München - Die Cleveland Cavaliers stecken in einer Krise. Vor allem in der Defense hapert es gewaltig. Der Star kritisiert das eigene Team. Tyronn Lue ist sprachlos.

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Für einige Minuten stockte den Fans der Cleveland Cavaliers am Montagabend der Atem. Nach einem leichten Ellenbogencheck ging LeBron James im Kracher gegen die San Antonio Spurs zu Boden, wo er mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen blieb.

Schließlich richtete er sich mit Hilfe von Teamkollegen und Betreuern auf und ging in die Kabine. Das Spiel war für ihn beendet, die Partie beim Stand von 55:79 aus der Sicht der Cavs ohnehin entschieden.

Auch wenn James anschließend Entwarnung gab und sich für die nächste Partie gegen die Chicago Bulls am Donnerstag fit meldete – die Sorgenfalten beim Titelverteidiger sind vor der entscheidenden Saisonphase immens (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US).

Schlecht wie die Lakers

Die 74:108-Pleite gegen San Antonio war die achte aus den vergangenen 13 Spielen. Cleveland ist durch die aktuelle Formkrise in der Eastern Conference auf den zweiten Platz hinter die Boston Celtics abgerutscht - zum ersten Mal seit Mitte November.

"Es geht weniger darum, wo wir stehen. Sondern darum, dass wir besseren Basketball spielen", spielte James den Verlust der Spitze herunter.

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Gegen die Spurs haperte es sogar im Angriff. Die 74 Punkte bei einer 15-prozentigen Dreierquote waren ein Saisonnegativrekord. Das Sorgenkind bleibt aber die Defense. James geht mit keinem guten Beispiel voran und zeigte sich in der Verteidigung in den vergangenen Wochen ungewohnt nachlässig.

Ligaweit rangiert Cleveland in Sachen Defensivleistung nur auf dem 22. Platz, seit dem All-Star Break haben die Cavaliers sogar nur noch das zweitschlechteste Defensive Rating zu bieten - einzig die Lakers verteidigen noch mieser.

Das 115:127 am Tag zuvor gegen Washington war sinnbildlich. Die Wizards trafen 59,8 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld, 44,4 Prozent aus der Distanz, hatten bereits zur Halbzeit 71 Zähler auf dem Konto und John Wall (37 Punkte, 11 Assists) durfte als Point Guard mehr oder weniger machen, was er wollte.

LeBron motzt

"Es geht eher bergab als bergauf", gestand daher auch James nach dem Spiel. Das sei noch "kein Grund zur Sorge, aber wir wollen natürlich mehr obenauf als am Boden sein, vor allem in den entscheidenden Phasen in der Defensive".

Das Problem: James ist neben Defensiv-Allergikern wie Kyrie Irving, Deron Williams, Kyle Korver und Kevin Love unter dem eigenen Korb nahezu auf sich allein gestellt. Nimmt sich der viermalige MVP zugunsten seiner Performance in der Offensive hinten die eine oder andere Auszeit, werden die Gegner förmlich zum Punkten eingeladen.

Denn Tristan Thompson ist unter dem Korb aktuell alles andere als ein Defensivanker. Gegen die Wizards griff sich der Big Man keinen einzigen Defensivrebound. 

"Es geht nicht um eine Gruppe, es geht um einzelne Leute", hatte James bereits nach der Niederlage in Denver gemotzt: "Wir müssen uns einfach mehr reinhängen. Du kannst Härte und Einsatz nicht predigen. Du musst es einfach bringen."

Der Coach ist ratlos

Coach Tyronn Lue zeigt sich zunehmend ratlos. "Die Teams sind so viel schneller als wir. Sie schlagen uns aus dem Dribbling, in der Transition...", so Lue: "Ich kann den Jungs nicht vorwerfen, dass sie nichts versuchen."

Auf die Frage, ob sein Team zur nötigen Stärke in der Defensive zurückfinden werde, sagte Lue vielsagend: "Ich bin nicht zuversichtlich, aber wir müssen. Wir müssen einfach."

Am besten schon in den verbleibenden neun Partien der Regular Season. Unter anderem wartet da noch das direkte Duell beim ärgsten Verfolger in Boston.

Wenn den Meister schon seine Defense im Stich lässt, sollte er sich für die Playoffs zumindest das Heimrecht als kleinen zusätzlichen Vorteil sichern.

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