Josef Newgarden hat mit dem Mid-Ohio-Sieg die Tabellenführung übernommen
Josef Newgarden hat mit dem Mid-Ohio-Sieg die Tabellenführung übernommen © LAT

Josef Newgarden übernahm erstmals in seiner IndyCar-Karriere die Führung - Der Penske-Neuling reitet auf einer Welle des Erfolgs - Reicht es für den Titel?

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Zweiter Sieg in Folge, erstmals mit Penske ein Sieg auf einer Strecke, auf der er zuvor noch nie triumphiert hat, dazu die Tabellenführung: Josef Newgarden hat nach seinem zweiten Sieg in der IndyCar-Serie in Folge Oberwasser. Erst zu Beginn der Saison zu Penske gestoßen, ist er plötzlich Meisterschaftsführender. Schlechte Nachricht für die Konkurrenz: Je länger die Saison dauert, umso stärker scheint die neue Traumkombination Penske - Josef Newgarden - Tim Cindric zu werden.

Und Newgarden redet auch nicht um den heißen Brei. Wo man in manch anderer Serie Dinge hören würde wie "Die Saison ist noch lang" oder "Warten wir erst einmal ab", macht der 26-Jährige keinen Hehl aus seinen Ambitionen: "Es ist großartig. Aber jetzt müssen wir den Abstand noch vergrößern." Das zeugt von Selbstbewusstsein. "Natürlich ist es das oberste Ziel, den Abstand zu halten. Aber ihn zu vergrößern, kann in Sonoma nur helfen. Deshalb ist von jetzt an das Ziel, keine schlechten Rennen zu haben und den Abstand zu vergrößern." Eine schwierige Aufgabe, denn: "Bislang ist das in dieser Saison noch keinem gelungen. Niemand hatte in dieser Saison einen großen Vorsprung."

Die Kampfansage sitzt. Wie ernst er es meint, schon in seiner ersten Penske-Saison den IndyCar-Tital zu holen, zeigte er mit einem bärenstarken Überholmanöver gegen Will Power zu Beginn des Rennens auf dem Mid-Ohio Sports Car Course in Lexington. Ein spektakulärer Dummy sicherte ihm die Führung, die er daraufhin nicht mehr abgab. "Will schien etwas mehr Probleme zu haben und ich wollte nicht hinter ihm warten", erinnert sich Newgarden, wie es zum Kabinettsstück kam. "Ich sah eine Gelegenheit, deshalb habe ich einfach mal versucht, ein Manöver zu starten. Er hat mir viel Raum gelassen. Ein toller Teamkollege."

Nur einmal Sorgen gemacht

Polesetter Power bescheinigte nach dem Rennen Newgarden einen hervorragenden Job bei dem Manöver. "Er hat Push-to-Pass genutzt, ich habe reagiert. Dann hat er ihn ausgeschaltet und ich ebenfalls. Dann hat er ihn wieder benutzt." Newgarden ist sich da nicht so sicher: "Ich denke, er wusste, dass wir ein bisschen schneller sind als er. Deshalb hat er so viel Raum gelassen." Er untermauerte seinen Speed, indem er Power, dem vielleicht schnellsten Piloten im Feld, in den nächsten Runden auf und davon fuhr.

Sorgen machte sich der US-Amerikaner nur noch einmal gegen Ende des Rennens, als es zum finalen Restart kam. Er hatte nämlich die härteren Reifen ("Blacks") drauf, während hinter ihm Power, Newgarden und Pagenaud auf den weicheren ("Reds") lauerten. "Das erinnerte an Road America; ich hatte nicht genug Zeit, Temperatur in die Blacks zu bringen", erinnert der Penske-Pilot an das Manöver von Scott Dixon auf der Außenbahn in Kurve 1 in Elkhart Lake.

Kritik an Gutierrez

Doch diesmal blockte ihn der überrundete Esteban Gutierrez nach hinten ab. Der Coyne-Pilot versuchte sogar, sich zurückzurunden und wäre beim ersten Bremspunkt nach dem Restart beinahe in Newgarden reingeknallt. Power beschwerte sich nach dem Rennen bereits und auch Newgarden ist nicht unbedingt begeistert davon: "Das hat mich nicht überrascht. Tim hat mich schon vorgewarnt, dass er versuchen würde, den Helden zu spielen. Ich denke, man sollte so etwas in dieser Situation im letzten Stint nicht mehr machen. Ich meine, was will man zu dem Zeitpunkt noch groß machen, wenn man wieder in der Führungsrunde ist?"

Newgarden hat sich mit Penske nicht ganz unerwartet, aber vielleicht unerwartet schnell zu einer Macht in der IndyCar-Serie entwickelt. Er warnt davor, diesen Weg als selbstverständlich anzusehen. "Von außen betrachtet mag es leicht sein, wenn man ins beste IndyCar-Team mit der größten Historie kommt", holt er aus. "So, wie die Meisterschaft heute funktioniert, ist es sehr schwierig. Man wird nicht jedem automatisch in den Hintern treten, wenn man ins beste Auto springt. Jede Strecke muss man individuell betrachten - egal in welchem Team." Das habe schon bei Ed Carpenter Racing gut funktioniert. Und bei Penske scheinbar nicht schlechter.

© Motorsport-Total.com

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