Kevin Durant (l.) und die Golden State Warriors haben in den Playoffs 2017 noch kein Spiel verloren © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Picture Alliance/ iStock

München - Die Cleveland Cavaliers und Golden State Warriors beherrschen die Playoffs. Eine solche Dominanz ist nicht neu, birgt Gefahren, könnte aber zum Glücksfall werden.

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Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten.

Die NBA-Playoffs sind zu einer Two-Team-Show verkommen, die aber immerhin ein herausragendes historisches Ausmaß angenommen haben. Bis zu dieser Saison hatten nur die L.A. Lakers (1989 und 2001) Playoffs mit elf Siegen in Folge begonnen. Ohne Avery Bradleys K.o.-Treffer gegen Cleveland in Spiel 3 hätten wir dies 2017 gleich zweimal erlebt (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US ).

"Fans wollen in jedem Spiel Buzzer-Beater sehen, aber manchmal läuft es nicht so. Wenn es euch nicht passt, schaltet nicht ein", kanzelte Kevin Durant Kritiker zuletzt lapidar ab.

Die Spannung bleibt bei einer derartigen Dominanz der Cavaliers und Durants Golden State - 3 Sweeps in Folge - naturgemäß auf der Strecke, aber die möglicherweise epischen Finals könnten sich ultimativ doch noch zum Segen für die Liga entwickeln.

NBA profitiert von Dauerrivalität

Denn die NBA profitierte in der Vergangenheit immer von Dauerrivalitäten in den Endspielserien. Legendär sind die Schlachten zwischen Celtics und Lakers in den 80er Jahren. Dreimal duellierten sich Larry Bird und Magic Johnson in den Finals und elektrisierten die Fans der Prä-Jordan-Ära.

Dass diese beiden Superteams ähnlich wie heute Cavs und Warriors durch die Playoffs marschierten, war nur eine Randnotiz und schadete der NBA nicht. Die Lakers mussten 1984, 1985 und 1987 bis zu den Finals insgesamt nur einmal in ein sechstes Spiel, die Celtics auch nur viermal.

Ähnlich sah es beispielsweise bei Michael Jordans zweitem Threepeat aus. 1997 und 1998 standen ihm und seinen Chicago Bulls mit den von John Stockton und Karl Malone geführten Utah Jazz ebenbürtige Kontrahenten gegenüber. Die extrem umkämpften Partien bis hin zum Höhepunkt mit Jordans letztem Wurf im Bulls-Trikot zum insgesamt sechsten Meistertitel des größten Basketballers aller Zeiten waren sofort Klassiker.

Auch diese beiden Mannschaften fegten vorher problemlos durch die Playoffs. Chicago verlor in sechs Serien nur einmal mehr als ein Spiel, Utah in beiden Jahren nur je einmal.

Entwicklung birgt Gefahren

Abgesehen von den Conference-Finals 2016 der Warriors gegen die OKC Thunder mit Russell Westbrook - und auch noch mit Überläufer Kevin Durant - dominierten die beiden Rivalen schon in den vergangenen beiden Jahren die Playoffs nach Belieben. Es folgten spannende Finals, der Hype und die Rivalität verstärkte sich nach Durants Wechsel in die Bay Area sogar noch, trotzdem birgt die aktuelle Entwicklung in der NBA auch größere Gefahren als in der Vergangenheit.

Die Konzentration großer Stars in großen Märkten - 2010 von LeBron James durch seine berüchtigte "Decision" auf ein neues Level gehoben - vergrößert das Leistungsgefälle. Selbst die besten Spieler sehen sich immer öfter gezwungen, sich anderen Stars anzuschließen, um eine Titelchance zu haben, statt "ihr" Team aufzubauen. Daraus resultierend verlieren kleinere Teams an vermeintlich unattraktiven Standorten ihre Topleute.

Auch die Regeländerung, mit finanziellen Anreizen mehr Treue zum ursprünglichen Team zu schaffen, haben sich bisher noch nicht ausgezahlt.

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Ränge im Mittelfeld mittlerweile verpönt

Zudem haben sich die Ziele deutlich verändert. Während früher Teams durchaus eine ständige Playoff-Präsenz anstrebten, um sich Schritt für Schritt an die Finals heranzuarbeiten, scheint heute die gefürchtetste Lage das Mittelfeld zu sein.

Die Conference-Ränge fünf bis elf sind mittlerweile fast schon verpönt. Aus dem Dilemma "zu gut für die Draft-Lotterie, zu schlecht für den Titel" kommt man ganz schwer raus. Beispiele der vergangenen Jahre sind am oberen Ende der Skala Memphis und eher am unteren Ende Milwaukee oder auch Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks.

Ohne Chance auf die Top-Rookies oder Free Agents kommt man nur ganz schwer aus dem Teufelskreis, deshalb ist das absichtliche Herschenken ("Tanking") in der vergangenen Jahren deutlich mehr in Mode gekommen - dies schadet aber natürlich mittelfristig dem Produkt.

Der letzte Eindruck zählt

Kurzfristig spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle. Langweilige Playoffs für epische Finals? Nicht nur in der NBA-Zentrale wird man diesen Preis gern zahlen. Für das Vermächtnis zählt nicht erst seit Magic/Bird der letzte Eindruck. Gähn-Playoffs sind da schnell vergessen. Boss Adam Silver muss schließlich vor allem mit den Finals-Einschaltquoten bei den Sponsoren hausieren gehen.

So gesehen ist die Konstellation mit zwei überragenden Teams tatsächlich eher Segen.

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