Tennis

Elegant und stilvoll soll er sein, der "weiße Sport". So wird der Tennissport zumindest auch heute noch in großen Teilen der Welt betrachtet.

Die Sprechweise "weißer Sport" rührt davon, dass die Tennisspieler und –spielerinnen beim wichtigsten Turnier des Jahres in Wimbledon bis heute nur weiße Kleidung tragen dürfen – selbst farbige Schuhsohlen sind den Athleten dort untersagt.

Doch nicht überall hängt Tennis noch so seinen Traditionen. Weltweit gesehen boomt der Tennissport seit mehreren Jahren, internationale Superstars wie Roger Federer oder Rafael Nadal haben das Rückschlagspiel zu einem der beliebtesten Sportarten auf dem Globus gemacht.

Und auch in Deutschland ist Tennis nach dem Fußball und dem Turnen der am dritthäufigsten praktizierte Sport. SPORT1 stellt die faszinierende Sportart vor:

Woher kommt Tennis? Die Geschichte des Sports

Der Tennissport, wie wir ihn heute kennen, entstand im Zuge der ersten Meisterschaften in Wimbledon im Jahr 1877. Doch die Ursprünge des Sports sind viel älter.

Das "Jeu de Paume", bei welchem wie beim Squash mit Wänden gespielt wurde, fand bereits im 13. Jahrhundert erste Fans und kann als Vorgängerspiel des heutigen Tennis betrachtet werden. Noch heute spielen etwa 10.000 Sportler diese Variante des Tennis.

Dagegen ist der Ursprung des Namen "Tennis" unbekannt. Die wahrscheinlichste Theorie besagt, dass  es auf den anglonormannischen Ausruf "Tenez!" zurückgeht, was so viel bedeutet wie: "Nehmt, haltet (den Ball)!"

Bis 1968 wurden bei den großen Tennisturnieren nur Amateure zugelassen, Profis durften nicht teilnehmen. Erst mit Beginn der "Open Era" in eben jenem Jahr wurde diese Beschränkung aufgehoben. Seit 1988 ist Tennis wieder eine olympische Disziplin.

Was ist Tennis? Regeln und Co.

Tennis ist heutzutage das wohl bekannteste Rückschlagspiel und kann von zwei (Einzel) oder vier Spielern (Doppel) auf verschiedenen Belägen wie Sand, Rasen, Hardcourt und Teppich gespielt werden.

Grob zusammengefasst besteht das Ziel des Spiels darin, den Ball einmal mehr als der Gegenspieler über ein in der Mitte gespanntes Netz in das Spielfeld zu spielen.

Um das Match zu gewinnen, muss ein Tennisspieler ein vor dem Spiel festgelegte Anzahl an Sätzen gewinnen, die aus einzelnen Spielen bestehen. Ein Spieler gewinnt einen Satz, wenn er zuerst sechs Spiele mit einem Vorsprung von mindestens zwei Punkten gewinnt.

Eine ausführliche Erklärung der Tennisregeln finden Sie hier!

Haben beide Spieler sechs Spiele gewonnen, entscheidet ein Tiebreak über den Gewinner des Satzes. Bei den Damen und den meisten Turnieren der Männer reichen zwei gewonnene Sätze ("Best of Three") aus, um die Partie zu gewinnen.

Nur bei Grand-Slam-Turnieren der Männer und im Davis Cup müssen die Spieler drei Sätze ("Best of Five") für sich entscheiden.

Grundschlagarten im Tennis

Der erste und für viele wichtigste Schlag im Tennis ist der Aufschlag. Das "Service", wie der Schlag auf Englisch genannt wird, ist so wichtig, weil jeder Punkt im Match mit diesem Schlag beginnt – und es der einzige ist, auf den der Gegner keinen direkten Einfluss hat.

Die weiteren Grundschlagarten sind die Vorhand und die Rückhand, mit welchen der Tennisspieler von der Grundlinie versucht, den Punkt aufzubauen oder sogar abzuschließen.

Alle Bälle können im Tennis auf drei verschiedene Arten gespielt werden:

1. Drive: Ein Drive-Schlag hat relativ wenig Rotation und fliegt mit wenig Drall schnell und flach über das Netz. Er wird meist benutzt, um einen Punkt direkt abzuschließen (Winner).

2. Topspin: Der Topspin ist die häufigste Schlagvariante im modernen Tennis und wird mit viel Rotation höher über das Netz gespielt. Der Ball springt beim Gegenspieler hoch ab und soll diesem nicht die Möglichkeit bieten, anzugreifen oder ans Netz zu rücken.

3. Slice: Bei einem Slice-Schlag erfährt der Ball eine Rückwärtsrotation. So fliegt das Spielgerät sehr flach über das Netz und hat einen niedrigen Absprung. Meist wird der Slice als Defensivschlag verwendet, manche Spieler bereiten jedoch auch Angriffe ans Netz damit vor.

Spielstrategien im Tennis

Im modernen Tennis dominiert vor allem das Grundlinienspiel. Die Akteure agieren auf fast allen Belägen mit vielen Topspin-Bällen und versuchen von der Grundlinie aus, ihre Gegner zu Fehlern zu zwingen oder einen direkten Punkt (Winner) zu erzielen.

Dagegen sind Spielstrategien wie das einst beliebte "Serve and Volley" im Tennis quasi ausgestorben. Nur noch wenige Spieler, wie etwa der Deutsche Mischa Zverev, laufen über die gesame Spielzeit direkt nach dem Aufschlag an das Netz vor, um den Punkt mit einem Flugball fortzusetzen und am besten direkt zu beenden.

Mittlerweile wird "Serve and Volley" eher mit dem Grundlinienspiel kombiniert. Agressive Spieler gehen häufiger ans Netz.

Auch nach dem Return des Aufschlags gibt es die Möglichkeit, direkt an das Netz zu stürmen. Diese Strategie nennt man "Chip and Charge". Hier verhält es sich ähnlich wie beim Serve and Volley: Kaum ein Spieler im modernen Tennis spielt derart aggressiv, das Spiel wird lieber von der Grundlinie dominiert.

Die wichtigsten Turniere im Tennis-Jahr

Die prestigeträchtigsten und wichtigsten Turniere im Tennisjahr sind die vier Grand-Slam-Turniere.

Von den Australian Open in Melbourne im Januar über die French Open in Paris im Mai und das Wimbledon-Turnier in London im Juli bis hin zu den US Open in New York im August und September versuchen alle Spieler, eine der begehrten Trophäen in die Luft stemmen zu können.

In der Hierarchie direkt hinter den Grand Slams folgen bei den Männern auf der jährlichen ATP-Tour die Turniere der Masters-Kategorie. In neun Turnieren auf der ganzen Welt gibt es jeweils 1000 Punkte für die Weltrangliste zu gewinnen (Grand-Slam: 2000 Punkte).

Abgerundet wird das Programm mit einigen Turnieren der 500er- und 250er-Kategorie sowie den zweitklassigen Challenger-Turnieren, bei welchen sich vor allem Nachwuchsspieler zunächst versuchen.

Auch auf der WTA-Tour der Damen dominieren die "Masters-Turniere", die offiziell in die Kategorie "Premier Mandatory" fallen. Viele dieser Turniere, wie etwa die Events in Indian Wells und Miami finden gleichzeitig mit den Turnieren der Männer statt.

Weitere Turniere der Kategorien "Premier 5" und "Premier" runden bei den Damen den Jahreskalender ab.

Sowohl bei den Herren als auch bei den Damen dürfen die besten acht Spieler des Jahres das Saisonfinale bestreiten. Bei der ATP finden die "World Tour Finals" im November in London statt, die Damen spielen ihre Siegerin im Oktober bei den "WTA Championships" in Singapur aus.

Kampf für die Nation: Davis Cup und Fed Cup

Spieler, die für das eigene Land im Davis Cup (Herren) oder Fed Cup (Damen) gekämpft haben, haben im Tennissport schon einzigartige Geschichten geschrieben.

Unvergessen, wie Michael Westphal im Halbfinale 1985 Tomas Smid aus der Tschechoslowakei als klarer Außenseiter nach 2:0-Satzrückstand mit 6:8, 1:6, 7:5, 11:9 und 17:15 niederrang.

Oder die "Schlacht von Hartford" im Jahr 1987, in der sich Deutschland im Relegationsduell gegen die USA - auch dank eines Krimi-Sieges von Boris Becker gegen John McEnroe – durchsetzen konnte.

Zwar haben der Davis Cup und der Fed Cup in den letzten Jahren etwas an ihrer Ausstrahlung verloren – doch für die meisten Spieler ist es immer noch eine Ehre, das eigene Land auf der größten Tennis-Bühne vertreten zu dürfen.

Aktuelle Stars des Tennissports

Für viele Experten ist die Zeit seit der Jahrtausendwende eine "goldene Ära" des Tennissports. Stars wie der Schweizer Roger Federer, der beste Spieler aller Zeiten, oder sein spanischer Dauerrivale Rafael Nadal haben Tennis zu einer der populärsten Sportarten der Welt gemacht.

Die "Big Four", zu der noch der 12-malige Grand-Slam-Champion Novak Djokovic aus Serbien und der Schotte Andy Murray gehören, haben in den letzten Jahren die wohl beste Ära in der Geschichte des Tennis geprägt.

Weitere Stars auf der ATP-Tour sind der Schweizer Stan Wawrinka, der Argentinier Juan Martin del Potro und der Kanadier Milos Raonic.

Bei den Damen sticht vor allem eine Frau heraus: Serena Williams. Die US-Amerikanerin konnte Steffi Grafs legendären Rekord von 22 Grand-Slam-Titeln bei den Australian Open 2017 überbieten und steht mit derzeit 23 Grand Slams jetzt an der alleinigen Spitze in der Open Era (seit 1968).

Weitere Stars auf der WTA-Tour sind die Deutsche Angelique Kerber, die Russin Maria Sharapova und Serenas Schwester Venus Williams.

Rekorde im Tennis

SPORT1 zeigt eine Übersicht der Tennisrekorde:

Herren:

Die meisten Grand-Slam-Einzeltitel (Open Era): Roger Federer (18 Titel)

Meiste Wochen auf Platz 1 der Rangliste: Roger Federer (302 Wochen)

Beste Jahresbilanz: John McEnroe, 1984 (82:3 Siege - Niederlagen)

Das längste Match bei einem Grand Slam: John Isner (USA) – Nicolas Mahut (FRA), Wimbledon 2010 (11h 05min)

Damen:

Die meisten Grand-Slam-Einzeltitel (Open Era): Serena Williams (23 Titel)

Meiste Wochen auf Platz 1 der Rangliste: Steffi Graf (377 Wochen)

Beste Jahresbilanz: Martina Navratilova, 1983 (86:1 Siege – Niederlagen)

Das längste Match bei einem Grand Slam: Francesca Schiavone (ITA) – Svetlana Kusnezowa (RUS), Australian Open 2011 (04h 44min)