München - Die Gerüchte um einen Wechsel von Neymar zu Paris Saint-Germain halten sich hartnäckig. SPORT1 nennt Pro und Contra für einen Wechsel des Barca-Stars.

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Thomas Meunier kann über Transfer-Spekulationen nur schmunzeln.

Nachdem ihn ein User auf Twitter zu dem Gerücht befragte, ob denn ein gewisser Neymar Junior künftig an seiner bei Paris Saint-Germain spiele, schrieb der belgische Außenverteidiger: "Senden Sie doch eine SMS mit TRANSFERS an 75016."

Wesentlich interessanter war die Reaktion des Trainers der Franzosen, Unai Emery.

"PSG sollte einen der fünf, sechs oder sieben besten Spieler der Welt in seinen Reihen haben. Der Klub und die Fans wären glücklich, wenn ein Spieler wie Neymar käme", sagte der Spanier nach der Niederlage seines Teams gegen den AS Rom beim International Champions Cup (alles Spiele live auf SPORT1).

Das Interesse der Pariser an dem Superstar des FC Barcelona ist keineswegs neu. 

Angeblich 222 Millionen Ablöse

Scheich Nasser Al-Khelaifi träumt schon seit Jahren davon, ihn im Prinzenpark willkommen zu heißen - und würde die astronomische Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro problemlos bezahlen können und wollen.

Diesmal scheint die Chance auf eine Verpflichtung aber höher als in den Jahren zuvor, als sich Neymar einzig ins Schaufenster anderer Klubs gestellt hatte, um im Rahmen seines Vertragspokers mehr Gehalt herauszuhandeln.

Zwar meinte er unlängst, eine "schöne Saison" mit Barca hinter sich zu haben, von einem klaren Bekenntnis zu seinem Klub sah er jedoch ab.

"Keiner weiß, was morgen passiert. Alles ist möglich", sagte er am 10. Juli.

Ganz anders sah Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu die Situation. In einem Interview mit der Associated Press verkündete der 54-Jährige: "Er hat einen Vertrag für die nächsten vier Jahre. Und natürlich zählen wir auf ihn. Er ist Teil des Teams und Teil des Dreizacks (Angriffstrio aus Neymar, Lionel Messi und Luis Suarez, Anm. d. Red.)."

Laut der Sport hatte Bartomeu auf dem Flug zu den Testspielen der Katalanen in die USA schon versucht, Neymar zum Bleiben zu bewegen.

Deal bis Ende August fix?

Die brasilianischen Medien sind sich einig: Der Neymar-Deal mit PSG geht bis Ende August über die Bühne.

Journalist Marcelo Bechler vom TV-Sender Esporte Interativo antwortete im spanischen Radio Barcas Vizeboss Jordi Mestre, der gemeint hatte, Neymar bleibe zu 200 Prozent: "Wenn er das sagt, sage ich, dass Neymar zu 400 Prozent geht."

Doch ergäbe ein Wechsel zu PSG für alle Beteiligten wirklich Sinn? SPORT1 nennt Pro und Contra.

Das spricht für einen Wechsel:

Klar ist: Neymar würde mit einem Abschied aus dem Schatten seiner kongenialen und erfahrenen Partner Lionel Messi und Luis Suarez treten. Messi ist und bleibt die Galionsfigur Barcas - und Suarez schießt mehr Tore. 

Als Topstar in Paris hätte Neymar mehr Freiheiten, aber auch mehr Verantwortung auf dem Platz. Diese wolle er unbedingt, so Journalist Bechler, um sowohl persönlich als auch fußballerisch weiter zu reifen und eines Tages seinen Traum vom Weltfußballer-Titel zu verwirklichen.

Neymar könnte mit einem Abgang aus dem Schatten von Luis Suarez (l.) und vor allem Lionel Messi (r.) treten © Getty Images

Ein weiteres Argument für einen Wechsel: Mit Thiago Silva, Marquinhos, Lucas Moura und Dani Alves spielen vier Neymar-Kumpels aus der Nationalelf bei PSG.

"Wir wissen nicht, ob er kommt, aber Ney wäre eine Bereicherung und herzlich willkommen", gab Kapitän Silva schon vielsagend zu verstehen.

Vor allem der jüngst von Juventus verpflichtete Alves ist ein enger Vertrauter des Dribbelkünstlers. Beide spielten bereits zusammen bei Barca, bis sich Alves mit der Klubführung der Katalanen zerstritt und das Weite suchte. 

Ein Verkauf Neymars hätte aber auch für Barca etwas Gutes: Der Klub würde sich nicht nur die hohen Gehaltskosten (rund 15 Millionen Euro netto) für den Ausnahmekönner sparen, sondern auch eine gewaltige Ablöse kassieren.

Mit 222 Millionen Euro ließe sich nicht nur ein Ersatz für den zuletzt nicht immer konstanten Neymar verpflichten. Barca könnte auch andere Kader-Baustellen schließen. Insbesondere im zentralen Mittelfeld will Neu-Coach Ernesto Valverde nachrüsten. 

Das spricht gegen einen Wechsel:

Ein Wechsel zu PSG wäre sportlich gesehen ein Rückschritt für Neymar: Die französische Liga ist bei Weitem nicht auf dem Niveau der spanischen. 

Deshalb scheitert das Team von Emery auch seit Jahren vergeblich mit dem Versuch, den großen Wurf in Europa zu landen.

Die Chance auf bedeutende Titel wie die Champions League wäre für den 25-Jährigen an der Seite von Messi, Suarez und Co. zumindest aktuell größer.

Neymar muss sich daher gut überlegen, ob er das europaweit so gefürchtete "MSN"-Trio wirklich auseinander reißen will. 

Und auch PSG-Scheich Al-Khelaifi dürfte noch einmal abwägen, ob es sinnvoll ist, für diesen Spieler so viel Geld auszugeben.

Für Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu ist das Vorhaben von PSG schon aufgrund des Financial Fairplays nicht möglich. 

"Neymar ist nicht auf dem Markt", sagte Bartomeu der Associated Press. "Es ist unmöglich, diese Klauseln zu bezahlen, wenn du das Financial Fairplay erfüllen willst", verkündete der Barca-Präsident mit Blick auf die Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro.

In Barcelona schätzt man Neymar zwar wegen seiner fußballerischer Qualitäten. Er gilt aber auch als Unruheherd, der häufiger ausgiebig ins Nachtleben abtaucht.

Im Frühjahr sorgte sein nächtlicher Ausflug mit Formel-1-Pilot Lewis Hamilton nach Barcas Champions-League-Coup gegen PSG für Schlagzeilen, vor allem weil er dann im nächsten Spiel verletzt fehlte. Zum dritten Mal in Folge war er somit am Geburtstag seiner geliebten Schwester Rafaela nicht einsatzfähig.

Nun ist es also wieder Wechseltheater, das Neymar in die Schlagzeilen bringt. Ausgang offen.

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