SPORT1 vergleicht Sebastian Vettel und Michael Schumacher © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - In seinem dritten Jahr bei Ferrari könnte Sebastian Vettel endlich in Michael Schumachers Fußstapfen treten. SPORT1 vergleicht die beiden Formel-1-Größen.

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Mit seinem sensationellen Sieg in Melbourne zum Auftakt der neuen Formel-1-Saison hat Sebastian Vettel allen Tifosi wieder Mut gemacht, dass Ferrari bereits 2017 den WM-Titel gewinnen kann.

Für Vettel ist es nach der verkorksten letzten Saison vielleicht sogar die letzte Chance bei den Italienern, doch noch in die Fußstapfen von Rekordweltmeister Michael Schumacher zu treten. Denn bei einer weiteren sieglosen Saison stünden die Zeichen wohl auf Abschied (DATENCENTER: Das Ergebnis aus Melbourne).

SPORT1 vergleicht die Wege der beiden besten deutschen Formel-1-Fahrer aller Zeiten zu Ferrari und wie sie das Team in die Erfolgsspur führten.

Ihre Zeit vor Ferrari: 

Michael Schumacher: Der Kerpener galt bereits vor seinem Wechsel zu Ferrari als außergewöhnlicher Fahrer und gewann 1994 und 1995 den WM-Titel mit Benetton. Dann folgte überraschend der Wechsel zur Scuderia, die seit 1990 nie mehr als ein Rennen pro Jahr gewinnen konnte und hinter Benetton und Williams nur die dritte Kraft war.

Bei Ferrari war der Druck auf Schumacher groß, denn die Fans warteten seit 1979 auf einen Titel in der Fahrer-WM. Gianni Agnelli, der Fiat- und Ferrari-Chef, wurde sogar mit den Worten zitiert: "Wenn Ferrari mit Michael Schumacher nicht Weltmeister wird, dann werden wir es nie mehr." 

Sebastian Vettel: Der Heppenheimer hatte zum Zeitpunkt seines Wechsels zu Ferrari bereits vier WM-Titel mit Red Bull gewonnen. Vettel wechselte allerdings nicht wie Schumacher als Weltmeister, sondern erst nach einem miserablen Jahr mit Red Bull. Dort hatte er am Saisonende nur fünf Punkte mehr als Ferraris Nummer eins Fernando Alonso.

Anders als Schumacher verließ Vettel also kein Weltmeister-Team, sondern einen Rennstall, der - zumindest in dieser Saison - mit Problemen zu kämpfen hatte. Das Risiko war für Vettel geringer, der Druck aber keineswegs: Alle Tifosi erwarteten, dass Vettel sie wie Schumacher damals zurück in die Erfolgsspur führen würde.

Ihre Anfangszeit bei Ferrari:

Schumacher: In der Saison 1996 war Ferrari noch Lichtjahre vom WM-Titel entfernt. Zwar schaffte es Schumacher, WM-Dritter zu werden und drei Siege zu holen - darunter ein Regenrennen in Barcelona mit 45 Sekunden Vorsprung - doch dem Weltmeister-Team Williams-Renault war man in allen Belangen klar unterlegen.

Allein Schumacher, der nach dem Tod von Ayrton Senna zweifelsohne der beste Fahrer war, hatte es Ferrari zu verdanken, nicht im grauen Mittelfeld zu landen. So wurde Schumachers Teamkollege Eddie Irvine mit elf Punkten nur WM-Zehnter.

Vettel: Ferrari ging als klarer Außenseiter im Vergleich zu Mercedes in Vettels erste Saison. Das Team übertraf jedoch alle Erwartungen: Mit glänzenden Leistungen fuhr Vettel wie Schumacher in seiner ersten Ferrari-Saison drei Saisonsiege ein.

Allerdings blendete das starke Abschneiden etwas, da der Rückstand von Ferrari auf Mercedes immer noch deutlich war und die Siege meist Reifenproblemen der Silberpfeile geschuldet waren. Bei Ferrari glaubte man damals, dass nur der Motor den Unterschied ausmachen würde - doch weitere Vorteile von Mercedes lagen im Chassis und der Aerodynamik.

Ihr Weg in die Erfolgsspur:

Schumacher: Teamchef Jean Todt und Schumacher wussten, dass ein guter Fahrer alleine keinen Titel gewinnen kann. Daher wirbelten sie das Team kräftig durcheinander. Die wohl wichtigste Verpflichtung nach der von Schumacher gelang Todt, als er Ross Brawn zu Ferrari holte. Mit dem Superhirn kam auch Formel-1-Designer Rory Byrne - mit beiden hatte Schumacher bereits bei Benetton seine WM-Titel gewonnen. 

Die Wechsel zahlten sich sofort aus und Schumacher verpasste sowohl 1997 als auch 1998 erst im letzten Rennen den WM-Titel. Im folgenden Jahr verhinderte wohl nur Schumachers Beinbruch nach dem Unfall in Silverstone den ersten WM-Titel für Ferrari. Nach fünf Jahren beendete Schumacher 2000 endlich Ferraris lange Durststrecke - und gewann danach fünf Titel in Folge. 

Vettel: Nach der überraschend starken Saison 2015 sah man sich bei Ferrari auf dem richtigen Weg. Präsident Sergio Marchionne forderte für 2016 sogar den WM-Titel – eine gewaltige Fehleinschätzung. Ferrari war nicht näher an Mercedes herangerückt, sondern hinter Red Bull nur noch die dritte Kraft.

Durch die klare Niederlage wurde allen klar, dass für 2017 radikale Änderungen nötig waren, wenn man Mercedes gefährlich werden will. Ferrari bewies endlich Mut und baute zum ersten Mal seit dem Ende der Schumacher-Ära kein konservatives, sondern ein innovatives Auto. Das zahlt sich offenbar aus, denn Vettel gewann den Saisonauftakt und könnte in seinem dritten Jahr nun sogar schneller den WM-Titel mit Ferrari gewinnen als Schumacher.

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