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Lonzo Ball (M.) soll der nächste Star nach Kobe Bryant werden - Vater LaVar ist sich dessen sicher © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ iStock

München - Lonzo Ball beeindruckt in der Summer League für die Lakers mit historischen Leistungen und "Mamba-Mentalität". Nur der Großmaul-Vater stört.

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Die Fußstapfen bei den Los Angeles Lakers sind immens. 20 Jahre lang war Kobe Bryant die Ikone in Kalifornien.

Die Franchise lechzt ein Jahr nach dessen Karriereende nach einem neuen Superstar, einem Anführer, der den alten Glanz zurückbringt. Ein Rookie macht sich auf, eine neue Ärä in Lila und Gold einzuläuten: Lonzo Ball.

Die Leistungen des zweiten Picks des NBA-Drafts in der Summer League sind bereits historisch - und auch Bryant spielt eine Rolle.

Ball mit Gala in Kobe-Schuhen

Nach seinem bislang besten Spiel in der Vorbereitung ließ Ball bemerkenswerte Worte fallen: "Mamba-Mentalität".

Ausgerechnet in Nike-Schuhen von Bryant, der "Black Mamba", legte Ball am 12. Juli 36 Punkte, elf Assists, acht Rebounds und fünf Steals auf - das beeindruckte selbst LeBron James doppelt. "Er kann wirklich passen", sagte James bei ESPN.

Die Schuh-Wahl war auch aus dem Grund aufsehenerregend, dass Ball überhaupt ein Paar einer anderen Marke trug. Denn dank seines exzentrischen Vaters LaVar stehen seit Monaten nicht nur Balls basketballerische Fähigkeiten, sondern auch seine Füße im Fokus.

Die Ball-Familie, zur der auch die ebenfalls talentierten Brüder LiAngelo und LaMelo gehören, hat mit "Big Baller Brand" eine eigene Marke.

Ein Schuh-Deal mit möglichen Interessenten wie Nike, Adidas und Under Armour scheiterte an LaVar Balls größenwahnsinnigen Forderungen - so war im Mai von drei Milliarden Dollar die Rede.

Großmaul LaVar und Schuh-Wirrwarr

In der Summer League lief Lonzo die ersten zwei Partien in seinen Signatur-Sneakern der Big Baller Brand auf. Anschließend präsentierte Ball allerdings Nike, Adidas und Under Armour.

"Du kannst anziehen was du willst, wenn du für die Big Baller Brand spielst", erklärte Ball. Sein Vater ging - natürlich - einen Schritt weiter und sprach von einem "Statement an die anderen Marken".

Die Ausbrüche des Vaters richteten sich auch schon gegen Michael Jordan, LeBron James und Bryant. Vor der Talenteziehung wurde monatelang klargestellt, dass Lonzo nur für die Lakers spielen werde. So lehnte er es ab, bei den Boston Celtics vorzuspielen, die zu dem Zeitpunkt den ersten Pick hielten.

Und am Draft-Tag folgte der nächste Arroganz-Anfall, als Lonzo und LaVar sofort von den Playoffs sprachen und damit nicht nur bei Liga-Kollegen, sondern auch beim eigenen Trainer für Verwunderung sorgten.

Das Theater wirft einen unschönen Schatten auf den sportlichen Glanz Lonzos, der sich davon aber nicht beeindrucken lässt.

Historische Leistungen

In der Summer League erzielte Ball zwei Triple-Doubles - und damit zwei mehr als alle anderen Spieler im letzten Jahrzehnt zusammen.

Balls erste beiden Auftritte sorgten für die höchsten Einschaltquoten von Summer-League-Spielen aller Zeiten. Seine Statistiken stellen die heutigen Superstars bei deren Anfängen in den Schatten - und sorgten trotz seines verletzungsbedingten Fehlens im Finale für den MVP-Titel.

Über sechs Spiele kam der Allrounder auf 16,3 Punkte, 9,3 Assists, 7,7 Rebounds, 2,5 Steals und 1,0 Blocks pro Partie - einzig seine Dreierquote von 24 Prozent macht wohl nur Vater LaVar keine Sorgen.

Pass first

Balls Pässe über das halbe Feld erinnern an einen Quarterback, die Spielübersicht an Größen wie Jason Kidd oder Magic Johnson, eine weitere Lakers-Legende. Bislang bestätigt Ball die Vorschlusslorbeeren, auch wenn es abzuwarten gilt, ob der Mann von den UCLA Bruins auch in der regulären Saison gegen die Top-Stars seinen Mann stehen kann.

In einer Hinsicht ist Ball bereits besser, als es Bryant je war - oder zumindest sein wollte. Ball ist ein Teamspieler, der den Pass dem Wurf vorzieht. Die Kollegen freut's, die Fans auch.

Die Zeit für neuen Basket-Ball im Laker-Land ist gekommen.

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