Die Tour de France

Die Tour de France gilt als das bedeutendstes Radrennen der Welt.  Seit 1903 findet die Grand Boucle („Große Schleife“) jährlich statt und führt die teilnehmenden Rad-Profis quer durch ganz Frankreich, sowie teilweise durch das nähere Ausland. Besonders die Startpunkte der Tour de France werden gerne in angrenzende Länder verlegt. Anschließend führen die Tagesetappen bis nach Paris. Veranstalter des Sportereignisses ist die Amaury Sport Organisation (ASO).

Geschichte der Tour de France

Am 1. Juli 1903 startete die erste Etappe der „Tour de France“. Die Idee, mehrere Radrennen durch ganz Frankreich  zu veranstalten,  ging vom französischen Journalisten Geo Lafevre aus. Es sollte jeweils die benötigte Zeit für die vorgebebene Strecke gemessen und in der Summe dann addiert werden, um letztlich den verdienten Sieger zu küren. Es existierten zwar vorher schon Langstrecken-Rennen im Radsport, allerdings waren diese stets Einzeletappen. Die Tour de France war geboren.

Im ersten Jahr kämpfen 60 Radfahrer gegeneinander um den Titel. Insgesamt waren sechs Etappen durch die größten Städte des Landes mit Zielpunkt Paris geplant. Zwischen den einzelnen Tagesetappen ruhten sich die Fahrer aus. Als Sieger ging der favorisierte Franzose Maurice Garin hervor, der zuvor bereits einige Titel im Radsport abgesahnt hatte.

Mit der Zeit konnte sich die Tour de France etablieren. Zuvor musste sie jedoch mit einigen Skandalen rund um die Fahrer kämpfen. Unerlaubtes Benutzen der Eisenbahn zum eigenen Vorteil entpuppte sich als typisches Vergehen und die rückte den Fairness-Gedanken des neuen Sportereignisses in ein schlechtes Licht.  Eine erstmalige Unterbrechung der Tour war im Jahre 1914 dem ersten Weltkrieg geschuldet. Gleiches ereignete sich zur Zeit des zweiten Weltkrieges.

Mit steigender Bekanntheit der Tour de France, stieg die Anzahl der Etappen, sowie die Gesamtstrecke der Tour. Um den Fahrern entgegen zu kommen, reduzierte man aber gleichzeitig die Länge der einzelnen Tagestrecken. In den Anfangsjahren legten die Rad-Profis noch bis zu 400 Kilometer zurück, was rückblickend einerseits wegen der schlechten Straßen und andererseits wegen der altmodischen Fahrräder, die noch ohne Gangschaltung gebaut wurden, äußerst bemerkenswert erscheint. Seit den 50er-Jahren existiert die Tour de France annähernd in ihrer heutigen Form.

Mittlerweile treten 22 Teams bei der Tour de France an, die jeweils neun Fahrer stellen. Insgesamt ist die Tour mit einem Preisgeld von über 2,2 Millionen Euro dotiert. Allein eine halbe Million erhält der Gesamtsieger. Zum Vergleich: Der allererste Sieger erhielt weniger als ein Zehntel für den Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt. Die mediale Aufmerksamkeit und das Thema Sponsoring der Teams sind mit den Jahren deutlich mehr in den Fokus gerückt.  Einer der Gründe für die gestiegenen Preisgelder.

Außerdem hat die Tour eine große Fankultur hervorgebracht. Die Strecken sind durchgehend gut besucht und vor allem die Zieleinfahrten werden von Schaaren an begeisterten Radsport-Fans zum besonderen Erlebnis.

Tour de France-Klassements

Bei der Tour des France gibt es ein von der Tour-Leitung festgelegtes Sortiment an Trikots in verschiedenen Farben und Mustern, die den Führenden der verschiedenen Wertungen repräsentieren. Übernimmt ein Fahrer die Führungsposition einer Wertung, so erhält er das Trikot nach der Etappe und trägt es im nächsten Rennen. Wenn ein Fahrer mehrere Wertungen anführt, zieht er nur das ranghöhere Trikot an und überlässt es das Andere dem Zweitplatzierten. Dabei gilt folgende Reihenfolge: Gelb, Grün, Gepunktet und Weiß.

Das Gelbe Trikot erhält der Führende der Gesamtwertung der Tour de France, sprich derjenige, der in Addition die geringste Gesamtzeit aller bisher abgeschlossenen Etappen aufweist. Das Grüne Trikot gebührt dem besten Sprinter der Tournee. Punkte werden dabei z.B. bei Zwischensprints vergeben. Das weiße Trikot mit den roten Punkten steht für den besten Fahrer der Bergwertung. Je nach Schwierigkeit des Anstieges variieren die erhaltenen Punkte. Dem besten Jungprofi wird das Weiße Trikot verliehen. Zusätzlich existieren noch eine rot hinterlegte Rückennummer für den kämpferischsten Rad-Profi einer Etappe, sowie gelb hinterlegte Nummern für das Team mit der schnellsten Gesamtzeit, die sich aus den jeweils drei besten Fahrern pro Etappe zusammensetzt.

Rekordhalter der Tour

In der über einhundert Jahre langen Geschichte der Tour de France hat sich so manche Tour-Legende herauskristallisiert. Mit insgesamt fünf Gesamtsiegen auf der Tour liegen der Franzose Anquetil, sein Landsmann Hinault, der Belgier Merckx und der aus Spanien stammende Indurain an erster Stelle. Die sieben Tour-Siege des Lance Armstrong wurden im Nachhinein aberkannt.

Merckx hält außerdem mit 34 den Rekord für die meisten Etappensiege. Dicht gefolgt von Marc Cavendish, der allerdings noch aktiv ist. Der jüngste Fahrer, der je eine Ausgabe der Tour de France für sich entscheiden konnte, war gerade einmal 20 Jahre alt. Der Franzose Henri Cornet sicherte sich bei der zweiten Ausgabe der Tournee den bis heute ungebrochenen Rekord. Sein Pendant ist der belgische Radrennfahrer Firmin Lambot. Im Alter von 36 Jahren gewann er als Ältester die Tour de France.

Die Tour de France und das Doping

Durch häufiges und massives Doping rückte die eigentlich anspruchsvolle und medial begehrte Tour de France ab 2006 aus dem Rampenlicht. Zuletzt zeiten schärfere Kontrollen aber Wirkung und die Tour kehrt auf die große Sportbühne zurück. Bereits seit 1966 führen die Veranstalter der Tour Dopingkontrollen durch.

Die erste schwere Glaubwürdigkeitskrise datiert aus dem Jahr 1998, eine Weitere folgte im Jahr 2006. Damals veröffentlichte eine spanische Behörde 58 Namen von Dopingverdächtigen. Auch der einzige deutsche Tour-Sieger Jan Ulrich wurde in Folge dieser Veröffentlichungen des Dopings überführt, durfte seinen Titel jedoch behalten.

Bereits vor Tour-Beginn kamen in den vergangenen 20 Jahren regelmäßig die ersten Namen von Dopingsündern ans Licht. Infolgedessen wurde häufig sarkastisch von der "Tour de Doping" gesprochen. Früher errungen Fahrer oftmals mit beeindruckenden Zeiten den Gesamtsieg der Tour de France, der ihnen aber später wieder aberkannt wurde.

Die negativen Schlagzeilen und bekannten Dopingskandale gelten als größte Schwierigkeit des Radsports und der Tour. In Deutschland hat die Rundfahrt aufgrund dieser Aspekte gegen Ende der 2000er an Beliebtheit verloren, das öffentlich-rechtliche Fernsehen stieg sogar gänzlich aus der Liveberichterstattung aus.

Die Sprinterfolge der letzten fünf Jahre durch Marcel Kittel, Andre Greipel und John Degenkolb sowie eine Kampagne für mehr Transparenz in Dopingangelegenheiten verhalfen zuletzt jedoch zu einem Aufmerksamkeits- und Beliebtheitsanstieg.

Tour de France 2017

Bei der diesjährigen Ausgabe der Tour de France sind einmal mehr die namhaftesten Profis des Radsports vertreten. Mit dem dreimaligen Tour-Sieger Chris Froome geht einer der besten Fahrer der letzten Jahre an den Start. Er gehört ebenso zu den Favoriten auf das „Maillot Jane“ – das gelbe Trokt, wie der Kolumbianer Nairo Quintana, der Vorjahreszweite Romain Bardet und der zweimalige Champion Alberto Contador aus Spanien.

Aus deutscher Sicht ist besonders auf den Tour-Debütanten Rick Zabel, Sohn des ehemaligen deutschen Sprint-Asses Erik Zabel, zu achten. Die Chancen für einen Etappensieg stehen bei Sprinter Andre Greipel und Zeitfahrexperte Tony Martin am Besten.

Die deutschen Radsport-Fans kommen trotzdem nicht zu kurz. Mit dem Tour-Start in Düsseldorf ist ein Highlight vorprogrammiert. Im weiteren Verlauf der Frankreich-Rundfahrt t stehen neun Flachetappen, fünf Mittelgebirgs-Etappen, fünf Bergetappen mit drei Bergankünften, sowie zwei Einzelzeitfahren im Streckenplan.