CYCLING-ESP-TOUR-VUELTA
Gegen Chris Froome werden immer wieder Vorwürfe des Motordopings laut - so auch bei der laufenden Vuelta © Getty Images

Internationale Journalisten decken Schwächen bei den Testverfahren gegen Motordoping auf. Der Radsport-Weltverband verteidigt sich.

Christopher Froome wollte über die Vuelta reden, das Rote Trikot und seinen Traum vom Sieg in Madrid, als am zweiten Ruhetag doch wieder Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Radsports laut wurden.

"Ich denke darüber nicht nach", sagte der Tour-de-France-Sieger angesichts eines neuen Berichts zum Thema Motor-Doping, der den Weltverband UCI in ein schlechtes Licht rückt.

"Ich könnte nicht an den Start gehen in dem Gedanken, dass einer meiner Rivalen das Rennen mit einem versteckten Motor bestreitet. Sollte es doch jemand tun, bin ich überzeugt, dass es sehr schnell auffliegt." 

Die Recherche der ARD, der französischen TV-Sendung Stade2 sowie eines Journalisten des italienischen Corriere della Sera wirft indes Fragen über die Effektivität der UCI-Tests auf, mit denen der Technikbetrug bekämpft werden soll.

Froome unter Verdacht

Tour-de-France Sieger Froome, der sich Motor-Doping im Radsport nicht vorstellen kann, sieht sich während der Vuelta aktuell wieder einmal selbst diesen Vorwürfen ausgesetzt. 

Die Froome-Kritiker berufen sich bei ihren Anschuldigen auf ein Video, das nach der Zieleinfahrt der 12. Etappe in Antequera gemacht wurde.

40.000 Tests negativ

40.000 Tests hat die UCI in den vergangenen zwei Jahren in verschiedenen Disziplinen und Altersklassen durchgeführt, allein 4000-mal kontrollierten Prüfer des Weltverbandes bei der Frankreich-Rundfahrt im Juli.

Ergebnisse? Fast alle negativ. Nur einmal wurde eine Athletin überführt, 2016 bei den Radcross-Weltmeisterschaften, als bei der Belgierin Femke Van den Driessche ein verbotener Hilfsmotor gefunden wurde.

Ist das Problem des Motor-Dopings also nicht existent? Oder ist das Prüfverfahren der UCI schlichtweg nicht wirksam genug? 

Test-Verfahren mit Schwächen

Genau so lautet zumindest der Vorwurf der Journalisten. Die UCI setzt für ihre Tests ein speziell umgerüstetes Tablet ein, das mittels Magnetresonanz-Untersuchung versteckte Motoren ausfindig machen kann. Das Verfahren funktioniert, doch es hat auch große Schwächen.

Einfache Antriebe "der ersten Generation" lassen sich aufgrund des verbauten ferromagnetischen Materials - etwa Eisen - im ausgeschalteten Zustand erkennen. Das Problem: Diese Bauteile sind an Rädern überall zu finden, in Zahnrädern, Tretlagern oder Schrauben.

"Es entstehen viele Fehlalarme. Das kann zum Problem werden, weil die Prüfer irgendwann ermüden, weil sie wissen, das sind Scheinanzeigen",", sagt Professor Bernd Valeske vom Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP in Saarbrücken, wo die französischen Journalisten die UCI-Tablets testeten.

Damit eröffnen sich für Betrüger natürlich Möglichkeiten. "Es ist daher eine gute Möglichkeit, in solchen Umgebungen etwas zu verbauen und zu verbergen", erklärte Valeske. 

"Magische" Hinterräder

Doch es geht auch noch raffinierter. Der ungarische Ingenieur Istvan Varjas, der seine Technologie kurz vor der Tour 2015 an einen unbekannten Kunden verkauft haben will, präsentierte eines seiner umgerüsteten "magischen" Hinterräder. Dieses drehe sich in dem Bericht ohne Krafteinwirkung von außen.

Die Technik soll per Funkübertragung aktiviert werden können, etwa aus einem Begleitfahrzeug oder sogar aus dem Publikum am Straßenrand. Bei den Tests der Journalisten schlug der UCI-Scanner nicht an.

Der Weltverband verteidigte in einer Stellungnahme indes sein Verfahren. Dieses habe sich als "hoch effektiv" erwiesen, seine Wirksamkeit sei unabhängig bestätigt. Auch arbeite man mit alternativen Maßnahmen wie Wärmebildkameras oder Röntgenuntersuchungen.

Weiterlesen