Jan Ullrich kehrt in den Profi-Radsport zurück © getty

Jan Ullrich kehrt nach dem Bekanntwerden seiner Doping-Vergangenheit in offizieller Funktion in den Profi-Radsport zurück. Das sorgt für heftige Kritik.

Jan Ullrich betritt zehn Jahre nach seinem Rücktritt und 20 Jahre nach seinem Toursieg wieder in offizieller Funktion die Radsportbühne.

Der 43-Jährige, nach wie vor von seiner Dopingvergangenheit belastet, wird Sportlicher Leiter des Traditionsrennens "Rund um Köln". Entsprechende Berichte von Kölner Medien bestätigte Rennorganisator Artur Tabat.

Engagement soll Ausnahme bleiben

"Ich habe lange, lange überlegt", sagte Ullrich dem Kölner Stadt-Anzeiger: "Aber irgendwann war mir klar, dass ich das für Artur, der ja nicht nur mein Freund, sondern auch ein guter Mensch ist, machen werde. Ich weiß, dass ich Artur damit einen Herzenswunsch erfülle."

Das Engagement soll für Ullrich aber nicht der große Einstieg sein, er werde sich "nur in Köln engagieren, sonst nirgendwo".

Die 101. Auflage des Eintagesrennens steigt am 11. Juni, 1997 war Ullrich der bis heute einzige deutsche Gesamtsieger bei der Tour de France.

In den Folgejahren verursachten seine Verwicklung in die Affäre um den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes und auch sein Umgang mit den eigenen Vergehen jedoch einen gewaltigen Imageschaden.

Ullrich der "letzte große Lügner"

2007 verkündete Ullrich das Ende seiner aktiven Laufbahn, im Jahr zuvor war er wenige Tage vor dem Tourstart wegen erneuter Dopingvorwürfe von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen worden.

Die Kritiker werfen Jan Ullrich bis heute vor, nicht vollständig mit seiner Dopingvergangenheit abgeschlossen zu haben. "Der letzte Lügner", sagte der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke, der erfolgreich gegen Ullrich prozessierte, am Dienstag über den einstigen Radstar.

Erst 2013, sechs Jahre nach seinem Rücktritt, gab Ullrich erstmals Blutdoping bei Fuentes zu. Betrugsvorwürfe weist er jedoch bis heute zurück.

Franke sieht "fatales Signal"

In einer Phase, in der der Radsport in Deutschland nach den großen Dopingskandalen auch um Ullrichs einstigen Widersacher Lance Armstrong für ein neues Image kämpft, ist die Verpflichtung von Jan Ullrich für viele das falsche Signal. "Das ist fatal, auch für das Fernsehen", sagte Franke, fügte aber desillusioniert hinzu: "Es wundert mich nicht mehr."

Organisator Artur Tabat kann die Bedenken nicht nachvollziehen. Dem SID sagte er: "Es wird immer kritische Stimmen geben. Aber schauen Sie sich an, was in Russland mit Doping passiert. Da war das früher doch harmlos." Eine zumindest bemerkenswerte Aussage angesichts der Tatsache, dass der Radsport damals seine bislang größte Krise durchlebte.

Anstatt sich kritisch mit der Vergangenheit, auch der eines Jan Ullrich auseinanderzusetzen, freut sich der 75-jährige Tabat vielmehr darüber, diesem wieder in den Sattel geholfen zu haben: "Er hat genug gebüßt, man kann ihn nicht im Keller liegen lassen."

WDR will kritisch berichten

Sportchef Steffen Simon vom verantwortlichen Sender WDR kündigte Konsequenzen für die Übertragung des Rennens an. "Wir halten an unserer geplanten Zusammenfassung fest, es wird aber kein reiner Rennbericht mehr werden. Wir werden uns auch mit den Aussagen von Herrn Tabat beschäftigen", sagte Simon.

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