Josef Newgarden gewann das IndyCar-Rennen in Toronto mit Glück und Können
Josef Newgarden gewann das IndyCar-Rennen in Toronto mit Glück und Können © LAT

Josef Newgarden bringt sich mit seinem zweiten Saisonsieg in den Titelkampf ein. Castroneves greift bei Gelbphase ins Klo, Power und Dixon kollidieren.

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Die Regenwolken drohten das ganze Rennen über, doch am Ende blieb es komplett trocken. Sehr zur Freude von Josef Newgarden (Penske-Chevrolet), der sich mit einer "Lucky Yellow" seinen zweiten Saisonsieg vor Alexander Rossi (Andretti-Honda) holte. Pechvögel des Rennens waren Helio Castroneves, der in Führung liegend von einer Gelbphase gekniffen wurde, und Will Power (beide Penske-Chevrolet), der in der ersten Runde durch eine unglückliche Kollision mit Scott Dixon (Ganassi-Honda) ausschied.

Castroneves hatte sich beim Start im Exhibition Place mit einem bärenstarken Manöver aus der zweiten Reihe die Führung geholt und dabei gleichzeitig Polesetter Simon Pagenaud (Penske-Chevrolet) und Graham Rahal (RLL-Honda) überrascht. Doch nach 23 von 85 Runden stopfte Tony Kanaan seinen Ganassi-Honda in den Reifenstapel in Kurve 1. Die Gelbphase brachte Castroneves um alle Chancen, weil er noch nicht gestoppt hatte. Newgarden hatte Glück und war gerade drin, als Gelb geschaltet wurde. So kam er in Führung und musste nur noch das Rennen nach Hause fahren.

"Das ist schon das zweite Mal, dass ich zum richtigen Zeitpunkt in der Box war", kann es Newgarden nicht fassen und verweist auf seinen Sieg in Toronto im Jahre 2015 unter ähnlichen Umständen. Danke an Tim (Cindric) für den guten Call. Nach der Caution ging es nur noch darum, alles nach Hause zu bringen." In der Meisterschaft liegt er nur noch 23 Punkte hinter der Spitze zurück. Ob der Titel im Premierenjahr drin ist? "Das wird hart, diese starken Fahrer zu knacken", bleibt er auf dem Boden der Tatsachen. "Aber mit diesem Paket kann es ein spannender Kampf bis zum Ende werden."

Was Newgarden nach dem Restart zusätzlich entgegenkam, war die Tatsache, dass er beim Restart von den off sequence fahrenden Ed Jones (Coyne-Honda) und Charlie Kimball (Ganassi-Honda) abgeschirmt wurde, die auf alten Reifen das Feld rundenlang aufhielten. "Jetzt will ich nur für Penske auf einer Strecke zu gewinnen, wo ich noch nicht gewonnen habe", grinst der 26-Jährige. Sowohl in Toronto als auch in Birmingham, wo er seinen ersten Penske-Sieg landete, hatte er bereits Siege für das Team von Sarah Fisher und Ed Carpenter eingefahren.

Hinchcliffe beglückt heimische Fans

Als einziger Fahrer konnte Alexander Rossi (Andretti-Herta-Honda) schnell an beiden Bremsklötzen hinter Newgarden vorbei arbeiten. Damit lag er sicher auf Kurs zu seinem ersten Podiumsplatz in der IndyCar-Serie. "Es hat lange genug gedauert, dieses Podium zu erreichen", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot. "Ich kam nicht an James (Hinchcliffe) vorbei, deshalb bat ich, reinzukommen. Das hat sich ausgezahlt." Hinchcliffe hatte ihn im ersten Stint lange auf nachlassenden Reifen aufgehalten. Durch den Undercut kam er vorbei.

Der "Mayor of Hinchtown" holte als Dritter ein viel umjubeltes Podium bei seinem Heimrennen. Er profitierte ebenfalls von der Gelbphase, weil er im letzten Moment vorher reinkam. "Es war fast eine Kopie des vergangenen Jahres", lacht der Schmidt-Peterson-Pilot. "Ich hatte Probleme mit den weichen Reifen und mehr Übersteuern als jemals zuvor auf einem Stadtkurs. Auf den harten Reifen lief es dann besser. Wir kamen sogar an die Spitze heran. Wenn das Rennen noch länger gedauert hätte, wer weiß..."

Ebenfalls von der Gelbphase nach vorn gespült wurde Marco Andretti (Andretti-Honda), der als Vierter endlich sein erstes Top-5-Resultat in dieser Saison mitnehmen konnte. Pagenaud fuhr als bestes Gelbphasenopfer nach einem harten Kampf mit Ryan Hunter-Reay (Andretti-Honda) den fünften Platz nach Hause. Hinter "RHR" komplettierten Max Chilton (Ganassi-Honda), die unglücklichen Castroneves und Rahal sowie Dixon die Top 10.

Dixon und Power: Erzrivalen geraten aneinander

Letzterer war zu Beginn des Rennens in die wohl größte Kontroverse dieses zwölften IndyCar-Laufs der Saison 2017 verwickelt. Als das Feld in der ersten Runde die Spitzkehre am Ende der Gegengeraden anbremste, brach sein Honda nach links aus, als er Graham Rahal beinahe draufgefahren wäre. Neben ihm fuhr zu dieser Zeit allerdings bereits Will Power. Dessen Lenkung brach durch den Aufprall. Für den Australier waren Rennen und voraussichtlich Meisterschaft gelaufen.

Die unglückliche Situation, für die niemand wirklich verantwortlich zu machen ist, lässt den Meister von 2014 hadern: "Es hat mich total überrascht. Ich bin außen neben Scott gegangen und jemand war innen neben ihm. Dann ist er sehr plötzlich rübergezogen und ich bin in der Mauer gelandet. Das macht es jetzt sehr hart in der Meisterschaft. Einfach großes Pech." Er nimmt aber auch sich selbst in die Pflicht: "Man sollte niemals so viel Risiko in der ersten Runde gehen. Das ist es einfach nicht wert."

Dixon hatte wie so oft Glück im Unglück und konnte sich trotz Reparatur so gerade eben in der Führungsrunde halten, nachdem das Team die hintere Bremsbelüftung ausgetauscht hatte. Weil diese Reparatur eigentlich nicht in der Boxengasse vorgenommen werden darf, gab es eine Durchfahrtsstrafe obendrauf. Doch noch immer blieb der Ganassi-Honda #9 in der Führungsrunde. Weiteres Glück hatte Dixon dann durch die Gelbphase, wodurch er wieder ans Feld herankam.

Und schließlich hatte er nochmals Glück, dass seine Bremse bis zum Ende durchhielt, obwohl die neue Bremsbelüftung schon wenige Runden nach der Reparatur wieder abfiel. So betrieb Dixon vorbildliche Schadenbegrenzung und ist nach Platz zehn weiter im Meisterschaftsrennen. Der IndyCar-Titel 2017 wird unter Dixon, Castroneves, Pagenaud und jetzt auch Newgarden ausgemacht.

© Motorsport-Total.com

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