Mischa Zverev
Mischa Zverev lässt seine Gegner mit Old-School-Tennis verzweifeln © Getty Images

München - Mischa Zverev, einst in der Weltrangliste weit abgestürzt, erobert bei den Australian Open die große Bühne. SPORT1 stellt den Stehaufmann und Hobby-Psychologen vor.

von , Daniel Wolf

Mischa Zverev hat sich bei den Australian Open aus dem Schatten seines kleinen Bruders Alexander gespielt. Durch den Sieg gegen Andy Murray und dem Einzug ins Viertelfinale gelang dem Deutschen eine Sensation.

Am Dienstag will der 29-Jährige seine Erfolgsgeschichte fortschreiben. In der Runde der letzten 16 wartet Roger Federer (9 Uhr im LIVETICKER bei SPORT1).

Doch während Alexander Zverev schon seit geraumer Zeit für Furore sorgt, steht Mischa nun erstmals im ganz hellen Rampenlicht.

SPORT1 stellt das Stehaufmännchen in zehn Punkten vor.

Spielweise

Als "komischen Mischmasch" bezeichnete Zverev selbst sein Spiel. Mit konsequentem Serve-and-Volley - auch beim zweiten Aufschlag – einem sehr flachen und aggressiven Rückhand-Slice und einer zum Teil unorthodoxen Vorhand bringt er so manchen Gegner zur Verzweiflung. Gegen Murray im Achtelfinale machte er aus 118 (!) Netzangriffen 65 Punkte.

Prominenter Fan

In den Katakomben der Rod-Laver-Arena gestand ihm einer der Größten aller Zeiten: "Du bist mein Lieblingsspieler." Ein besseres Kompliment wie das von John McEnroe kann man kaum bekommen.

Brille vom Vorbild

In der Runde der besten acht fordert Zverev Federer, den er als "Lieblingsspieler" bezeichnet: "Mit ihm bin ich im Tennis groß geworden, er ist meine Inspiration gewesen." Das letzte Duell in Halle 2013 endete 6:0, 6:0 für den Schweizer. Auch das erste von zwei Aufeinandertreffen gewann Federer.

Die größten Erfolge

Zverevs Turniersiege auf der ATP-Tour sind schnell aufgezählt: einer auf Rasen und einer auf Hartplatz, beide im Jahr 2008. Seine höchste Weltranglistenposition wird er aller Voraussicht nach nach den Australian Open inne haben. Ein Sprung unter die Top 40 ist möglich. Mit 21 Jahren war er mal 45. Das Viertelfinale in Melbourne ist sein mit Abstand größter Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier.

Leidensgeschichte

Die Liste der großen Erfolge ist kurz, die der schweren Verletzungen dafür umso länger. Ein Handgelenksbruch, mehrere Rippenbrüche, ein Patellasehnenanriss, ein Bandscheibenvorfall und eine Handgelenks-Operation machten ihm schwer zu schaffen.

Herkunft

Zverev ist am 22. August 1987 in Moskau auf die Welt gekommen. Vier Jahre später zog es seine Familie nach Hamburg.

Sein Bruder, das Supertalent...

... war in Zverevs schwierigster Phase 2015, als er auf Rang 1067 abgestürzt und kurz vor dem Karriereende stand, sein größter Motivator. Der zehn Jahre jüngere Alexander zwang ihn quasi zum Weitermachen. Das gemeinsame Training und der verbale Antrieb scheinen gefruchtet zu haben.

Frikadellen für die Fitness

Laut Aussage seines Fitnesstrainers Jez Green ist Zverev der fitteste Spieler auf der gesamten Tour. Liegt das etwa an der speziellen Ernährung? In der gemeinsamen Vorbereitung in Florida veranstalteten die beiden Zverev-Brüder angeblich ein Frikadellen-Wettessen.

Hobby

Zverev gilt als bodenständiger, ruhiger und introvertierter Zeitgenosse. Zu seinen Hobbys gehört die Lektüre von Psychologie-Büchern.

Zverev erhält aus einer Box mit Vater Alexander senior (l.) und Mutter Irena (M.) viel Unterstützung © Getty Images

Mütterlicher Support, väterliche Strenge

Nach schlimmen Fehlern wirft Zverev stets einen Blick in seine Box, wo seine Mutter Irina sitzt. Ihr Lachen richtet den Linkshänder regelmäßig wieder auf. Sein Vater Alexander senior, der gleichzeitig sein Coach ist, hat ihn streng erzogen und mit ordentlicher Härte trainiert. Die zu hohe Erwartungshaltung könnte ein Grund dafür sein, weshalb Zverev jahrelang zu verkrampft agierte und sein Potenzial nicht abrufen konnte.

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