Kein Interesse am Comeback: Mark Webber schließt eine Rückkehr aus
Kein Interesse am Comeback: Mark Webber schließt eine Rückkehr aus © Porsche

Mark Webber gibt zu, dass er den Porsche 919 Hybrid vermisst - An eine Rückkehr ins Cockpit ist aber nicht zu denken, an eine Ersatzfahrerrolle schon gar nicht

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Er war schon immer einer, der sein Ding durchgezogen hat. Warum also sollte es sich im Ruhestand ändern? Mark Webber hat auch ein halbes Jahr nach seinem letzten Rennen nicht vor, noch einmal ins Cockpit eines LMP1-Fahrzeugs zu steigen. Die Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) verfolgt er aber weiter mit großem Interesse. "Ich bin jetzt professioneller Zuschauer", scherzt der ehemalige Formel-1- und Porsche-Werksfahrer. Und die Rolle scheint ihm fürs Erste zu gefallen.

Ans Fahren denkt er nicht einmal, sollte einer seiner Teamkollegen ausfallen: "Ich war nicht interessiert an der Rolle des Ersatzfahrers. Mich hat auch keiner gefragt. Kein Wunder, denn ich habe bei meinem Rücktritt sehr deutlich gemacht, dass es keine halbe Sache wird. Ich mache nie halbe Sachen, das ändert sich bestimmt nicht." Allerdings: "Ich vermisse das LMP1-Auto schon etwas."

Stattdessen ist der mit ihm zurückgetretene Marc Lieb in diese Rolle berufen worden. "Er ist doch die perfekte Wahl", findet Webber. "Er hat dort gewonnen, er ist extrem erfahren. Das Auto wird notfalls in besten Händen sein, wenngleich sich natürlich niemand wünscht, dass dieses Szenario eintritt."

Auch ohne Audi beste Action

Nach dem Rückzug von Audi aus der LMP1-Kategorie und der Reduktion der Reifensätze auf vier pro Rennen wurde von vielen befürchtet, dass die spektakulären Zeiten der LMP1-Klasse vorbei wären. Doch es ging bislang so weiter wie bisher, mit spektakulären Kämpfen auf der Strecke. "Es geht trotz des Audi-Ausstiegs immer noch herrlich eng zur Sache. Das macht schon Spaß. Zwei Marken kämpfen auf allerhöchstem Niveau gegeneinander. Das ist großartig. Auf der anderen Seite kommen hoffentlich bald weitere Hersteller hinzu. Das wäre toll", träumt Webber.

"Le Mans wird bestimmt wieder ein klasse Event", so der 40-Jährige weiter. "Würde ich lieber 20 LMP1-Autos sehen? Klar! Ist das realistisch? Nein. So ist nun einmal die Situation. Es ist wichtig und gut, dass wenigstens fünf dieser unglaublich schnellen und schönen Autos dort mitfahren. Es gab Jahre, da ist ein Hersteller ganz allein auf und davon gefahren. Das ist jetzt nicht so. Wir alle wissen überhaupt noch nicht, wer dieses Jahr gewinnen wird. Und das ist doch toll."

LMP1-Zukunft: Hybrid und viel Sound

Doch auch Webber macht sich Gedanken um die Zukunft der LMP1-Kategorie. Noch vor wenigen Jahren sah sie aus wie die Zukunft des Motorsports mit massivem Herstellerinteresse, nun kämpft sie ums Überleben. Peugeot nutzt seine starke Verhandlungsposition, um der WEC auch noch die letzten Zugeständnisse in Sachen Kostensenkung abzuringen. Webber mahnt, den Geist der LMP1-Kategorie zu wahren: "Bei künftigen Regeln geht es gar nicht anders, als das Thema Hybrid im Fokus zu halten. Außerdem muss man die Ingenieure bei Laune halten. Das geht am besten, indem man ihnen immer wieder harte Aufgaben stellt."

Doch auch den Sound möchte er bei dieser Diskussion nicht aus dem Spiel lassen - ein Thema, das unter anderem die Formel 1 seit Jahren beschäftigt. "Stellt euch eine Flugshow vor, die mit Segelfliegern abgehalten wird", spottet er. "Das wirkt doch nicht. Es kommt doch nur dann spektakulär rüber, wenn ich wegen des Lärms automatisch den Kopf einziehe. So ist es bei Autos auch."

Seines Erachtens lebt der Motorsport von Emotionen: "Nur so entsteht Begeisterung für Automobile. Wenn ich nur mal meinen Porsche GT3 RS nehme. Den drehe ich bis 9.000 Touren, dann passiert etwas. Jeder Zehnjährige auf dem Beifahrersitz bekommt da automatisch ein Grinsen ins Gesicht. Das stellt ein Auto mit dir an. So muss es sein."

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