F1 Grand Prix of Hungary
Sebastian Vettel vergrößerte den Vorsprung auf Hamilton auf 14 Punkte © Getty Images

München und Budapest - Sebastian Vettel triumphiert in Ungarn und erhöht den Druck auf Mercedes. Den Sieg verdankt er seinen eigenen Fähigkeiten - aber vor allem einem funktionierenden Team.

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Es war die lang ersehnte Befreiung für Sebastian Vettel.

Beim Großen Preis von Ungarn holte sich der Ferrari-Pilot den 46. Sieg seiner Formel-1-Karriere. Viel wichtiger aber ist Vettel, dass er in der Hitze des Hungarorings seine lange Durststrecke beenden konnte und nach zuletzt vier vergeblichen Anläufen endlich wieder ganz oben auf dem Podium stand.

Dabei bewies er bei anhaltend hohen Temperaturen von über 30 Grad nicht nur einen kühlen Kopf, sondern demonstrierte auch seine fahrerische Extraklasse.

Vettel kämpft mit der Lenkung

Über zwei Drittel der Distanz machte Vettel eine defekte Lenkung zu schaffen. Dennoch brachte der 30-Jährige seinen Vorsprung über die Ziellinie und baute damit seine WM-Führung vor Lewis Hamilton auf 14 Punkte aus. (DATENCENTER: Die WM-Wertung)

"Ich weiß nicht wieso, aber die Lenkung war seitlich nach links gekippt. Ich bin dann von den Randsteinen weggeblieben und wollte das Auto schonen", sagte Vettel über die zusätzliche Herausforderung: "Bei Rechtskurven war es okay, aber bei den Linkskurven musste ich sehr viel stärker einlenken." (Die Stimmen zum Großen Preis von Ungarn)

Es war eine Meisterleistung des viermaligen Champions, die jedoch nicht ohne die tatkräftige Unterstützung seines Teams möglich gewesen wäre.

Räikkönen sichert Doppelsieg

Dass Vettel vor allem seinem Stallgefährten Kimi Räikkönen viel zu verdanken hatte, war hinterher denn auch Vettel bewusst. Schon auf dem Siegerpodest herzte er den Finnen und bedankte sich: "Ich schulde Kimi einen großen Gefallen. Er hätte schneller fahren können, ich hatte aber nicht die Pace."

Tatsächlich hätte Vettel das Rennen vor den Toren Budapests wohl nur auf dem zweiten Platz beendet, wenn der "Iceman" hätte frei fahren können. Denn er war zwischenzeitlich schneller und machte das der Ferrari-Box per Funk auch klar.

"Ihr setzt mich grundlos unter großen Druck von den Mercedes", schimpfte er, als sein Vorsprung auf die Silberpfeile immer weiter schrumpfte und er dennoch hinter Vettel festhing. Auf dem Podium hörte sich das schon wieder etwas versöhnlicher an: "Um zu überholen, muss der Typ vor dir schon einen großen Fehler machen, sonst hast du es hier schwer. Besonders wenn es der Teamkollege ist."

Ferrari beschwört Teamgedanken

Überhaupt wurden Piloten und Verantwortliche der Scurderia nicht müde, den Teamgedanken zu beschwören. Das war schon am Samstag so, als Teamchef Maurizio Arrivabene den Beitrag von Testfahrer Antonio Giovinazzi würdigte.

Der war noch am Freitag nach dem Training von Ungarn zur Ferrari-Teststrecke nach Italien gereist, um dort am Simulator wichtige Erkenntnisse für das Qualifying und das Rennen zu gewinnen.

Das Wochenende auf dem Hungaroring zeigte nun deutlich, dass Ferrari sämtliche Ressourcen nutzt, um nach einer langen Durststrecke den Fahrertitel endlich wieder nach Maranello zu holen.

Da muss sich mit Räikkönen auch der Pilot Vettels Ambitionen unterordnen, der 2007 den bislang letzten WM-Titel für Ferrari eingefahren hat. Zumal er in dieser Saison mit 86 Punkten Rückstand auf den Deutschen ohnehin keine realistischen Chancen mehr auf Platz eins in der Gesamtwertung hat.

Silbernes Dilemma

Ganz anders sieht es bei Mercedes aus. Der Ungarn-GB warf ein Schlaglicht darauf, wie ausgeglichen der Wettkampf um die Nummer 1 im Team verläuft.

Da musste Hamilton kurz vor der Ziellinie noch den dritten Platz an Valtteri Bottas abgeben, weil dieser ihm einige Runden zuvor den gleichen Gefallen getan hatte.

Anschließend brüsteten sich die Bosse Niki Lauda und Toto Wolff zwar mit ihrem Fair-Play-Gedanken. Doch den Fahrertitel gewinnen die Silberpfeile so nicht. Im Gegensatz zur eindeutigen Hierarchie bei Ferrari beträgt der Punkteabstand zwischen Hamilton und Bottas gerade einmal 19 Punkte.

Das teaminterne Duell geht bei Mercedes also auch nach der Sommerpause weiter. Bei Ferrari ist es längst entschieden - zu Gunsten der großen Titel-Hoffnung Vettel.

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