Ademola Okulaja äußert sich zur Situation von Dennis Schröder beim NBA-Klub Atlanta Hawks
Berater und Ex-Nationalspieler Ademola Okulaja erklärt im SPORT1-Interview die Situation von Dennis Schröder bei den Atlanta Hawks © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago/iStock/Marc Tirl

München - Bei Dennis Schröder häufen sich trotz sportlicher Top-Leistungen die negativen Schlagzeilen. Berater Ademola Okulaja stellt sich bei SPORT1 vor seinen Schützling.

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Sportlich läuft es für Dennis Schröder in der NBA.

Nach seiner Beförderung zum Starter erhält der Point Guard bei den Atlanta Hawks jede Menge Einsatzzeit und belohnt Coach Mike Budenholzer mit 17,5 Punkten und 6,2 Assists im Schnitt (Die NBA LIVE im TV auf SPORT1 US ).

Dennoch steht der 23-Jährige in letzter Zeit wegen vermeintlicher Undiszipliniertheiten und daraus resultierenden Strafen im Fokus. Zunächst kam er zu spät aus dem Heimaturlaub und wurde deswegen für ein Spiel suspendiert. Danach verpasste er die Abfahrt des Mannschaftsbusses und musste dafür auf die Bank.

Gegen Golden State wurde Schröder trotz einer anfänglichen Glanzleistung strafversetzt, weil er sich nicht auf seine Defensivaufgaben konzentriert und stattdessen mit Teamkollege Dwight Howard diskutiert hatte.

Sein Berater und Mentor Ademola Okulaja, selbst 172-facher deutscher Nationalspieler, kennt Schröder so gut wie kaum ein anderer. Gegenüber SPORT1 erklärt er, was hinter Schröders Fehltritten steckt und spricht über die Kritik in Deutschland.

SPORT1: Herr Okulaja, wie beurteilen Sie Dennis Schröders Entwicklung in der ersten Saison als Starter?

Ademola Okulaja: Ich bin sehr glücklich für ihn. Er macht einen super Job. Ich glaube, er ist ein perfektes Beispiel für viele Sportler, in dem Sinne, dass harte Arbeit und der Wille zum Erfolg sich auszahlen. Genau das verkörpert Dennis und lebt es jeden Tag.

SPORT1: Dennoch kassierte Schröder in letzter Zeit wegen Undiszipliniertheiten immer wieder Denkzettel von Hawks-Coach Budenholzer. Wie schätzen Sie das ein?

Okulaja: Zuerst glaube ich, dass 'Undiszipliniertheiten' das falsche Wort ist und auch nicht den Tatsachen entspricht. Zu den Verspätungen: Ich glaube, jeder Mensch auf der Welt ist schon einmal zu spät gekommen. Natürlich wird das auf der NBA-Bühne komplett unter die Lupe genommen. Aber auch ein Michael Jordan ist beispielsweise öfter mal zu spät gekommen. Dennis hat sich vor der Mannschaft entschuldigt und damit sollte es gut sein.

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SPORT1: Können Sie den Hintergrund der Verspätungen erläutern?

Okulaja: Die Verspätung nach dem Urlaub kam zustande, weil es bei der Beantragung des Arbeitsvisums für die USA zu Verzögerungen gekommen ist. Ich war persönlich mit ihm ständig bei der zuständigen Behörde, es ging einfach nicht schneller. Alle haben da an einem Strang gezogen, die NBA hat angerufen, die NBA Europe hat angerufen und Dennis war ständig beim Konsulat.

SPORT1: Wie nimmt Schröder die Kritik und Strafen von Coach Budenholzer auf?

Okulaja: Dwight Howard hat das direkt nach dem Warriors-Spiel sehr gut zusammengefasst. Er hat gesagt, Dennis ist ein Mannschaftskollege, ein Freund und man muss miteinander reden. Jeder redet miteinander - alle 15 Spieler. Die Kommunikation im Team ist gut.

SPORT1: Es macht aber den Anschein, dass Schröder die Vorwürfe oft allzu persönlich nimmt und recht dünnhäutig reagiert. Täuscht der Eindruck?

Okulaja: Ich mag es nicht, wenn die Leute immer versuchen, Dennis in eine Schublade zu stecken. Es wird häufig versucht, ein negatives Bild von ihm zu malen. Jeder der ihn persönlich kennt, weiß, dass er einer der herzlichsten und liebsten Jungs ist, die es da draußen gibt. Deswegen gefällt mir diese Fragestellung auch nicht. Klar, ein oder zwei Sachen sind schief gelaufen - aber das passiert jedem.

SPORT1: Wird er Ihrer Meinung nach in Deutschland zu kritisch gesehen?

Okulaja: Deutsche sind Kritiker. Die Deutschen kritisieren gerne, obwohl sie von den Sachen, die sie teilweise kritisieren, überhaupt keine Ahnung haben. Es gibt Kritiker, die selbst noch nie Basketball gespielt oder es nicht aus der Regional- oder Oberliga geschafft haben, aber ganz genau wissen wollen, wie es in der NBA oder der EuroLeague funktioniert. Als Profisportler schmunzelt man darüber. Dennis stört das überhaupt nicht.

SPORT1: Braucht Schröder auf der anderen Seite nicht vielleicht auch ein "dickeres Fell"?

Okulaja: Man darf nicht vergessen: der Junge ist Starter in einer NBA-Mannschaft. Noch nie hat es ein Deutscher Guard in die NBA geschafft. Jeder Deutsche in der NBA war zwei Meter oder größer. Das ist schon eine Ausnahme. Allein dadurch ist sein Fell schon dick genug, da er sich jeden Tag gegen die besten Basketballer der Welt durchsetzen muss. Er macht einen guten Job.

SPORT1: Können die Zwischenfälle Schröders rasante Karriere ausbremsen?

Okulaja: In die Kristallkugel kann ich leider auch nicht schauen. Was ich aber sagen kann: Dennis wird dafür bezahlt, Basketball zu spielen - und das macht er sehr gut. Wenn man mal einen Schritt links oder rechts vom Weg ab in eine Pfütze macht, dann passiert das. Dennis wird sich mit so etwas bestimmt nicht aufhalten.

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