München - Cristiano Ronaldo droht mit einem Abschied von Real Madrid. SPORT1 zeigt, was dahintersteckt - und wie realistisch ein Abgang wirklich ist.

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Cristiano Ronaldo hat im Februar sein 32. Lebensjahr vollendet, ist im Grunde genommen aber noch immer der kleine Junge vom Bolzplatz Madeiras.

Wann auch immer dem portugiesischen Superstar etwas nicht passt, er stellt es unverblümt zur Schau. Dass das in einem Theater voller Spekulationen enden kann, erlebt Real Madrid nicht zum ersten Mal. 2012 wollte Ronaldo die Königlichen verlassen, weil er seiner Ansicht nach zu wenig Wertschätzung erhielt. Finanzielle Wertschätzung. "Ich bin traurig und der Klub weiß auch, warum", sagte er damals.

Die Folge: Real-Boss Florentino Perez stockte nach einem turbulenten Sommer mit Gerüchten über eine Rückkehr zu Manchester United schließlich das Gehalt des Superstars auf. Ronaldo war nicht mehr traurig. 

Jetzt, fünf Jahre später, ist er aber offensichtlich erneut auf eine Streicheleinheit seines Arbeitgebers angewiesen. Nach Angaben der portugiesischen Sportzeitung A Bola liebäugelt der Weltfußballer nicht nur mit einem Wechsel - er habe sich sogar schon dazu entschlossen.

A Bola über Cristiano Ronaldo
"Ronaldo will Spanien verlassen": Das Titelblatt von "A Bola" am Freitagmorgen © A Bola

Imageverlust nach Steueraffäre

Die Entscheidung sei "unumstößlich" und der Real-Direktive um Perez seit Beginn der Woche bekannt. Das in Madrid ansässige und über Real sehr gut informierte Sportblatt Marca hat diesen Bericht inzwischen bestätigt, ebenso wie der englische Fernsehsender Sky Sports. Wie die Marca berichtet, habe Ronaldo gegenüber seinen portugiesischen Teamkollegen seinen Abschiedsplan bekräftigt. "Ich verlasse Real Madrid. Ich habe eine Entscheidung getroffen. Es gibt kein Zurück mehr", zitiert die Zeitung Ronaldo.

Doch was bewegt Ronaldo zu einem Wechsel? An fehlender sportlicher Perspektive kann es ihm in der spanischen Hauptstadt jedenfalls nicht mangeln. Mit Real hat er gerade die Champions League verteidigt und steht kurz vor dem Gewinn seines fünften Ballon d’Ors, womit er seinen Dauerrivalen Lionel Messi einholen würde.

Der Grund für seine Gedankenspiele fußt auf der Steueraffäre um seine Person, die einen gewaltigen Imageverlust nach sich gezogen hat. Ronaldo droht eine mindestens siebenjährige Haftstrafe, weil er über Briefkastenfirmen auf den britischen Jungferninseln und in Irland insgesamt 14,7 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben soll.

Eine Flucht ins Ausland würde ihn wohl kaum von seiner Schuld freisprechen. Ihm geht es scheinbar um etwas anderes.

Ronaldo vermisst Rückendeckung

Zum einen fühlt er sich von der Madrider Staatsanwaltschaft "ungerecht" behandelt, doch noch mehr soll ihn Reals Haltung in der Steueraffäre stören. Der spanische Rekordmeister hatte Ronaldo zwar in einem offiziellen Statement Unterstützung zugesichert, angeblich aber erst nach einem Gespräch mit ihm. Eine Majestätsbeleidigung für das eitle Alphatier.

"Cristiano spürt keine Rückendeckung von Real. Er hat das Gefühl, dass ihn niemand aus dem Klub verteidigt", verriet der portugiesische Journalist und langjährige Ronaldo-Begleiter Nuno Luz der Marca.

Außerdem soll es Differenzen zwischen Perez und Ronaldos Berater Jorge Mendes geben. Der Grund: Mendes‘ Einfluss bei den Madrilenen ist in den vergangenen Jahren gesunken. Mit Routinier Pepe geht ein weiterer seiner Klienten - und das nicht auf eine besonders rühmliche Art und Weise. Real schlug eine Vertragsverlängerung des Abwehrspielers aus, der eng mit Ronaldo befreundet ist.

Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass Ronaldos Groll in einem Wechsel resultiert. Der Vertrag des Ausnahmekönners in Madrid läuft noch bis 2021. In diesem soll eine Ausstiegsklausel von einer Milliarde Euro verankert sein, wenngleich Real ihn laut der Marca wohl auch für 250 Millionen Euro ziehen lassen würde.

Zu teuer für PSG?

Trotzdem wäre das - in Anbetracht der hohen Gehaltskosten - wohl zu viel Geld für die meisten europäischen Top-Klubs. Neben Ronaldos Ex-Klub Manchester United, der mit Alvaro Morata aber schon einen anderen teuren Real-Star an der Angel hat, werden nur Paris Saint-Germain und chinesische Klubs als potentielle Abnehmer gehandelt.

China käme für den ambitionierten Torjäger ohnehin (noch) nicht in Frage, da er dort nicht seinen Status als Weltfußballer verteidigen könnte. Und PSG könnte aufgrund der Katar-Krise nicht genügend Geld von seinem Hauptsponsor Qatar Investment Authority zur Verfügung gestellt bekommen.

Bei Real läuten deshalb noch nicht die Alarmglocken. Ronaldo richtet seinen Fokus jetzt ganz auf den FIFA Confederations Cup in Russland (So verpassen Sie nichts).

"Manchmal ist Schweigen die beste Antwort", schrieb er vor Portugals Auftaktspiel gegen Mexiko (So., ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) kurz und knapp auf Instagram.

Real-Boss Perez bleibt also Zeit genug, um seinen brummigen Superstar zu besänftigen. So wie 2012.

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