München und Boston - Derek Jeter geht, New York leuchtet: Der Sport verliert einen Großen - der sogar die englische Sprache um ein Wort bereicherte.

Von Eric Böhm und Matthias Ondracek

Die Fans der New York Yankees hätten sich eine andere Bühne gewünscht.

Der Spielplan und die verpassten Playoffs sind schuld, dass Derek Jeter seine Karriere nach 20 Jahren im Stadion des Erzrivalen Boston Red Sox beenden musste (Die MLB-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).

Der ausverkaufte Fenway Park bewies jedoch Klasse und bereitete dem in der gesamten Baseball-Welt respektierten und geschätzten elften Captain des Rekordmeisters einen würdigen Gänsehaut-Abschied.

"Die Zeit war reif. In New York war es extrem emotional. Ich bin glücklich, dass es so zu Ende geht", sagte Jeter. Nach seinem 3465. und letzten Hit hatte er sich im dritten Inning unter Standing Ovations auswechseln lassen.

Nie gab es einen größeren Sieger in der MLB-Historie. Er gewann 510 Spiele mehr, als er verlor. Sogar das Empire State Building erstrahlte zu seinen Ehren in den charakteristischen "Pinstripes".

"Der Jordan, der Gretzky seines Sports"

Dabei erzählen die unzähligen Rekorde für die an Superstars nie armen Yankees nur einen Teil der Geschichte dieses außergewöhnlichen Athleten.

Weil Jeter seit seinem Debüt im September 1995 auf und außerhalb des Feldes eine einzigartige Qualität zeigte, war der Shortstop stets auch für Konkurrenten und Fans anderer Teams eine Ikone des Sports (SERVICE: SPORT1 erklärt Baseball).

Dabei produzierte der passionierte Junggeselle nie Negativschlagzeilen oder Skandale - in Zeiten der Prügelexzesse im US-Sport noch bemerkenswerter. Eine kurze Beziehung in den 90ern zu Popstar Madonna war für den Boulevard eines der wenigen Highlights. Auch eine Miss Universe und diverse Schauspielerinnen wie Jessica Biel zählen zu seinen Verflossenen.

Ein Thema hat er nie daraus gemacht. Das Sportliche sollte sein Bild bestimmen. Und das tat es.

"Er ist die Nummer 2, so einfach ist das. Er hat alles im Spiel erreicht, was du dir vorstellen kannst. Er hat so viel für den Baseball getan. Jeder kennt ihn, du gehst nach Frankreich und die Leute kennen Derek Jeter. Es gibt 10.000 Spieler. Es ist wirklich unglaublich. Er ist der Jordan, der Gretzky seines Sports", sagt der frühere MLB-Star und heutige Nationaltrainer Frankreichs, Eric Gagne, zu SPORT1.

Jeter in einer Reihe mit Ruth und Mantle

Als dieser schmächtige 21-Jährige aus der Provinz (Kalamazoo, Michigan) erstmals die charakteristischen "Pinstripes" überstreifte, hätte ihm niemand eine solche Weltkarriere zugetraut.

Schließlich ist es ziemlich schwer, in einem Team mit so vielen Legenden seine Spuren zu hinterlassen: Babe Ruth. Joe DiMaggio. Mickey Mantle. Don Mattingly.

Dass er die Nummer 2 bekam, ließ aber schon ahnen, dass dieses Supertalent eine Chance auf wahre Größe haben würde. Alle anderen einstelligen Nummern sind mittlerweile für die Ewigkeit gesperrt.

Mit Jeter kam der Erfolg zurück

Jeter wird seine eigene Plakette ebenfalls bald im "Monument Park" des neuen Yankee Stadions wiederfinden - nicht zuletzt weil er dem Rekordmeister das Sieger-Gen zurückbrachte.

Vor seiner Ankunft warteten die einst so stolzen "Bronx Bombers" seit 1978 auf einen Meistertitel. Mit Jeter gelangen zwischen 1996 und 2000 gleich vier in fünf Jahren. Die fünfte und letzte World Series seiner Zeit kam dann zur Eröffnung der neuen Heimstätte 2009 hinzu.

"Es ist cool, einen Typen zu sehen, der nicht nur Homeruns schlägt, er ist einfach ein Gewinner. Und es ist genial, dass er das in all den Jahren nur mit den Yankees gemacht hat. Davon gibt es nicht mehr viele", betonte Gagne.

Fußballstar Dante vom FC Bayern verneigt sich via Twitter:

Eine Karriere voller Highlights

Der Spitzname "Captain Clutch" kommt nicht von ungefähr. Jeter hatte schon immer das Flair des Dramatischen an sich. Der Begriff "Jeter Moment" ist in Amerika längst ein geflügeltes Wort.

Egal ob seine typischen Würfe aus der Drehung, das berühmte "Flip Play" in den Playoffs 2001 gegen Oakland, der Flug in die Zuschauerränge gegen die Red Sox, der World-Series-Homerun nach den Anschlägen des 11. September 2001, der ihm den Beinamen "Mr. November" einbrachte, oder sein 3000. Hit per Homerun - in den großen Momenten strickte Jeter immer an seiner Legende.

Diverse Yankees-Rekorde

So war auch sein letzter Heimauftritt gegen Baltimore ein denkwürdiger. Mit einem Hit im neunten Inning auf den ersten Pitch - seine Spezialität - schenkte er den Yankees zum Abschied einen Sieg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen).

"Das hätte ich mir nicht besser erträumen können. Ich wollte hier Shortstop spielen, seit ich vier oder fünf Jahre alt war. Was für eine Ehre, so mein letztes Spiel auf dieser Position zu bestreiten", sagte Jeter im Anschluss. In Boston trat er deshalb nur noch an den Schlag.

Kein Spieler bestritt für die Yankees jemals mehr Partien oder landete mehr Treffer - nur fünf Spieler schafften in 134 Jahren überhaupt mehr Hits. 14 Mal nahm er am All-Star Game teil und ist bis heute der einzige Spieler, der in einer Saison MVP des Auswahlspiels und der World Series wurde (2000).

Ein "True Yankee"

Als Teil der "Core Four" - Jorge Posada, Mariano Rivera und Andy Pettitte - prägte er eine Ära mit 13 Divisionstiteln. Er wird möglicherweise einstimmig in die Hall of Fame gewählt und hält zehn Playoff-Rekorde der MLB - inklusive meiste Singles, Doubles und Triples.

Für seine Wohltätigkeitsarbeit mit Kindern und Teenagern erhielt er 2012 sogar die Ehrendoktorwürde des Siena College.

Nach dem Wunsch seines Vermächtnisses gefragt, sagte Jeter einmal, er wolle als "True Yankee" in Erinnerung bleiben.

Das ist ihm gelungen.

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