Der Sprint der 4. Etappe der Tour de France wird von schlimmen Stürzen überschattet. Weltmeister Sagan löst einen bösen Crash aus und wird von der Tour ausgeschlossen.

Der Sturz-Skandal auf der 4. Etappe der Tour de France hat für Peter Sagan böse Folgen.

Der slowakische Superstar vom deutschen Team Bora-hansgrohe wurde von den Organisatoren ausgeschlossen.

Doch der deutsche Rennstall legte bei der Rennleitung offiziell Protest gegen den Ausschluss des Weltmeisters ein. Das teilte das Team am späten Dienstagabend mit.

Sagan habe versichert, den schweren Sturz von Cavendish  "weder verursacht noch in irgendeiner Weise beabsichtigt zu haben".

Greipel poltert wegen Rambo Sagan

Nachdem er im Zielsprint von Vittel unter anderem Mark Cavendish rüde vom Rad gerammt hatte, versuchte Sagan noch, die Wogen zu glätten. 

André Greipel legte er entschuldigend die Hand auf den Rücken, doch der deutsche Topsprinter lehnte die Friedenspfeife voller Zorn ab. "Hör auf! Du hast mich zum zweiten Mal beinahe umgebracht!", fauchte Greipel den slowakischen Superstar an.

Wenige Stunden nach Bekanntwerden des Sagan-Ausschlusses schlug Greipel jedoch ruhigere Töne an. "Manchmal sollte ich Bilder anschauen bevor ich etwas sage. Entschuldigung an Peter Sagan. Die Entscheidung der Jury ist zu hart", schrieb er auf Twitter. 

Einen Tag nach seinem grandiosen Sieg in Longwy war Sagan nach einer brutalen Attacke im Massensprint der vierten Etappe der Tour de France der große Buhmann.

Im chaotischen Finale nach 207,5 km in Vittel, wo der Franzose Arnaud Démare für den ersten Heimsieg bei der 104. Auflage sorgte und Greipel Dritter wurde, hatte Sagan einen spektakulären Crash verursacht. 

Der 27-Jährige rammte den britischen Routinier Mark Cavendish stumpf in die Absperrung, dieser flog dem Thüringer John Degenkolb vor das Rad, der ebenfalls übel zu Boden ging.  

"Da fährt ein Typ im Weltmeister-Trikot, der meint, er könne sich alles erlauben", polterte Greipel.

Der 34 Jahre alte Rostocker selbst, der schon beim Zwischensprint am Vortag mit "Peter Gnadenlos" aneinander geraten war, hielt sich zwar im Sattel, war aber ebenso chancenlos wie Marcel Kittel, der schon kurz zuvor den Anschluss verloren hatte.

Cavendish hat einen Bruch des Schulterblattes erlitten, wie sein Team mitteilte. Die Tour ist für ihn beendet. Sagan, der Grenzgänger seines Sports, hatte überzogen.

Aldag fordert Ausschluss  

Cavendishs Sportdirektor Rolf Aldag hatte schon kurz nach dem Rennen harte Maßnahmen gefordert.

"Das war eine klare Tätlichkeit. Sagan muss ausgeschlossen werden. Wir haben das bei der Jury beantragt", sagte Aldag bei "radsport-news". Das Anliegen des Teams wurde dann erhört.

Die Jury hatte Übeltäter Sagan, im Ziel Etappenzweiter, zunächst nur mit 30 Sekunden Strafe belegt und ihn auf Platz 115 zurückversetzt. Mit der Zeitstrafe wäre Sagan, der ohnehin nicht auf das Gesamtklassement fährt, noch milde davongekommen.

Greipel rückte vom ursprünglichen vierten Platz immerhin einen Rang vor.

"Habe Mark nicht gesehen, es tut mir leid"

Sagan sah zumindest seine Schuld ein und ging im Zielraum auf Entschuldigungs-Tour. Nach der missglückten Aussprache mit Greipel suchte er den Cavendish-Teambus auf und sagte sorry.

"Ich habe Mark nicht gesehen, es tut mir leid", meinte Sagan.

"Ich komme gut mit Peter klar, aber ich bin kein Fan von Ellenbogen", kommentierte Cavendish erstaunlich gefasst die Aktion des Slowaken: "Ein Sturz ist ein Sturz, aber ich wüsste schon gerne, was das mit dem Ellenbogen sollte."

Sagan-Opfer Degenkolb gab Entwarnung: "Es geht mir den Umständen entsprechend gut."

Sturz um Mann in Gelb bremst Kittel aus

Kittel, am Sonntag Sieger des ersten Massenspurts in Lüttich, war zurückgefallen, als ein erster Massensturz um den Gesamtführenden Geraint Thomas das Feld an der Ein-Kilometer-Marke dezimierte.

"Es ist eng geworden, als alle vorne fahren wollten, da habe ich den Anschluss verloren", meinte Kittel, der das Grüne Trikot verlor.

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Waliser Thomas trotz des Sturzes mit zwölf Sekunden Vorsprung auf seinen britischen Teamkollegen und Kapitän Christopher Froome.

Die fünfte Etappe am Mittwoch, die mit einer knackigen Bergankunft an der Planche des Belles Filles in den Vogesen endet, wird zum ersten Prüfstein für die Klassementfahrer.

Weltmeister-Enkel fast 200 Kilometer lang in Führung

Die erste Rennhälfte prägte am Dienstag der belgische Tour-Debütant Guillaume Van Keirsbulck vom Team Wanty-Groupe Goubert.

Der Enkel des früheren Straßen-Weltmeisters Benoni Beheyt trat unmittelbar nach dem scharfen Start an, und da niemand folgte, fuhr der 26-Jährige eben in Eigenregie mehr als 13 Minuten Vorsprung heraus.

Erst nach 190 Kilometern war eine der längsten Alleinfahrten der Tour-Geschichte beendet, danach übernahmen die Sprintteams das Kommando.  

Weiterlesen