'Sportler Des Jahres' Award 2016
Fabian Hambüchen wurde zum zweiten Mal nach 2007 zum Sportler des Jahres gewählt © Getty Images

Baden-Baden - Fabian Hambüchen erlebt bei der Wahl zum Sportler des Jahres einen "höchst emotionalen" Moment. Das Loslassen fällt ihm schwer - und so denkt er an die Heim-WM.

Je länger die Standing Ovations für Fabian Hambüchen andauerten, je lauter der Applaus wurde, desto feuchter wurden die Augen des gerade gekürten Sportlers des Jahres.

Es war für den Turner ein "höchst emotionaler" Moment im noblen Kurhaus von Baden-Baden, wo 750 geladene Gäste am Sonntag Deutschlands beste Athleten feierten. "Wahnsinn. Es berührt mich sehr", sagte Hambüchen.

Es war auch ein Moment, in dem er sich wohl fragte, ob er das alles wirklich schon hinter sich lassen kann. Ob er endgültig einen Schlussstrich zieht unter eine lange Laufbahn, die ihren Höhepunkt im Olympiasieg im Sommer fand.

Gedanken an die Heim-WM

Und so schlug er auch diesmal die Hintertür nicht zu, die er sich seit dem Triumph am Reck von Rio einen Spalt breit offen gelassen hatte.

Vermutlich sei es das gewesen mit seiner internationalen Karriere, sagte Hambüchen in seiner Dankesrede etwas vage.

In der Bundesliga ist er schließlich weiter am Start, und offenbar trägt er sich trotz seiner lädierten Schulter zumindest leicht mit dem Gedanken, es noch einmal auf der ganz großen Bühne zu versuchen.

"2019 lockt die WM in Stuttgart natürlich sehr. Das wäre zwölf Jahre nach meinem WM-Titel grundsätzlich eine schöne Vorstellung", erklärte Hambüchen später: "Ich bleibe aber erst mal auf dem Boden."

Kampf gegen den Verschleiß

Stuttgart richtet vom 4. bis 13. Oktober 2019 zum dritten Mal die Titelkämpfe aus, nach 1989 und 2007, als Hambüchen sein bislang einziges WM-Gold am Reck holte - und zum ersten Mal Sportler des Jahres wurde. So würde sich mit einem weiteren, allerletzten WM-Start ein Kreis schließen.

Doch ob der Körper so lange mitmacht, ist mehr als fraglich. Jahrzehnte des Leistungssports haben ihre Spuren hinterlassen, gerade angesichts der gewachsenen Belastung in seiner Sportart, die Hambüchen immer wieder anführt.

Schon sein Start in Rio stand auf der Kippe, der Sehnenapparat des gerade beim Reckturnen stark beanspruchten Schultergelenks gleicht einer Großbaustelle.

War's das nun also tatsächlich mit der internationalen Karriere des Fabian Hambüchen? Volle Konzentration auf das Sportstudium und die Karriere nach der Karriere? So ganz will er es offensichtlich nicht wahrhaben.

"Ich werde vermissen, auf der internationalen Bühne zu stehen", sagte Hambüchen jüngst im Interview mit der FAZ: "So viel Stress und Druck es auch immer war, im Nachhinein ist es das, wofür ich bisher gelebt habe, was am meisten Bock gemacht hat."

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