Thomas Röhler gilt als deutsche Gold-Hoffnung bei der Leichtathletik-WM in London
Thomas Röhler gilt als deutsche Gold-Hoffnung bei der Leichtathletik-WM in London © Getty Images

Ausgerechnet im Teamhotel der deutschen Athleten bei der Leichtathletik-WM bricht ein Magen-Darm-Virus aus. Die deutschen Goldhoffnungen wechseln deshalb das Hotel.

Bei der Leichtathletik-WM (ab 20.05 Uhr im LIVETICKER) in London ist der Norovirus ausgebrochen und hat die Teams in Aufruhr versetzt. Mindestens 30 Athleten und Betreuer haben mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen, zwei Fälle von Norovirus wurden von offizieller Seite bestätigt.

Die Betroffenen leiden unter heftigem Erbrechen und Durchfall, nach einem Krisentreffen mit dem Weltverband IAAF arbeiten die WM-Macher und die britischen Behörden mit Hochdruck an einer Lösung des Problems, "um die Kontrolle über die Infektionen zu bekommen und die Ausbreitung der Krankheit einzugrenzen", teilte die Gesundheitsbehörde PHE mit.

Zentrum der Erkrankung ist ausgerechnet das deutsche Teamhotel "The Tower" mitten in London zwischen den St. Katharine Docks und der Touristenattraktion Tower Bridge. Doch die DLV-Delegation kam bisher relativ glimpflich davon. Präsident Clemens Prokop gab - Stand jetzt - erst einmal Entwarnung. "Ich habe den Eindruck, dass man das Problem in den Griff bekommen hat", sagte er.

Auch deutsche Sportler betroffen

Im deutschen Team hat es mehr Probleme mit Magen-Darm-Erkrankungen gegeben als bisher bekannt. Es gebe "13 Verdachtsfälle auf Norovirus" in der Delegation, sagte Andrew Lichtenthal, leitender Verbandsarzt des DLV. Ein Athlet oder eine Athletin habe deswegen bisher auf einen Start verzichten müssen. Wegen der ärztlichen Schweigepflicht nannte Lichtenthal den Namen nicht.

Aktuell weisen noch "zwei Athleten und ein Betreuer" Symptome wie Erbrechen oder Durchfall auf, sagte Lichtenthal. Sie befinden sich wegen der hohen Ansteckungsgefahr noch in Isolation. Beide Sportler haben in London Wettkämpfe vor sich.

"Wir wissen nicht, ob wir beide an den Start bringen können", sagte Lichtenthal und bezeichnete die Chancen auf "50:50". Die Starts liegen zeitlich später als der Ablauf der angeordneten 48 Stunden andauernden Quarantäne. Alle Athleten-Hotels seien von den Problemen betroffen.

"Das ist sicher keine normale Meisterschaft", sagte Idriss Gonschinska, Leitender Direktor Sport im DLV: "Die Vorbereitungsmechanismen haben sich verändert. Man muss sich überlegen, ob man überhaupt noch trainiert - weil es da ja Kontakte gibt." Derzeit findet Physiotherapie für die Athleten nur sehr eingeschränkt statt, andere "ärztliche Maßnahmen nur im Notfall", sagte Lichtenthal. 

Die deutschen Speerwerfer um Olympiasieger Thomas Röhler wurden vorsichtshalber aber trotzdem in einem anderen Hotel untergebracht.

Strenge Maßnahmen

Zudem wurden die deutschen Athleten angewiesen, als Vorsichtsmaßnahme verstärkt Desinfektionsmittel zu benutzen, sich regelmäßig die Hände zu waschen, überschwängliche Umarmungen, Handshakes sowie offen liegendes Obst zu meiden. Im Hotel gibt es auch kein Essen mehr am Buffet, neben der deutschen Mannschaft sind dort auch zahlreiche andere Nationen untergebracht.

Tragisch waren die Folgen der Erkrankung für Top-Sprinter Isaac Makwala. Der schnelle Mann aus Botswana galt als Medaillenkandidat über die 200 und 400 m. Doch die IAAF verweigerte Makwala bereits am Montag den Start bei den Vorläufen über 200 m und setzte ihn wegen der Ansteckungsgefahr unter Quarantäne.

Makwala fuhr am Dienstagabend trotzdem zum Finale über 400 m zum Stadion und war bereit, Titelverteidiger Wayde van Niekerk herauszufordern. Doch die Offiziellen ließen ihn nicht rennen.

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