CYCLING-FRA-BEL-TDF2017-LINE
Der Slowake Peter Sagan hat die dritte Etappe der Tour de France gewonnen © Getty Images

In einem spannenden Rennen setzt sich Peter Sagan im Zielsprint durch und gewinnt die dritte Etappe der Tour de France, die in Frankreich angekommen ist.

Nachdem Peter Sagan sein deutsches Team Bora-hansgrohe in den siebten Tour-Himmel geschickt hatte, zog der exzentrische Superstar gleich die nächste große Show ab: Um den Hals eine riesige Motocross-Brille, den Schriftzug "1st" auf dem einen, "100%" auf dem anderen Glas, verkündete der slowakische Weltmeister im Zielraum von Longwy lauthals: "Der Sieg ist einfach super - denn jetzt gibt es mehr Bier!"

Und das hat sich der 27 Jahre alte Radsport-Showman auch redlich verdient: Mit dem Triumph beim knüppelharten Bergaufsprint der dritten Etappe der Tour de France hat Sagan der Bora-hansgrohe-Mannschaft den ersten Sieg überhaupt beim wichtigsten Radrennen der Welt beschert. Einen Tag nach dem Sprintsieg von Marcel Kittel, der am Montag das Grüne Trikot erfolgreich verteidigte, gehen die deutschen Festtage in Frankreich weiter.

Ohne Strategie in den Zielsprint

"Ich danke dem ganzen Team, es hat grandiose Arbeit geleistet", sagte Sagan artig - doch sein Anteil am Sieg war freilich der mit Abstand größte: "Ich bin unglaublich froh. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich im Sprint nicht einmal eine Strategie. Im Finale hatte ich ja auch noch Pech, hab's aber ganz gut hinbekommen."

Das war freilich maßlos untertrieben: Im Finale nach 212,5 km an der Cote de Religieuses war Sagan unwiderstehlich angetreten, dann aber aus der Pedale gerutscht. Dennoch blieb er völlig cool, korrigierte den Fauxpas, zog den Sprint voll durch und siegte vor dem Australier Michael Matthews (Sunweb) und dem Iren Daniel Martin (Quick Step). 

Erster Sieg für deutsches Bora-Team

"Das war ein großer Moment. Wir sind zum ersten Mal hier, jetzt hat es endlich geklappt, da werden wir heute Abend sicher anstoßen", sagte Bora-Teammanager Ralph Denk, dessen Equipe zuvor bereits Siege bei der Vuelta (2013 durch Leopold König) und beim Giro (2017 durch Lukas Pöstlberger) gefeiert hatte. Sagan, Neuzugang vom aufgelösten Team Tinkoff, machte nun das "Triple" perfekt.

Woher denn aber nun die Motocross-Brille auf einmal kam, wollte der Showman nicht verraten. Nur soviel: "Die ist einfach stylisch. Richtig nice. Und aerodynamisch - die trage ich jetzt beim nächsten Zeitfahren."

Das Gelbe Trikot verteidigte derweil Brite Geraint Thomas (Sky) erfolgreich, der die Gesamtführung am Samstag beim Auftakt in Düsseldorf übernommen hatte. Thomas führt mit zwölf Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen und Titelverteidiger Christopher Froome (Großbritannien) sowie Matthews.

Kittel schont sich für vierte Etappe

Marcel Kittel spielte am Tag nach seinem Triumph in Lüttich auf dem sehr selektiven Teilstück keine Rolle, blieb im Rennen um Grün aber knapp vor Sagan, der die Punktewertung zuletzt fünfmal in Serie gewonnen hatte. Der 29 Jahre alte Thüringer sparte Körner für die vierte Etappe - am Dienstag dürfte es in Vittel zum zweiten Massenspurt kommen. "Wenn meine Mannschaft und ich weiter so gut zusammenarbeiten, bin ich sicher, dass wir um den einen oder anderen weiteren Sieg kämpfen werden", sagte Kittel.

Während Kittel den ersten Tag in Grün weitestgehend genießen konnte, verlief der Arbeitstag für Tony Martin deutlich unangenehmer. Der Pechvogel der ersten beiden Tour-Tage, an denen er zunächst das so ersehnte Gelbe Trikot verpasst hatte und dann am Sonntag schwer gestürzt war, quälte sich mit diversen Wunden und einem Brummschädel ins Ziel.

Vorzeitiges Aus für Zabel und Martin kein Thema

"Ich spüre die normalen Schmerzen, nichts besonderes. Gestern war es schlimmer. Der Doktor sagt, es ist schon okay", meinte der Katjuscha-Profi. Auch Teamkollege Rick Zabel, der seit Samstag mit einer Bänderverletzung in der Schulter unterwegs ist, musste mitunter auf die Zähne beißen. Ein vorzeitiges Tour-Aus ist aber wie bei Martin kein Thema.

Die dritte Etappe verlief wie das Rennen am Sonntagrecht unspektakulär. In der obligatorischen Fluchtgruppe, die sich schnell nach dem Start gebildet hatte, war in Nils Politt, ebenfalls von Katjuscha, diesmal auch ein deutscher Fahrer vertreten, der einen großen Kampf lieferte. 

Weiterlesen