Für Sebastian Ofner ist die große Aufmerksamkeit noch neu © Imago

München - Der Österreicher Sebastian Ofner schreibt in Wimbledon Tennis-Geschichte. Dabei hat er noch nie auf Rasen gespielt und schockt das Establishment.

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Sebastian Ofner hat vor knapp zwei Wochen erstmals einen Rasenplatz betreten. Jetzt bekommt es der österreichische Nobody mit Deutschlands Tennis-Hoffnung Alexander Zverev (Sa., ab 16.30 Uhr im LIVETICKER) in der dritten Runde von Wimbledon zu tun.

Der 21-Jährige aus der Steiermark, die Nummer 217 der Welt, schreibt derzeit an einem Tennis-Märchen, das er selbst kaum glauben kann.

Sein Kontrahent Zverev meint, Ofner einmal bei einem Jugendturnier gesehen zu haben. Sicher ist er sich nicht, er hat in seinem Tennisleben selten auf die Außenseiter geachtet, und solch einer war Ofner bis zu seinem Abflug nach London.

Ohne Spielkleidung angereist

Nicht einmal die erforderliche weiße Spielkleidung hatte der 21-Jährige im Gepäck, große Aussichten ohnehin nicht, hatte er bis dato nur zweit- und drittklassige Turniere gespielt. Mit einem Gutschein des Veranstalters kaufte er sich wie ein Tourist im Wimbledon-Shop das Nötigste, gewann drei Matches in der Quali und schlug im Hauptfeld die gestandenen Profis Thomaz Bellucci aus Brasilien und Jack Sock aus den USA.

Sein Rückflug-Ticket vom 28. Juni ist längst verfallen. Bei bereits 90.000 Pfund (102.000 Euro) Preisgeld - weit mehr als das Doppelte seiner bisherigen Einnahmen - kann er es verschmerzen.

"Ich habe das alles selbst nicht für möglich gehalten", sagte Ofner nach seinem Coup gegen den gesetzten US-Amerikaner Sock. Bei seinem bisher wohl größten Sieg behielt der No-Name am Schluss die Nerven. "Sebastian war im Kopf schon immer sehr stark", erklärte Ofners Mutter. Die Eltern waren spontan angereist und müssen nun ebenfalls umbuchen.

Vom TV auf den Platz

Im vergangen Jahr musste Ofner das traditionsreiche Rasen-Turnier noch am TV verfolgen, während er in seiner Heimat ein Turnier der untersten Kategorie spielte. Der Steirer galt nie als Ausnahmetalent, wie sein Landsmann Dominic Thiem. Vor allem körperlich hatte Ofner lange mit Nachteilen zu kämpfen. Mit 15 Jahren war er noch nicht einmal 1,60 Meter groß. Erst spät setzt das nötige Wachstum ein - inzwischen misst Ofner 1,91 Meter. Gardemaß für erfolgreiches Rasentennis.

Auch spielerisch bringt der 21-Jährige alles mit: Aufschlag und Vorhand sind seine größten Waffen. Die Rückhand weiß er im richtigen Moment einzusetzen. Gegen Zverev ist er keinesfalls chancenlos und kann sein Märchen fortsetzen - Ende offen.

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