Montreal Canadiens v Edmonton Oilers
Leon Draisaitl hat sich in der NHL als Leistungsträger etabliert © Getty Images

Auch dank des phänomenalen Laufs des deutschen Youngsters stehen die Oilers vor ihrer ersten Playoff-Teilnahme seit elf Jahren. Ein Rekord von Marco Sturm wackelt.

Wenn jemand so wie Leon Draisaitl trifft, wie er will, dann nennen ihn die Nordamerikaner "red hot" - glühend heiß.

Beim 7:4 der Edmonton Oilers gegen die Colorado Avalanche gelangen dem Eishockey-Jungstar im sechsten Spiel nacheinander mindestens zwei Scorerpunkte. Eine Leistung, die als letzter Oilers-Profi der legendäre frühere Kapitän Mark Messier im Januar 1990 geschafft hatte.

Seit Draisaitl vorige Woche den deutschen NHL-Punkterekord von Bundestrainer Marco Sturm geknackt hat, ist er kaum noch aufzuhalten, steht nun bei 26 Saisontreffern und 43 Torvorlagen. Und die nächste Sturm-Bestmarke ist schon in Reichweite. 2005/06 kam der einstige Top-Stürmer auf 29 Treffer. "Mit ihm würde ich mich nicht vergleichen wollen. Er hat über Jahre überragende Leistungen in der NHL gebracht. Da habe ich noch einen langen Weg vor mir", sagte Draisaitl dennoch gewohnt bescheiden.

Draisaitl könnte Heim-WM verpassen

Doch angeführt von Draisaitl und Kanadas nächstem Wunderkind Connor McDavid haben die Oilers inzwischen die Qualifikation für die NHL-Endrunde praktisch in der Tasche. "Play-offs zu spielen mit den Oilers in diesem Land ist ein Traum, das Höchste der Gefühle", meinte Draisaitl.

Was für ihn Traum ist, wäre für die deutsche Nationalmannschaft weniger schön. Zumindest dann, wenn das Team aus der Provinz Alberta die erste Play-off-Runde überstünde, wäre Draisaitl bei der Heim-WM nicht dabei. So gern er im Mai in seiner Heimatstadt Köln ("Ich hätte so große Lust") spielen würde, der Kampf um den Stanley Cup in der nordamerikanischen Profiliga ist das Nonplusultra.

Die Oilers haben einen komfortablen Vorsprung auf die Los Angeles Kings, die auf dem ersten Platz außerhalb der Play-off-Ränge stehen. Selbst bei einer Pleitenserie in den letzten acht Hauptrundenspielen kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. "Das wäre für das ganze Land gigantisch", sagte Draisaitl, nachdem im Vorjahr erstmals seit 46 Jahren keine kanadische Mannschaft die Play-offs erreicht hatte: "Das ist so, als wäre kein deutscher Fußballklub in einem europäischen Wettbewerb vertreten."

Aber nicht nur Kanada - womöglich sind diesmal fünf Teams dabei - atmet auf, auch die Stadt Edmonton. Elf Jahre ist die letzte Play-off-Teilnahme der Oilers her. Dazwischen lag ein Umbruch nach dem anderen, erst seit sich Top-Scorer McDavid und Draisaitl als NHL-Stars etabliert haben, ist der fünfmalige Champion wieder konkurrenzfähig. Voreilig gefeiert wird dennoch nicht. "Wir haben noch eine Menge wichtige Spiele vor uns", sagte Draisaitl vor dem 40. Saisonsieg in Denver/Colorado.

"Bin der Erste, der im Flieger sitzt"

Dabei geht es jetzt vor allem um die Ausgangsposition. Edmonton hat eine realistische Chance, die Pacific Division sogar zu gewinnen. Das würde den Oilers in den ersten beiden Play-off-Runden das Heimrecht bescheren, nach aktuellem Stand aber stünde ein Duell mit den Anaheim Ducks und Korbinian Holzer bevor.

In jedem Falle gehen die Oilers eher als Außenseiter in die wichtigste Phase der NHL-Saison. Einen Gipfelsturm trauen ihnen auch mit einem entfesselten Draisaitl (noch) nicht allzu viele zu. Aber der 21-Jährige hätte ja Aussicht auf ein spannendes Alternativprogramm. "Wenn wir vorzeitig ausscheiden sollten, bin ich der Erste, der im Flieger nach Deutschland sitzt", sagte er.

Es wäre für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) das Beste, was passieren könnte.

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