AUTO-AUS-PRIX-F1
Sebastian Vettel feiert mit seinem Sieg in Melbourne einen Traumeinstand in die Saison © Getty Images

München - Sebastian Vettel beendet mit seinem Sieg in Australien die Dominanz von Mercedes - und macht aus Ferrari einen ernst zu nehmenden Titelkandidaten.

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Die Zeiten der erdrückenden Mercedes-Dominanz in der Formel 1 sind vorbei.

Sebastian Vettel hat mit seinem überraschenden Triumph in Melbourne gezeigt, dass die Silberpfeile in diesem Jahr weitaus härter um Siege kämpfen müssen als in den vergangenen drei Jahren.

Der Große Preis von Australien bedeutete zwar erst den Beginn einer neuen Saison, lieferte aber schon einige Hinweise darauf, wie sich die Machtverhältnisse in diesem Jahr verschieben könnten (STIMMEN: Wolff erklärt Mercedes-Patzer).

SPORT1 fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen (DATENCENTER: Das Ergebnis aus Melbourne).

- Ferrari ist wieder siegfähig

553 Tage - so lange musste die stolze Scuderia auf einen Sieg in der Formel 1 warten. 2016 gelang den Italienern nicht ein einziger Erfolg. Man muss diese Zahlen im Kopf haben, um zu verstehen, warum Vettel und seine Mechaniker so ausgiebig und emotional diesen Sieg in Down Under bejubelt haben.

Für jeden Einzelnen bedeutete dieser Triumph der Lohn vieler Mühen. "Es ist unglaublich. Das haben wir gebraucht", sagte Vettel erleichtert.

Zweifellos gehört Ferrari zu den Nutznießern des neuen Aerodynamik-Reglements. Doch auch diese "Vorlage" muss man erst einmal nutzen.

Wohl wissend, dass sich eine Katastrophen-Saison wie 2016 nicht wiederholen darf, wurde in der Fabrik in Maranello über den Winter Tag und Nacht geschraubt, getüftelt und getestet.

Das Ergebnis: Ferrari kann wieder Rennen gewinnen.

- Vettel macht den Unterschied

Dass Ferrari im Rennen den Silberpfeilen wieder auf Augenhöhe begegnet, liegt vor allem an Vettel. Denn ohne die fahrerische Klasse des viermaligen Weltmeisters hätten die Roten auch in Melbourne gegenüber Mercedes den Kürzeren gezogen.

Vettel war nicht nur im Qualifying knapp sechs Zehntelsekunden schneller als Kimi Räikkönen, er stellte seinen Teamkollegen auch im Rennen klar in den Schatten. Über 22 Sekunden nach dem Sieger rollte der "Iceman" im zweiten Ferrari über die Ziellinie.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff fand die richtigen Worte, als er sagte: "Sebastian hat einen grandiosen Job gemacht, man sieht es auch an seinem Vorsprung vor seinem Teamkollegen." 

- Reifenmanagement immer wichtiger

Drei Jahre lang war der entscheidende Faktor in der Formel 1 der Motor - und genauso lange profitierten die Silberpfeile davon, dass sie sich mit Abstand am besten auf die neue Generation der Hybrid-Aggregate vorbereitet haben.

Da nun aber mit den Regeländerungen wieder mehr Wert auf eine ausgefeilte Aerodynamik gelegt wird, verliert der Motorenvorteil von Mercedes an Gewicht.

Dass Hamilton schon früh im Rennen über fehlenden Grip klagte und bereits in der 17. Runde zum Reifenwechsel musste, bedeutete nicht nur die Vorentscheidung in Melbourne.

Es dürfte auch der Anlass dafür sein, dass bei Mercedes in den kommenden Tagen und Wochen die Köpfe rauchen werden.

- Titelkampf wird so spannend wie lange nicht mehr

Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass sich Piloten zweier Rennställe zuletzt einen Titelkampf bis zum letzten Rennen lieferten. 2012 hatte Vettel - damals noch im Red Bull - am Ende nur drei Punkte Vorsprung auf seinen Ferrari-Rivalen Fernando Alonso.

2017 könnte es zu einem ähnlich dramatischen Fight um die WM-Krone kommen. Denn im Gegensatz zu Red Bull 2014 ist das Potenzial der Silberpfeile auch unter den veränderten Vorzeichen so groß, dass sie bis zum Schluss um den Titel kämpfen werden.

- Red Bull wird nachlegen

Daniel Ricciardo hatte sich für sein Heimspiel so viel vorgenommen. Doch es endete mit einer herben Enttäuschung. Nachdem die Red-Bull-Mechaniker erst kurz vor dem Start ein Sensorproblem lösen konnten, musste der Australier in der 25. Runde den Grand Prix wegen eines Motorschadens dann doch beenden.

Das Ergebnis von Max Verstappen, der Fünfter wurde, sorgt aber für berechtigte Hoffnung bei den Roten Bullen.

"Verstappen war vom Speed sehr gut", sagte Motorsportberater Helmut Marko bei Sky und kündigte an: "Beim Chassis werden wir bald da sein, wo wir sein wollen, etwa in den nächsten zwei Rennen." 

Die Hoffnung bei Red Bull hat einen Namen: Adrian Newey. Der Designer von Vettels Weltmeister-Autos wird sich dank der neuen aerodynamischen Freiheiten wieder mehr um das Chassis kümmern. Die Frage wird sein, wie schnell man mit Hilfe von Renault das Motorenproblem in den Griff bekommt.

- Melbourne mit begrenzter Aussagekraft

Der Kurs im Albert Park bietet zwar viele Vollgas-Passagen, ist aber als Stadtkurs nicht vergleichbar mit den meisten anderen Strecken.

Insofern eignet sich der Kurs nicht unbedingt als Referenzstrecke. Präzisere Vorhersagen über den weiteren Saisonverlauf sind erst in zwei Wochen nach dem Rennen in Schanghai möglich.

Ferrari sollte man allerdings auch in China auf dem Zettel haben.

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