Angelique Kerber feierte am Mittwoch ihren 29. Geburtstag © dpa Picture Alliance

Melbourne - Angelique Kerber tut sich auch in der Zweiten Runde der Australian Open lange schwer. Nach dem Erfolg gegen Carina Witthöft nimmt sie sich ihre Kritiker zur Brust.

Das Ständchen in der Rod-Laver-Arena zauberte Geburtstagskind Angelique Kerber doch noch ein Lächeln ins Gesicht. Vergessen war zumindest für kurze Zeit die Unzufriedenheit über die eigene Leistung beim 6:2, 6:7 (3:7), 6:2 im deutschen Zweitrunden-Duell mit Carina Witthöft bei den Australian Open.

Und Kerber muss gespürt haben, dass die Zeit reif ist, die latente Kritik am holprigen Auftakt ihrer Mission Titelverteidigung nach zwei Dreisatzsiegen zu kontern. "Ich bin halt keine, die die Gegnerinnen immer mit 6:1, 6:1 besiegt", betonte die 29-Jährige und meinte: "Aber mit dieser Art bin ich dahin gekommen, wo ich jetzt bin." An die Spitze der Weltrangliste eben.

Doch einige Experten erwarten von einer Nummer eins und zweimaligen Major-Gewinnerin mehr Dominanz.

Allen voran John McEnroe, der zuletzt prognostizierte: "Sie wird nicht lange an der Spitze bleiben."

Rittner glaubt an Steigerung

Doch auch Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hat in den Tagen von Melbourne den Eindruck, dass die noch frische Bürde der Nummer eins schwer auf den Schultern von Kerber lastet.

"Natürlich ist der Druck jetzt ein anderer. Angie war gegen Carina nicht locker und hat nicht frei aufgespielt", sagte Rittner.

Bange ist der 43-Jährigen aber trotzdem nicht: "Ich denke, sie wird jetzt von Runde zu Runde besser. Weil sie es muss - und auch kann."

Witthöft spürt Verunsicherung

Witthöft jedenfalls behauptete, schon früh Verunsicherung bei Kerber gespürt zu haben. "Ich glaube, Angie war von Anfang an mental angeschlagen. Speziell aber im Tiebreak des zweiten Satzes, das hat man am Aufschlag gemerkt", meinte die 21-Jährige aus Hamburg, der selbst 69 sogenannte "unforced errors" unterliefen - sechs Doppelfehler gleich in ihren ersten beiden Aufschlagspielen.

Zwei Doppelfehler hintereinander fabrizierte Kerber im Tiebreak des zweiten Durchgangs. Gefrustet warf die zweimalige Grand-Slam-Siegerin ihren Schläger auf den Boden und schaute hilfesuchend in ihre Box.

Selbst eine 2:0-Führung nach einem klar gewonnenen ersten Satz ließ Kerber nicht souveräner agieren. Sie übte auch durchaus Selbstkritik und sprach von zu vielen Fehlern (insgesamt 34) im Duell mit der Weltranglisten-89. Witthöft.

"Ich muss konstanter werden, das waren zu viele Aufs und Abs. Aber ich mache jetzt keine Panik", sagte Kerber: "Ich habe gewonnen - und das zählt."

Geburtstagsessen und Analyse

Am Mittwochabend ging die Linkshänderin, die nun auf Kristyna Pliskova (Tschechien) trifft, mit ihrem Team um Coach Torben Beltz und Physiotherapeutin Cathrin Junker zum Geburtstagsessen in die Stadt. Relaxen war angesagt - aber auch eine Analyse der Schwachpunkte.

Wie es mit der Titelverteidigung funktionieren kann, hat Kerber gegen Witthöft im dritten Satz gezeigt.

Mit ihrer altbekannten Lauf- und Defensivstärke. "Im dritten Satz - das ist Angie. Sie kann halt jeden Ball erreichen", brachte es Witthöft auf der Punkt.

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