Mit den Miami Heat und LeBron James (m.) ging die Entwicklung der Superteams richtig los © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - In der NBA gibt es einen neuen Trend - Superstars ballen sich in wenigen Teams. Dirk Nowitzki resigniert bei SPORT1. Ausgelöst hat die Entwicklung LeBron James.

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Von Stefan Schnürle, Eric Böhm und Uwe Winter

Dirk Nowitzki ist wenig begeistert von dieser Entwicklung: "Es ist Wahnsinn. Nicht nur Cleveland und die Warriors. Jetzt laden auch andere Teams richtig auf, weil sie sehen, dass du mittlerweile drei bis vier Superstars in der Mannschaft haben musst, um ganz oben mitzuspielen", sagte die deutsche NBA-Legende bei SPORT1.

Diese sogenannten Superteams, die die Ikone der Dallas Mavericks damit anspricht, sind der neueste Trend in der NBA. Immer mehr Superstars wechseln zu Teams, die bereits einen oder mehrere Superstar in ihren Reihen haben - das zeigt dieser Sommer mehr als deutlich.

Nach den Golden State Warriors und den Cleveland Cavaliers bauen sich jetzt auch die Houston Rockets ein Superteam auf und bevor Russell Westbrook sich einem anschließt, versuchen die Oklahoma City Thunder ihn mit Superstar Paul George zu besänftigen. 

Dies geht natürlich auf Kosten der Ausgeglichenheit der Liga.

Nowitzki überrascht von Trades

"Jetzt ist Chris Paul nach Houston gegangen, ein total überraschender Move. Paul George ist nach Oklahoma gegangen, was keiner vorher erwartet hatte. Es wird statt einfacher immer schwerer", macht sich Nowitzki wenig Illusionen.

Seine Dallas Mavericks waren das letzte Team, die mit Nowitzki als einzigem Superstar den Titel holen konnten – die vier Champions seit 2011 (Miami Heat, San Antonio Spurs, Golden State Warriors und Cleveland Cavaliers) hatten mindestens drei.

Eine ähnliche Überraschung wie die der Mavs durch Teamleistung zu schaffen, ist angesichts der Stärke von Teams wie den Warriors und Cavaliers fast ausgeschlossen. Zumal diese eher immer stärker als schwächer werden. So sind die Cavs mit Carmelo Anthony bereits am nächsten Superstar dran.

Superteams kein neues Phänomen

Zwar sind Superteams kein neues Phänomen in der NBA - man denke nur an die Los Angeles Lakers der 80-er und 2000-er sowie die Chicago Bulls in den 90er-Jahren zurück – doch in so einer Masse gab es sie noch nie.

Speziell für die Teams im Westen bleibt hinter den Warriors, Spurs, Rockets und wahrscheinlich auch OKC nur der Kampf um die Ränge fünf bis acht und das beinahe sichere Aus in Runde eins der Playoffs. Eine Chance, die Superteams irgendwann herauszufordern, hat man so jedoch nicht.

"Ich hoffe dass wir verletzungsfrei sind im nächsten Jahr, dass wir trotzdem eine gute, junge, explosive und interessante Mannschaft haben und dass es wenigstens Spaß macht zu spielen", sagte Nowitzki etwas resignierend.

Nur jahrelanges Tanken hilft

Hat ein Team keinen Superstar in den Reihen, bleibt fast nur der Weg der Philadelphia 76ers. Jahrelanges Tanken und Picks ansammeln, um mit jungen Spielern ein eigenes zukünftiges Superteam aufzubauen.

Doch kann das die Zukunft der NBA sein? Sechs, sieben Superteams dominieren die Liga, während der Rest versucht möglichst schlecht abzuschneiden, um einen Toppick zu ergattern?

Dass es zur Bildung von weiteren Superteams kommt, sollte eigentlich die vor der vergangenen Saison eingeführte Super-Max Extension verhindern. Dank dieser können Teams ihren Superstars mehr Geld bieten als andere Franchises.

Superstars wie Chris Paul und Paul George machen davon jedoch keinen Gebrauch und schließen sich lieber für weniger Geld anderen Teams mit Superstars an. Kevin Durant verzichtete sogar auf 16 Millionen Dollar, damit die Warriors ihr Superteam zusammenhalten können.

LeBron löst Entwicklung aus 

Ausgelöst hat diese Entwicklung LeBron James. Der aktuell beste Spieler des Planeten entschied sich 2010 dazu, lieber zu einem Superteam zu wechseln, als ein eigenes Meisterteam aufzubauen. Dies führte zu den dominanten Jahren der Miami Heat, die mit LeBron, Chris Bosh und Dwyane Wade drei Superstars hatten.

Doch der versuchte Aufbau von Superteams birgt auch Gefahren. So hatten die Los Angeles Clippers mit Chris Paul, Blake Griffin, DeAndre Jordan und J. J. Reddick eine großartige Truppe, die nur von Verletzungspech ausgebremst wurde. Durch die Abgänge von Paul und Reddick droht das Team nun auseinanderzubrechen.

Wie das ausgehen kann, erleben gerade die Atlanta Hawks. Vor zwei Jahren hatte das Team mit Jeff Teague, Kyle Korver, Paul Millsap, Al Horford vier All Stars in ihren Reihen. Im Januar 2015 wurde sogar die gesamte Starting Five für den "Player of the Month" nominiert.

Mit Millsap sagt nun der letzte Spieler aus dem vermeintlichen Superteam Tschüss - um irgendwann einen NBA-Titel zu holen, wird sich Dennis Schröder also früher oder später wohl auch einmal einem Superteam anschließen müssen.

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