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Alexander Zverev scheitert in Paris in Runde eins © Getty Images

Alexander Zverev analysiert seine Erstrundenpleite bei den French Open inklusive Ausraster schonungslos. Boris Becker kritisiert den Trubel um ihn.

Alexander Zverev zerbrach wutentbrannt sein Racket und schrie seinen Frust in den wolkenverhangenen Himmel von Paris. Ausgerechnet der Hoffnungsträger hat mit seiner überraschenden Auftaktniederlage das schlechteste Abschneiden der deutschen Tennisprofis bei den French Open seit 2008 besiegelt. Es droht die große Tristesse am Bois de Boulogne.

In einer Hängepartie über zwei Tage musste sich der an Position neun gesetzte Zverev dem 13 Jahre älteren Linkshänder Fernando Verdasco (ATP-Nr. 37) mit 4:6, 6:3, 4:6, 2:6 geschlagen geben.

"Ich habe absolut scheiße gespielt. So einfach ist das. Ich habe den Ball nicht gespürt, war zu kurz und passiv", sagte Zverev, der fünf Minuten nach dem Ende der Partie schon in der Pressekonferenz saß. "Aber das ist jetzt kein Drama und nicht das Ende der Welt. Trotzdem schade, dass man bei einem Grand Slam so spielt", fügte er relativ gefasst an.

Becker und Moya mahnen zur Ruhe

Der ehemalige Weltranglistenerste Carlos Moya machte dem deutschen Shootingstar bei einem Medientermin von Lavazza gegenüber SPORT1 Mut. "Die Zeit wird ihm die Erfahrung bringen und er wird aus jedem Fehler lernen. Jedes Turnier tut ihm gut. Als Spieler und als Mensch."

"Er ist 20, also jung. Lasst ihn reifen, die Zukunft liegt in seinen Händen", orakelte Moya, der seit Ende 2016 Trainer von Rafael ist. "Ich bin sicher, er wird ein Top-Player."

Boris Becker indes glaubt, dass der Trubel der letzten Zeit dem Riesentalent nicht gut getan hat. "Sascha ist die Nummer zehn der Welt. Alle klopfen ihm auf die Schulter und sagen, 'du bist der nächste Superstar'", meinte Eurosport-Experte Becker: "Und das glaubt man natürlich schnell, wenn man 20 ist."

Schon während der Partie hatte Becker den deutschen Shootingstar kritisiert. "Sascha ist zu passiv und überlässt Verdasco quasi den ganzen Platz. Und der bedankt sich." Das Resultat: Acht Mal gab der 1,98 m Schlaks seinen Service ab. 

Verdasco verwandelte folgerichtig nach 2:53 Stunden seinen ersten Matchball auf dem Court Philippe Chatrier.

Zverev zertrümmert seinen Schläger

Vor lauter Frust hatte Zverev zuvor nach dem vorentscheidenden Break im vierten Satz zum 0:2 sein Racket auf den Boden geschleudert, es dann vollends zerbrochen - und dafür eine Verwarnung kassiert.

Bezeichnenderweise mit dem 50. unerzwungenen Fehler von Zverev ging das Match zu Ende, er muss damit weiter auf das Erreichen der zweiten Woche bei einem Major-Event warten. Der Jungstar, der erstmals als Top-Ten-Spieler in ein Grand-Slam-Turnier gegangen war, suchte nach seiner bescheidenen Vorstellung nicht nach Entschuldigungen.

Allerdings war deutlich erkennbar, dass dem einst weltbesten Junior die windigen Verhältnisse und die Platzbeschaffenheit ("Mehr Sand") des Centre Courts nicht behagten.

Zverev war als einziger Spieler neben Paris-Rekordsieger Rafael Nadal (Spanien) mit mehr als einem Sandplatztitel 2017 an die Seine gereist. Doch bei der Fortsetzung des Matches - rund 17 Stunden nach dem Abbruch am Montagabend wegen Dunkelheit - agierte der Hamburger zu fehlerhaft. "Sascha wusste gar nicht, wie er spielen sollte", meinte Becker.

Trotz des Dämpfers hat der jüngere der beiden Zverev-Brüder allen Grund, bei den Gerry Weber Open in Halle/Westfalen (ab 19. Juni) zuversichtlich in die Rasenzeit zu starten. "Ich habe schließlich in diesem Jahr drei Turniere gewonnen und stehe in der Saisonwertung auf Platz vier", meinte Zverev selbstbewusst.

Nur Witthöft weiter

Mit seiner Niederlage reihte sich der 20-Jährige nahtlos in die Riege der deutschen Ausgeschiedenen ein. Acht DTB-Starter sind bereits gescheitert - darunter neben Alexander Zverev auch die topgesetzte Angelique Kerber, der Nadal-Papa Toni gegenüber SPORT1 von einem Becker-Engagement abriet.

Am dritten Turniertag erwischte es auch Philipp Kohlschreiber, Dustin Brown, Jan-Lennard Struff und Mona Barthel. Nur Tatjana Maria packte am Dienstag die zweite Runde und folge damit Carina Witthöft in die zweite Runde beim bedeutendsten Sandplatzturnier der Welt.

Mit nur zwei von 13 Spielern in der zweiten Runde sorgten die DTB-Profis für das schlechteste deutsche Abschneiden bei Grand Slams seit neun Jahren. In Paris hatten seit 2008 immer mindestens sechs deutsche Profis in der zweiten Runde gestanden.

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