Rennlegende Hans-Joachim Stuck traut Sebastian Vettel undd Ferrari mehr zu als die Kritiker © SPORT1-Grafik: dpa picture alliance/ Getty Images

München - Die Formel 1 wartet 2017 mit vielen nicht nur optischen Veränderungen auf. Wer kommt damit am besten klar? SPORT1 macht mit Hans-Joachim Stuck den Check.

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Bald geht es wieder los.

Die Testfahrten sind in vollem Gange, die Teams bereiten sich auf die am 26. März beginnende Formel-1-Saison vor. Während einige Rennställe wie Red Bull mit Problemen zu kämpfen haben, sorgten bislang vor allem Mercedes und Ferrari mit Tagesbestzeiten für positive Schlagzeilen.

Neben den sportlichen Vergleichen liefern auch die neuen Designs reichlich Gesprächsstoff. SPORT1 und Motorsport-Koryphäe Hans-Joachim "Strietzel" Stuck analysieren die wichtigsten Aspekte der ersten Testtage in Barcelona.

- Das ist neu an den Boliden

Unterschiedlich geformte Heckflossen, zum Teil farbenfrohe Designs und neue Feinheiten, was die Aerodynamik angeht: Die Boliden der Königsklasse warten wie gewohnt mit einigen optischen Veränderungen auf.

Das meint Stuck: "Ich finde es gut, dass die Autos wieder spektakulärer aussehen. Einfach mehr, wie man sich so ein richtiges Formel-1-Auto vorstellt. Die breiten Reifen tun auf jeden Fall gut."

Stuck sieht jedoch weiteren Verbesserungsbedarf: "Ich empfehle einen einheitlichen Heck- und Frontflügel und dann sehen die auch cool aus. Damit kann man erstens einen Haufen Geld sparen und zweitens rückt das Feld dann vielleicht etwas näher zusammen."

- Das verändert sich für die Fahrer

Die Leistung der Wagen hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr erhöht. Das bringt auch Umstellungen für die Piloten mit sich.

Stuck: "Ich glaube, dass die Formel-1-Autos mit mehr Leistung und höherer Höchstgeschwindigkeit den Fahrer etwas mehr in den Vordergrund stellen. Als Fahrer musst du dir jetzt mehr überlegen, wenn du auf das Gaspedal steigst. Das macht die Formel 1 sicher wieder spannender."

Die Piloten selbst äußerten sich jedenfalls überwiegend positiv zum Fahrgefühl der neuen Boliden. Insbesondere der erhöhte Abtrieb findet Gefallen.

- So ist die Lage bei Mercedes

Am ersten Testtag brannte Lewis Hamilton gleich mal die schnellste Runde in den Asphalt, tags darauf mussten die Silberpfeile nur Kimi Räikkönen den Vortritt lassen. Mercedes ist offenbar schon gut in Schwung.

Es wird erwartet, dass der deutsche Rennstall auch in der kommenden Saison nur schwer zu schlagen sein wird, obwohl der Weltmeister ersetzt werden muss.

Stuck meint zum Umgang mit Rosbergs Rücktritt: "Kompliment an Mercedes, die wurden wirklich ins kalte Wasser geschmissen - als die Verträge eigentlich schon alle gemacht waren. Das hat die Führung um Toto Wolff vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Wenn man auch sieht, dass man einen Felipe Massa (jetzt doch weiter bei Williams, Anm. d. Red.) zurückholen und einen Bottas loseisen musste – da muss man ein Kompliment aussprechen."

Mercedes Formula One Team Launch 2017 Car
Lewis Hamiltons neuer Silberpfeil für 2017 © Getty Images

- So sieht es bei Ferrari aus

Die Scuderia steckt seit Jahren in der Krise, die Sehnsucht nach dem Titel ist groß. Doch die Roten werden auf Grund der verschlafenen Entwicklung bei der Wunder-Aufhängung von vielen Experten abgeschrieben.

Formel-1-Legende Alain Prost etwa sagt: "Wenn sich die Regeln und Autos drastisch geändert haben, gehörte Ferrari bisher fast nie zu den Spitzenreitern. Deshalb glaube ich auch nicht, dass die Ferrari-Piloten in diesem Jahr die Chance auf den Titel haben."

Stuck malt nicht ganz so schwarz: "Das wird man dann in Melbourne sehen. Es gab auch ein paar Testergebnisse, die waren nicht so schlecht. Verschlafen würde ich daher nicht sagen."

Die ersten Testeindrücke widerlegen die Befürchtungen von Prost. Sebastian Vettel und Räikkönen halten mit den Schnellsten mit. Der viermalige Weltmeister aus Deutschland sieht sein Team "weiter, als viele denken".

- Prognose für den Saisonstart

Die ersten Tests haben gezeigt, dass mit den Topteams Mercedes und Ferrari auf alle Fälle zu rechnen ist. Was das für das erste Rennen in Australien bedeutet, wagt Stuck nicht zu sagen: "Das steht in den Sternen. Bei den Testfahrten wird auch viel experimentiert. Für mich ist der erste richtige Showdown das Qualifying in Melbourne."

Während Red Bull für Stuck zum Kreis der Favoriten gehört, sieht er ein anderes Team unter Druck: "McLaren kommt jetzt sicher in Zugzwang, da muss jetzt was gehen."

- Auf welche Fahrer gilt es zu achten?

Das Fahrer-Karussell war im Winter kräftig in Bewegung. Wichtigste Personalie ist natürlich Valtteri Bottas, der Nico Rosberg bei den Silberpfeilen ersetzt. Zudem geht Nico Hülkenberg nun im Renault auf Punktejagd. Pascal Wehrlein hat bei Sauber angeheuert.

Stuck: "Ich finde es klasse, dass Nico Hülkenberg einen fahrbaren Untersatz hat, denn dem traue ich in diesem Jahr sehr viel zu. Ich bin auch gespannt auf die Leistung von Bottas, das ist auch ein schneller Bursche. Dann hoffe ich auch, dass der Rücken von Pascal Wehrlein hält."

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