2017 Australian Open - Day 9
Mischa Zverev hat in seinem ersten Grand-Slam-Viertelfinale überhaupt keine Chance gegen Roger Federer © Getty Images

Melbourne - Nach seinem Coup gegen Andy Murray hat Mischa Zverev im Viertelfinale der Australian Open keine Chance. Bezwinger Roger Federer würdigt ihn dennoch.

Der Melbourne-Traum von Mischa Zverev ist zu Ende.

Der deutsche Überraschungsmann ist nach seinem beeindruckenden Siegszug im Viertelfinale der Australian Open ausgeschieden und hat zum Abschied von Roger Federer über weite Strecken eine Lehrstunde erteilt bekommen. Der Weltranglisten-50. aus Hamburg unterlag dem Grand-Slam-Rekordsieger aus der Schweiz mit 1:6, 5:7, 2:6. 

Nach nur 1:32 Stunden verwandelte Federer seinen ersten Matchball und ist nur noch zwei Siege von seinem 18. Grand-Slam-Titel entfernt. Im Halbfinale wartet auf den 35-Jährigen am Donnerstag aber erst einmal sein Landsmann Stan Wawrinka (Nr. 4), der seine gute Form beim 7:6 (7:2), 6:4, 6:3 gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga (Nr. 12) unter Beweis stellte.

"Ich habe das Spiel mit Serve and Volley sehr genossen, ich liebe das einfach. Ich würde mir wünschen, dass Mischa mehr Spieler inspiriert, auch so zu spielen. Ich freue mich, dass er ein so gutes Turnier nach schweren Zeiten gespielt hat", bilanzierte Federer und sprach Zverev damit auch ein Lob aus.

Zverev von Beginn an chancenlos

Zwei Tage nach seinem Achtelfinal-Coup gegen den topgesetzten Briten Andy Murray hatte Mischa Zverev lächelnd, aber hochkonzentriert die Rod-Laver-Arena zu seiner ersten Night Session auf großer Bühne betreten.

Doch sein erstes Major-Viertelfinale begann für den Linkshänder wie ein Albtraum, Federer überrollte Zverev regelrecht. Längere Ballwechsel kamen wie erwartet kaum zustande - stattdessen gab es ein Offensiv-Feuerwerk zu sehen.

"Roger hat mir nicht erlaubt, mein bestes Tennis zu zeigen. Mein Bruder hatte ja beim Hopman Cup gegen Roger gespielt und gewonnen. Er hat mir schon ein paar Tipps gegeben, aber leider hat es nicht gereicht. Wir spielen doch zu unterschiedlich", sagte Zverev bei Sky.

Am Netz von Federer ausgekontert

Gleich die ersten beiden Breakchancen nutzte Federer, indem er den wie gewohnt pausenlos ans Netz stürmenden Zverev passierte. Erst beim 0:5 konnte der Außenseiter sein erstes Spiel gewinnen und blickte erleichtert in seine Box, in der wie gewohnt Papa Alexander senior, Mutter Irena und Bruder Alexander junior saßen.

Die 15.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena honorierten den ersten Spielgewinn des Überraschungs-Viertelfinalisten, der Federer als große Inspiration bezeichnete, mit viel Applaus. Wenig später aber nutzte Federer seinen zweiten Satzball nach nur 19 Spielminuten. Lediglich zwölf Punkte waren Zverev bis dato gelungen. Zum Vergleich: Federer holte sich 18 seiner 27 Punkte mit direkten Gewinnschlägen.

Beckers Prognose tritt nicht ein

Boris Becker hatte Zverev, den "Serve-and-Volley-Veteran mit dem linken Zauberhändchen" (The Australian), vor dem Match nochmal gelobt: "Wer einen Murray geschlagen hat, kann natürlich gegen jeden anderen Spieler auch gewinnen." 

Und der 29-jährige Zverev steigerte sich nach dem Fehlstart und nutzte gleich seinen ersten Breakball zur eigenen 3:1-Führung im zweiten Satz. Doch Federer schlug umgehend zurück. Das vorentscheidende Break holte er sich zum 6:5. Auch danach blieb der siebenmalige Wimbledonsieger am Drücker. Zverev wehrte sich zwar tapfer, wurde aber immer wieder am Netz passiert.

Viel Respekt vor Zverev

Schon beim letzten Duell 2013 war Zverev beim 0:6, 0:6 in Halle chancenlos gegen den großen Schweizer gewesen. Viel Respekt hat sich der ältere Zverev in den Tagen der Australian Open aber in jedem Fall erspielt.

Die australischen Medien hatten Zverev, der nach vielen Verletzungen 2015 nur noch die Nummer 1067 der Weltrangliste war, in den vergangenen Tagen besonders für seine offensive Spielweise gelobt. Er wirke "wie ein erfrischendes Relikt aus der Vergangenheit", schrieb die Tageszeitung The Australian. In der Weltrangliste wird er wohl unter die Top 40 springen.

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