Nico Hülkenberg ist kein Freund des Cockpitschutzes "Halo"
Nico Hülkenberg ist kein Freund des Cockpitschutzes "Halo" © SPORT1-Grafik Marc Tirl: Imago/SPORT1

Renault-Pilot Nico Hülkenberg zieht in seiner SPORT1-Kolumne ein Halbzeitfazit zur Formel-1-Saison und stellt den Cockpitschutz Halo in Frage.

Liebe Formel-1-Fans,

der Ausfall in Budapest ist natürlich ärgerlich, aber ich war mit unserer Pace an diesem Wochenende sehr zufrieden. Ungarn war definitiv ein guter Test und eine Bestätigung, dass die Updates in Silverstone uns einen großen Schritt nach vorne gebracht haben.

Kurz nach dem Start habe ich Romain Grosjean leicht touchiert. Es war keine Absicht, aber ich bin leicht gerutscht und konnte wenig machen. Wenn man wie Romain ganz außen in dritter Reihe in die erste Kurve fährt, geht man nun einmal volles Risiko und weiß, dass man etwas abbekommen kann.

Neun Runden vor Schluss wollte ich Magnussen überholen, als dieser mich auf die Wiese drängte. Er ist bekannt dafür, dass er immer etwas über dem Limit unterwegs ist, wenn es um das Verteidigen von Positionen geht. Ich bin auch für hartes Racing, aber irgendwo gibt es eine Grenze.

Es ist auch so schon sehr schwer, in Budapest zu überholen. Wenn dann der Kollege noch geschwind die Lenkung aufmacht und einen außen verhungern lässt, hat man keine Chance. Aber man sieht sich immer mehrmals in der Saison.

Kurz vor Rennende musste ich meinen Renault abstellen, weil wir ein bisschen Getriebeprobleme hatten. Es fing schon ein paar Runden vorher an, dass die Schaltvorgänge nicht mehr so rund liefen - und wir wollten dann nicht wieder einen Getriebewechsel riskieren.

Für die zweite Saisonhälfte bin ich positiv gestimmt. Wir haben das Auto deutlich verbessert und es kommen in den nächsten Monaten weitere Teile ans Auto. Ich glaube, dass wir vom Paket her ordentlich da stehen und in der zweiten Hälfte noch mehr Punkte sammeln können. Das muss auch das Ziel sein.

Bereits vor dem Wochenende in Ungarn wurde bekannt, dass 2018 der Cockpitschutz Halo eingeführt wird. Ich bin kein großer Freund davon, weil wir meiner Meinung nach keinen weiteren Kopfschutz benötigen.

Natürlich kann man das Sicherheitsargument dagegenstellen, aber muss die Formel 1 immer sicherer werden? Die Autos werden bereits an allen Ecken und Kanten sicherer gemacht. Man muss sich grundsätzlich die Frage stellen: Gehört im Motorsport nicht ein wenig Gefahr auch dazu? Ist es nicht ein Teil der Attraktion und des Reizes sowohl für Fahrer als auch für Fans?

Man muss die Formel 1 nicht komplett sterilisieren. Es darf ruhig ein bisschen Risiko mitfahren. Es steigt in dieser Saison auch keiner aus, weil wir ohne Halo fahren. Es gibt sicher Argumente für beide Seiten - aber am Ende des Tages ist es sowieso eine Entscheidung der FIA.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf die Sommerpause und melde mich nach dem Rennen in Spa wieder.

Auf bald!
Euer Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg fährt seit dieser Saison für das französische Werksteam Renault. In seiner SPORT1-Kolumne berichtet er seit Jahresbeginn nach jedem Rennen von der Königsklasse.

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