John Degenkolb fährt in der kommenden Saiosn für Trek-Segafredo
John Degenkolb muss sich mit dem siebten Rang zufrieden geben © Getty Images

John Degenkolb kann seinen Erfolg von 2015 nicht wiederholen und kommt bei Mailand-Sanremo mit fünf Sekunden Rückstand ins Ziel. Kwiatkowski siegt mit Fotofinish.

John Degenkolb quetschte mit schmerzverzerrtem Gesicht die letzten Reserven aus seinen Körper - doch es war einfach nicht genug. Bei der 108. Ausgabe des Frühjahrsklassikers Mailand-Sanremo hat der Wahl-Hesse die Wiederholung seines Triumphs von 2015 verpasst. Stattdessen siegte der polnische Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowski an der ligurischen Küste nach 291 Kilometern und über sieben Stunden Fahrzeit.

Kwiatkowski düpierte auf der Via Roma überraschend den amtierenden Weltmeister Peter Sagan aus dem deutschen Team Bora-hansgrohe und setzte sich beim ersten der fünf Radsport-Monumente der Saison im Fotofinish durch. Degenkolb (28) kam mit fünf Sekunden Rückstand als Siebter ins Ziel. Der gebürtige Geraer hatte bei einer furiosen Attacke Sagans am Poggio nicht mehr mithalten können.

Degenkolb stark

Dabei war Degenkolb in der entscheidenden Rennphase wachsam - und wurde von seinen Helfern im Team Trek-Segafredo perfekt beschützt. Die ersten Angriffe am Poggio, dem letzten Anstieg wenige Kilometer vor dem Ziel, hatte er noch pariert und stets Kontakt zur Spitze gehalten. Doch bei Sagans enormen Antritt kurz vor dem Scheitelpunkt des legendären Hügels reichte die Energie nicht mehr. In der Abfahrt zum Ziel war das Trio mit Sagan, Kwiatkowski und dem Franzosen Julian Alaphilippe nicht mehr zu stellen.

Degenkolb hatte vor zwei Jahren den siebten Erfolg eines deutschen Fahrers bei der sogenannten Fahrt in der Frühling gefeiert. Mit dem Triumph bei Paris-Roubaix im gleichen Jahr war es sein bisher größter Sieg gewesen. Vor Degenkolb hatten Gerald Ciolek (2013), Erik Zabel (2001, 2000, 1998, 1997) und Rudi Altig (1968) die Primavera für sich entschieden.

Auf dem Weg zum Start in der lombardischen Metropole Mailand hatte sich Degenkolb, der 2016 wegen eines Trainingsunfalls im Winter seinen Titel nicht verteidigen konnte, noch entspannt auf einem Foto im Mannschaftsbus gezeigt. "Showtime. Wünscht mir Glück", schrieb er dazu bei Twitter. Die Vorbereitung auf das erste große Frühjahrshighlight hatte er als gelungen empfunden.

Denz reist aus

Zwar stand Degenkolb in dieser Saison bei bisher "nur" einem Tageserfolg, der ihm bei der Dubai-Tour gelang, aber das war 2015 nicht anders gewesen. "Mein Gefühl sagt mir, dass ich gut drauf bin", hatte Degenkolb im SID-Gespräch betont, "vielleicht sogar noch ein bisschen besser als 2015".

In den ersten Rennstunden aber ging es erst einmal nur um eines: sich im Feld zu verstecken. Kraft sparen für das Finale war für die Favoriten wieder ein entscheidender Faktor bei der Classicissima, die ihre Härte vor allem aus den fast 300 km Distanz bezieht. Kein Rennen ist länger.

Für die Außenseiter war das Sparen weniger wichtig, sie suchten ihr Heil in der Flucht. Zehn Fahrer hatten sich diesmal aus dem Peloton gelöst, darunter der junge Schwarzwälder Nico Denz, der zur französischen Equipe AG2R-La Mondiale gehört. Ihr Vorsprung stieg auf etwa fünf Minuten maximal an.

Kontrolliert wurde die Gruppe auch von Sagans Bora-Kollegen, die mit dem großen Favoriten in ihren Reihen auch ihren Teil der Verantwortung für die Renngestaltung zu tragen hatten. In der Auffahrt an der Cipressa knapp 30 km vor dem Ziel explodierte dann das schon ziemlich ausgedünnte Peloton regelrecht. Degenkolb hielt der Tempohatz zunächst noch stand. Wenig später war er mit den Kräften am Ende.

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