München - Der Besuch der New England Patriots bei US-Präsident Donald Trump gerät zur Farce. Viele Spieler wie Tom Brady fehlen. Trump droht sogar das Team zu spalten.

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Man darf gespannt sein, wie Pressesprecher Sean Spicer diese Farce als Erfolg verkauft.

Der traditionelle Besuch des NFL-Champions beim US-Päsidenten im Weißen Haus ist normalerweise eine spaßige und lockere Angelegenheit, aber was ist bei diesem Präsidenten schon normal?

Während Donald Trump sich - wie bereits im Wahlkampf - in seiner Bekanntschaft mit Eigner Robert Kraft und Coach Bill Belichick sonnte, waren im Aufgebot der New England Patriots ähnliche Lücken zu erkennen, wie im Luftbild von Trumps Amtseinführung.

Nur 34 Patriots waren gekommen – und damit deutlich weniger als noch 2015 nach der Einladung des damaligen US-Präsidenten Barack Obama.

Diverse Spieler boykottieren Trump

Diverse, größtenteils afro-amerikanische, Spieler blieben dem Empfang diesmal fern. Sie hatten bereits im Vorfeld überaus klargestellt, dass Trump der Grund für ihr Fernbleiben sei.

Neben dem früheren Star-Tight-End Martellus Bennett, Safety Devin McCourty, Running Back LeGarrette Blount, dem weißen Defensive End Chris Long und Super-Bowl-Held Dont'a Hightower verzichtete auch Alan Branch auf den Trip.

Der Defensive Tackle erklärte dem Boston Globe ausführlich seine Gründe: "Ich habe drei Töchter. Ich werde ganz sicher nicht Zeit ohne sie verbringen, um einem Mann die Hand zu schütteln, mit dem ich nichts zu tun haben will. Danach könnte ich nie mit meinen Kindern zusammen sein und tun, als wäre nichts gewesen."

Branch bezog sich dabei auf eine mittlerweile berüchtigte Episode Trumps, der in einer Tonbandaufnahme damit geprahlt hatte, Frauen ungestraft küssen oder begrapschen zu können und dies dann als "Locker-Room-Talk" gerechtfertigt hatte.

Superstar Brady fehlt ebenfalls

Von dieser Art "Kabinengespräch" fühlten sich nicht zuletzt sehr viel Sportler beleidigt, weil damit Belästigung von Frauen auf geschmacklose Art und Weise verharmlost wird.  "Ich habe nie jemanden auf diese Art in einer Kabine reden hören. Das hat mich entsetzt", betonte Branch.

Selbst einer, der lange Zeit als großer Trump-Befürworter galt, war nicht erschienen: Superstar Tom Brady fehlte wegen des Hochzeitstags seiner Eltern. Ein verständlicher, aber vermutlich auch nicht ungelegener Grund für Brady, um der Veranstaltung fern zu bleiben.

Der fünfmalige Super-Bowl-Champion hatte sich in Sachen Trump zuletzt immer mehr zurückgehalten und auf Fragen zu ihm nur noch einsilbig geantwortet.

Patriots bei Trump gespalten 

Das Team hatte keinen Spieler unter Druck gesetzt, doch an der Veranstaltung teilzunehmen - trotzdem geben die Patriots in diesem Zusammenhang kein geschlossenes Bild ab.

Während einige Star-Spieler sich klar gegen die mindestens umstrittene Figur Trump und seine Politik stellen, ist Kraft ein ganz klarer Unterstützer. Zur Einführung Trumps hatte sein Unternehmen Kraft Group sogar eine Millionen Dollar gespendet.

Zuletzt weilte Kraft mit dem Präsidenten und Japans Premierminister zum Abendessen in Trumps Wochenendrückzugsraum Mar-a-Lago in Florida.

Coach Belichick ruderte zwar bereits während des Wahlkampfes zurück, Trump politisch zu unterstützen, zeigte sich aber wenig auskunftsfreudig, wenn es um seine Beziehung zu dem Immobilien-Tycoon und "Führer der freien Welt" geht.

Politik ein Thema in der Kabine

Im schlimmsten Fall könnte diese politische Spaltung sogar sportliche Probleme machen, denn es wird in der Kabine bei weitem nicht nur über Sport geredet.

"Es wird sehr viel und oft über Politik gesprochen. Jeder hat seine eigene Sichtweise. Ich kann mit Trumps Sichtweise nichts anfangen. Ich möchte auch nicht, dass irgendjemand denkt, er könne sich alles erlauben, weil er eine Berühmtheit ist", sagte Branch.

Bennett, inzwischen bei den Green Bay Packers unter Vertrag, wird sogar Gast einer Trump-kritischen Show auf Netflix sein.

Nach deren Ausstrahlung könnte Spicer erneut gefordert sein – nun muss er sich aber erst einmal der Herausforderung stellen, diesen ungewöhnlich faden Besuch eines NFL-Champions als Erfolg zu verkaufen.