CYCLING-FRA-TDF2017-PODIUM
Marcel Kittel schockt die Konkurrenz erneut © Getty Images

Marcel Kittel feiert den zweiten Sieg in Folge bei der Tour de France. Im Massensprint entscheidet er das Fotofinish zu seinen Gunsten und zieht mit Zabel gleich.

Deutscher Rekord, Etappentriple und Grünes Trikot: Marcel Kittel sprintet bei der 104. Tour de France weiter in einer eigenen Liga.

Der 29-Jährige holte sich auch auf der siebten Etappe nach 213,5 km in Nuits-Saint-Georges den Sieg und egalisierte am 47. Geburtstag von Erik Zabel dessen deutsche Bestmarke mit seinem insgesamt zwölften Tour-Tageserfolg.

Diesmal war es für den Thüringer aber ganz knapp. Erst nach minutenlanger Auswertung des Zielfotos stand sein erneuter Triumph fest. "Ich hatte keine Ahnung, ob ich gewonnen habe. Es war gerade so genug", sagte Kittel, der sich "sehr stolz" zeigte über die Einstellung des Zabel-Rekords.

Kittel verpokert sich fast

Mit dem bloßen Auge war der Abstand auf den zweitplatzierten Norweger Edvald Boasson Hagen nicht zu erkennen. Wieder einmal kam Kittel erst ganz spät aus dem Windschatten seiner Konkurrenten, hätte sich allerdings um ein Haar verpokert.

Die ersten ganz schweren Bergprüfungen am Wochenende kann der Quick-Step-Profi nun relativ gelassen angehen. Er ist schon längst über dem Soll und trägt nun auch das Grüne Trikot, nachdem Konkurrent Arnaud Démare nur Elfter wurde. Das starke deutsche Gesamtergebnis rundeten John Degenkolb auf Platz fünf, Rüdiger Selig als Siebter, André Greipel auf Rang neun und Rick Zabel am Ehrentag seines Vaters als Zwölfter ab.

Kittel spart Körner

Zwischen den Weinbergen des Burgunds herrschte auf den letzten 40 km immer wieder einmal die Gefahr von Seitenwinden, die das Feld hätten auseinanderreißen können. Deshalb zeigte sich auch das Team Sky mit Titelverteidiger Christopher Froome oft an der Spitze, um für eine solche Situation gewappnet zu sein. Auf der ewig langen Zielgeraden war dann Geduld gefragt - und Kittel wartete bis zum letzten Augenblick.

Die Flachetappe hatte bis ins Finale das altbekannte Format. Einige Ausreißergruppen durften sich im Fernsehen zeigen, wurden aber unter Kontrolle gehalten. Wie in den Vortagen sparte Kittel dann auch Kräfte beim Zwischensprint. Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden behauptete Froome problemlos.

Konkurrenz gibt sich geschlagen

Die Konkurrenten hatten bereits nach dem zweiten Streich Kittels Überlegenheit anerkannt - ohne jedoch aufzugeben. "Derzeit ist Kittel der Schnellste", sagte etwa der Norweger Alexander Kristoff aus dem Team Katjuscha-Alpecin: "Wir müssen uns etwas Besonderes einfallen lassen oder auf einen Fehler hoffen, um ihn zu schlagen." Auch Greipel stellte nüchtern fest: "Kittel und Démare sind sehr stark in diesem Jahr."

Um auf das aktuelle Niveau zu kommen, hat Kittel lange geschuftet. Nach seinem Seuchenjahr 2015 war er zwar schon im vergangenen Sommer wieder auf einem hohen Level, aber keineswegs derart dominant. "Es war ein harter Weg zurück", sagte Kittel. Es war auch ein Weg der Suche nach innerer Balance.

Die Viruserkrankung und in der Folge die Tour-Ausbootung hatten ihn vor zwei Jahren an vielen Dingen zweifeln lassen. Gerade weil Kittel 2013 und 2014 bei der Tour zum weltbesten Sprinter aufgestiegen war. "In einer Karriere gibt es immer Hochs und Tiefs. Aber am Ende zählt, dass ich dieses Level und diese Siege wieder erreicht habe", betonte der Wahl-Schweizer.

Sprinter nicht mehr gefragt

Am Wochenende treten die Sprinter um Kittel aus dem Rampenlicht. Es wird bergig bei der Großen Schleife, der Abschnitt am Samstag zur Station des Rousses im Jura darf noch als Ouvertüre angesehen werden. Am Sonntag müssen die Favoriten ihre Karten auf den Tisch legen.

 

Das Teilstück zwischen Nantua und Chambéry betrachten viele Experten bereits als die Königsetappe der 104. Tour. Sieben kategorisierte Anstiege stellen sich den Radprofis auf 181,5 km in den Weg, darunter drei der Sonderkategorie. Hier werden sich unter Froome und Co. die wahren Kräfteverhältnisse offenbaren.

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