Kris Meeke feierte bei der Rallye Mexiko seinen ersten Saisonsieg
Kris Meeke feierte bei der Rallye Mexiko seinen ersten Saisonsieg © xpbimages.com

Irres Finale bei der Rallye Mexiko: Spitzenreiter Kris Meeke fliegt einen Kilometer vor dem Ziel spektakulär ab, gewinnt aber dennoch vor Sebastien Ogier

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Die Rallye Mexiko, der dritte Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2017, ging mit einem absoluten Paukenschlag zu Ende. Spitzenreiter Kris Meeke (Citroen) hätte den Sieg gut einen Kilometer vor dem Ziel fast noch weggeworfen. In einer schnellen Rechtskurve flog er spektakulär ab, flog über über Hecke und ein parkendes Auto und hatte riesiges Glück, dass er nirgendwo einschlug. Nach einem Slalom über einen Parkplatz fand er den Weg auf die Strecke zurück und fuhr ins Ziel. Dort hatte er noch 13,8 Sekunden Vorsprung auf Sebastien Ogier (Ford) und feierte so einen zwar verdienten, am Ende aber extrem glücklichen Sieg.

Das war auch Meeke selbst bewusst, dem der Schreck im Ziel deutlich ins Gesicht geschrieben stand. "Das ist ein Weg, eine Rallye zu beenden, aber das hätten wir nicht gebraucht. Da hatten wir richtig Glück", so Meeke. Auf einer Bodenwelle wurde sein Citroen C3 ausgehoben, flog über eine Hecke und landete auf dem provisorischen Parkplatz. Nachdem Meeke realisiert hatte, dass sein Auto noch fahrbereit ist, suchte er den Weg auf die Strecke zurück und fand rechtzeitig noch eine Lücke im Buschwerk.

Um ein Haar hätte sich der Nordire damit selbst um den Lohn seiner Arbeit gebracht, statt eines Befreiungsschlags hätte es fast den nächsten Tiefschlag gesetzt. Und das nach einem bis dahin überzeugenden Wochenende. Meeke und sein Citroen C3 WRC wirkten in Mexiko wie ausgewechselt. Nachdem das Auto seinen Fahrer bei den Rallyes in Monte Carlo und Schweden mit seinem unberechenbaren Fahrverhalten in eine Reihe von Fehlern getrieben und fast zur Verzweiflung gebracht hatte, legte Meeke in Mexiko von Beginn an das Tempo vor.

Sebastien Ogier übernimmt mit Rang zwei die WM-Führung

Mit einer souveränen Bestzeit bei der vierten Wertungsprüfung übernahm er die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Meeke profitierte am Freitag auch davon, dass sein Auto im Gegensatz zu den Boliden der meisten seiner Rivalen in der dünnen Höhenluft Mexikos nicht überhitzte. Quer durch alle Hersteller trat dieses Problem am ersten Tag auf. Bei kühleren und teils regnerischen Bedingungen an den Folgetagen waren Temperaturprobleme dann kein Thema mehr.

Ogier war in Mexiko nicht in der Lage, um den Sieg mitzukämpfen. Beim ersten Schotterlauf des Jahres wurde offensichtlich, dass sich der amtierende Weltmeister in seinem Ford Fiesta WRC noch nicht hundertprozentig wohl fühlt. Ogier leistete sich einige Fahrfehler, unter anderem einen Dreher bei der 14. Wertungsprüfung.

Am Ende konzentrierte sich der Franzose darauf, Rang zwei abzusichern, durch den er die Gesamtführung in der Weltmeisterschaft übernahm. "Wir haben getan, was wir konnten. Das ist ein wichtiges Resultat", sagt Ogier. Durch den vierten Platz seines Teamkollegen Ott Tänak gewann M-Sport insgesamt 30 Punkte für die Herstellerwertung, die das Team nun souverän anführt.

Thierry Neuville gewinnt die Powerstage

Nachdem Thierry Neuville in Monte Carlo und Schweden noch das Tempo vorgelegt hatte, spielte Hyundai in Mexiko im Kampf um den Sieg keine Rolle. Dazu trugen auch technische Probleme bei. Am Freitag kam es an allen drei i20 Coupé WRC zu Fehlzündungen, die erst nach einem Wechsel der Kraftstofffilter verschwanden. Durch die Probleme hatte sich Neuville zu Beginn der zweiten Tages schon eine Minute Rückstand auf Meeke eingehandelt.

Diesen holte der Belgier nicht mehr auf, kam aber auf Rang drei ins Ziel. Nach zwei Unfällen bei den ersten beiden Rallyes des Jahres durfte er sich aber immerhin über das erste Podiumsresultat der Saison freuen. Zudem gewann Neuville die Powerstage und kassierte damit fünf Zusatzpunkte.

Sein Teamkollege Hayden Paddon fuhr auf einen soliden fünften Platz, Dani Sordo wurde Achter. Der Spanier war am Freitag besonders von den Motorproblemen betroffen und blieb deshalb beim ersten Durchgang der Zuschauerprüfung im Autodrom von Leon mehrmals stehen. Eine gegen ihn deshalb verhängte Zeitstrafe von zehn Minuten wurde am Samstag zurückgenommen.

Erster Rückschlag für Toyota

Nach Platz zwei zum Saisonauftakt und dem Sieg in Schweden war für Toyota in Mexiko nichts zu holen. Jari-Matti Latvala verlor schon am Freitagvormittag mehr als zwei Minuten auf die Spitze, weil der Motor seines Yaris WRC überhitzte und er deshalb die Leistung drosseln musste. Diesem Rückstand lief der Finne in der Folge hinterher und kam letztlich nicht über Platz sechs hinaus. Sein Teamkollege Juho Hänninen war in Mexiko durch einen schweren Infekt geschwächt und kam auf Platz sieben ins Ziel.

Obwohl in der WRC2 in Mexiko nur fünf Starter gemeldet hatten, war der Kampf um den Sieg in der "zweiten Liga" hochspannend. Pontus Tidemand (Skoda) und Eric Camilli (Ford) lieferten sich einen packenden Schlagabtausch, bei dem die Führung immer wieder hin und her ging. Erst am Schlusstag setzte sich Tidemand ab, nachdem sich Camilli mit der Abstimmung verzockt hatte. Im Ziel lag der Skoda-Pilot 42,7 Sekunden vorne.

Insgesamt konnten bei der Rallye Mexiko nur 17 der geplanten 19 Wertungsprüfungen gefahren werden. Nach dem Start am Donnerstagabend im Mexiko-Stadt, wo die Fahrer vor hunderttausenden Fans eine Zuschauerprüfung absolviert hatten, wurden die Autotransporter mit den WRC-Boliden auf dem Rückweg in das gut 400 Kilometer entfernte Rallyezentrum Leon durch eine Straßensperrung nach einem Verkehrsunfall stundenlang aufgehalten. Erst am Freitagmorgen trafen sie im Servicepark ein, zu spät, um sie bis zum ursprünglichen geplanten Start der Wertungsprüfungen vorzubereiten. Daraufhin wurden die am Freitagvormittag vorgesehenen WP3 und WP4 abgesagt.

Nächster Halt: Korsika

In der Fahrerwertung der WRC führt nach drei von 13 Saisonläufen Ogier. Der Franzose hat 66 Punkte auf dem Konto, Latvala kommt als erster Verfolger auf 57 Zähler. Dritter ist Tänak mit 48 Punkten. In der Herstellerwertung liegt M-Sport mit 103 Punkten klar in Führung, gefolgt von Toyota mit 67 und Hyundai mit 65 Punkten.

Weiter geht es mit der Rallye-WM vom 7. bis 9. April. Dann steht mit der Rallye Frankreich auf Korsika die erste Asphaltrallye des Jahres auf dem Programm.

© Motorsport-Total.com

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