachladers kaum Zeit. Beim nächsten Anschlag war sie der Strafrunde sogar noch näher als vor ihr Hinz - es ging gerade noch gut. "Es war echt nicht einfach, meine Beine waren ziemlich zittrig", sagte Hammerschmidt.

6,0 Sekunden betrug die Lücke zwischen Italien und dem DSV-Team zur Halbzeit, als Hildebrand übernahm. Die 29-Jährige, in diesen Tagen die schwächste deutsche Skijägerin, übernahm jedoch überraschend nach nur 1,1 km die Führung. Musste sie dem hohen Anfangstempo Tribut zollen? Nein! Zehn Schüsse und zehn Treffer waren die Folge sowie ein Vorsprung, den Dahlmeier nach Hause brachte.

Am Samstag (ab 14.45 Uhr im LIVETICKER) wollen es die Männer den Frauen gleichtun und ebenfalls die Medaillenränge erobern. "Das ist natürlich das Ziel. Bisher haben wir bei Weltmeisterschaften immer gute Rennen gezeigt", sagte Schlussläufer Simon Schempp. Auch in diesem Winter waren die deutschen Skijäger bei allen drei Weltcup-Staffeln auf dem Podest gelandet, die WM-Generalprobe in Antholz haben sie sogar gewonnen.