Esteban Gutierrez lernte vergangene Woche das Fahren im Oval
Esteban Gutierrez lernte vergangene Woche das Fahren im Oval © LAT

Nach seinem Testdebüt im Oval ist Esteban Gutierrez euphorisch: Vorfreude auf das Rennen in Iowa, Hoffnung auf IndyCar-Rückkehr nach Mexiko

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Kaum hatte Esteban Gutierrez in Elkhart Lake sein erstes "richtiges" IndyCar-Wochenende hinter sich gebracht (Detroit war ein Adhoc-Einsatz, Texas musste er auslassen), ging es für den ehemaligen Formel-1-Piloten mit dem Lernen gleich weiter.

Vergangene Woche testete der Mexikaner für Dale Coyne Racing auf dem Iowa Speedway, auf dem am kommenden Wochenende der elfte Lauf der IndyCar-Saison 2017 stattfindet. Es war seine erste Fahrt auf einer Ovalstrecke. Gutierrez ist begeistert.

"Das ist richtig spannend", jubelt der 25-Jährige bei 'Racer' nach seiner ersten Fahrt im nur 0,875 Meilen kurzen Oval nahe Newton. "Wenn ich Fahrern auf dem ganzen Erdball einen Rat geben kann: Versucht euch in einem Oval, denn das gibt euch etwas, was euch keine normale Rundstrecke vermitteln kann."

Gutierrez nahm gemeinsam mit den vier Andretti-Piloten, den beiden Carpenter-Chevrolets, beiden Schmidt-Peterson-Hondas, Graham Rahals RLL-Honda und seinem Teamkollegen Ed Jones an den Testfahrten teil. Wenig überraschend markierten die Chevrolets von ECR die besten Zeiten. Auf Kurzovalen gelten die Chevys als überlegen.

Zurück zu Gutierrez: Der Mexikaner wurde regelrecht überwältig von den Feinheiten, die das Fahren im Oval erfordert. "Ich bin überrascht, wie viel man vom Fahrzeug fühlt", so der Ersatz für Sebastien Bourdais.

"Man fühlt jedes Detail, jede noch so kleine Änderung. Man muss sehr präzise und feinfühlig fahren. Und man spürt die Bewegung des Fahrzeugs über einen langen Zeitraum hinweg. Deshalb sind die Informationen deutlich purer." Allerdings ist dies auf Kurzovale begrenzt, auf den meisten Superspeedways wird zwischen den Kurven wie auf einem Rundkurs geradeaus gefahren.

Große Abhängigkeit vom Auto

Ebenfalls neu für ihn war ein gewisses Gefühl der Ohnmacht, da man als Fahrer im Oval stark vom Material abhängig ist: "Das Auto muss alles für einen machen. Es muss einem alles geben. Man fährt selbst, aber das Auto muss einem die richtige Balance in der Kurve geben. Genau diesen Punkt zu erwischen ist sehr schwer, vor allem, wenn jede noch so kleine Änderung einen Unterschied ausmacht. In einem Oval arbeitet das Auto für einen. Das muss man mit dem bestmöglichen Set-up herstellen."

Aus diesem Grund ist die mentale Herausforderung für ihn auch die größere Challenge gewesen. "Das war schwieriger als gedacht", gibt er zu. "Man darf nicht aufhören und muss ständig die Konzentration halten. Es wird Zeit brauchen, sich darauf einzustellen. Deshalb werde ich geduldig sein. Ich bin es zunächst vorsichtig angegangen und dann immer schneller gefahren. Am Ende konnte ich komplett voll fahren."

Gutierrez hat Blut geleckt. Nach seiner eher enttäuschenden Zeit in der Formel 1 bei Sauber und Haas hofft er, dass seine Karriere in der IndyCar-Serie nun eine logische Fortsetzung erfährt.

Und auch IndyCar soll etwas davon haben, etwa eine Rückkehr nach Mexiko: "Mit meinem Einsatz bei den IndyCars hoffe ich, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Rennen auf mexikanischem Boden wieder steigt. Viele Mexikaner freuen sich, dass ich hier gelandet bin. Mexiko hat eine lange Geschichte im amerikanischen Motorsport und ich freue mich darauf, diese Geschichte fortzuschreiben."

Die ChampCar-Serie war in den frühen 2000er-Jahren in Monterrey und Mexiko City zu Gast, als sich dort mehrere Mexikaner tummelten. Mexiko verfügt mit dem Autodromo Hermanos Rodriguez über eine äußerst moderne Strecke und in Puebla über ein IndyCar-taugliches Oval.

© Motorsport-Total.com

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