Charlotte Hornets v Boston Celtics
Dwight Howard wurde zwischen 2007 und 2014 immer zum All-Star Game der NBA eingeladen © Getty Images

München - Vom Superman zu Dwightmare - und jetzt das Comeback? Der einstige NBA-Superstar Dwight Howard will bei den Charlotte Hornets wieder zu alter Stärke finden.

von Marvin Tischler

Er war ein NBA-Megastar wie LeBron James.

Dwight Howard war gefragt, trat in Werbespots für McDonald's und Gatorade auf und hatte seinen eigenen Schuh und einen lukrativen Deal bei Sportartikelgigant Adidas (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US).

Auch sportlich lief es für den ersten Pick des Drafts von 2004 blendend. Howard wurde im Trikot der Orlando Magic drei Mal zum besten Verteidiger der Liga gekürt, gewann den Slam-Dunk-Contest - unvergessen ist sein Auftritt im Superman-Umhang - und legte jährlich Zahlen jenseits der 20 Punkte und 13 Rebounds auf. 

Seine 3,1 Millionen Stimmen für das All-Star-Game 2009 sind bis heute Rekord. Dazu führte Howard Orlando in fünf aufeinanderfolgenden Jahren in die Playoffs und 2009 sogar bis in die Finals.

Strip-Clubs, Alkohol und Frauen

Schon in Orlando zeichnete sich jedoch ein bedrohlicher Werdegang des Centers abseits des Basketball-Feldes ab. Howard, der sehr christlich erzogen wurde, kam plötzlich mit Dingen in Kontakt, die er nicht kannte.

Der Big Man entdeckte und fand Gefallen an Strip-Clubs, Alkohol und für ihn genauso neu - Frauen. Der damals 18-Jährige kam als Jungfrau direkt von der High School in die Profiliga NBA.

2007 kam sein erstes uneheliches Kind zur Welt, vier weitere sollten bis 2013 folgen. Alle seine Kinder sind von unterschiedlichen Frauen. Auch mit Geld soll der 2,11-Meter-Riese leichtsinnig umgegangen sein.

Er wollte in Filmen mitspielen, seine Marke als Superman weiter ausbauen, wechselte seinen Manager und forcierte 2012 einen Trade zu den glamourösen Los Angeles Lakers. Dort ging es bergab.

Howard zieht den Beef an

In Los Angeles brachen Howards Leistungen zum ersten Mal ein. Der Center startete trotz Rücken- und Schulterverletzungen 76 Spiele - Streitereien mit Kobe Bryant beendeten nach nur einer Saison das große Vorhaben in LA.

Stimmen, die Howards Spielstil kritisierten, wurden laut. Big Man sollten werfen können, sein Spiel im Post sei zu altertümlich und passe nicht mehr zur heutigen NBA. Zudem bekam er nie seine Freiwurfschwäche in den Griff.

Ein Wechsel zu den Houston Rockets und nach drei Jahren nochmal einer zu den Atlanta Hawks brachten nicht die gewünschte Besserung. In Houston spiegelte sich der Stress aus LA: Howard und Superstar James Harden konnten sich nicht leiden. 

Bei den Hawks erlebte Howards Produktivität dann ihren bisherigen Tiefpunkt. Nur 13,5 Punkte pro Spiel - so wenig wie seit seiner Rookie-Saison nicht mehr. Auch mit Dennis Schröder gab es Wortgefechte. Ein Umbruch musste her. Howard wechselte wieder den Manager, feuerte Angestellte und sprach zwischenzeitlich zwei Jahre nicht mit seinen stark religiösen Eltern.

Anruf von Michael Jordan

In der kommenden Saison spielt der einstige Superman bei den Charlotte Hornets von Besitzer Michael Jordan. In der Off-Season wurde wieder einiges Umgestellt in Howards Umfeld. Er arbeitet inzwischen wieder mit seinem ersten Manager aus den Zeiten in Orlando.

Sein Spiel soll besser an die heutige NBA angepasst werden. Auf dem Trainingsplan standen Fastbreak-Drills und Würfe anstatt Postmoves. Abseits des Courts kaufte sich Howard eine Farm außerhalb seiner Heimatstadt Atlanta und baut dort in seiner freien Zeit zur Entspannung Gemüse an.

Ist das eine Vorbereitung auf das Leben nach der NBA als Farmer? Für den ältesten Spieler im Kader der Hornets könnte das die letzte Chance sein, noch einmal auf seinem alten Level zu spielen. Und der 31-Jährige weiß das. Im Tank hat er schon noch etwas, schaffte er doch bei aller Kritik in jedem seiner 13 NBA-Jahre im Schnitt ein Double-Double.

In Howards Haus hängt ein besonderes Bild der Motivation. Es zeigt ihn selbst bei seinem ersten verwandelten Dreier im Jahr 2007. Ein Scharfschütze von außerhalb wird der Center wahrscheinlich nie mehr werden. Seine Dreierquote wird er bei den Hornets aber in Angriff nehmen. Noch steht diese bei ganzen fünf getroffenen Dreiern.

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