Thomas Röhler tritt bei der Leichtathletik-WM im Speerwurf an
Thomas Röhlers härtester Konkurrent kommt aus dem eigenen Team © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - Speerwerfer Thomas Röhler ist einer der Gold-Favoriten bei der WM in London. Im Interview spricht er bei SPORT1 über die viel kritisierte Sportförderung und eine magische Marke.

von Marvin Tischler

Thomas Röhler ist als Olympiasieger und Weltranglisten-Zweiter im Speerwurf eine der großen deutschen Medaillenhoffnungen bei der Leichtathletik-WM 2017 in London.

Am Donnerstag beginnt der 25-Jährige um 21.35 Uhr mit der Qualifikation seine Mission Gold, am Samstag steigt das Finale (beides im LIVETICKER).

Im Interview mit SPORT1 spricht Röhler über seine Ambitionen in London, ein ungewöhnliches Projekt, um den Speerwurf zu promoten - und seinen Traum von den 100 Metern. Außerdem erklärt er, wie das Verhältnis zu seinem großen Konkurrenten Johannes Vetter aussieht.

SPORT1: Herr Röhler, wie lief Ihre Vorbereitung für London und was sind ihre Ziele für die WM?

Thomas Röhler: Die Vorbereitung lief super. Ich habe viele Wettkämpfe auf hochklassigem Niveau bestritten. Weltmeisterschaften sind dann eine andere Nummer, das Highlight der Saison. Das Ziel ist ganz klar eine Medaille, im besten Fall natürlich die Goldmedaille. 

SPORT1: Hürdensprinter Matthias Bühler hatte zuletzt Kritik an der Sportförderung geäußert. Sind Sie als Olympiasieger abgesichert?

Röhler: Als Sportler einer olympischen Sportart lebt man immer mit einer großen Planungsunsicherheit. Wenn sportlicher Erfolg da ist, dann kann man von Absicherung sprechen. Man muss aber viel Zeit in Sponsoringtermine und Gespräche investieren, um das zu schaffen. Andererseits sehe ich vor allem den Nachwuchsbereich, den Anschlussbereich als extrem förderungswürdig. Meistens ist es elternfinanziert und nur ganz ganz wenige schaffen es in den olympischen Sportarten, den Sport im Endeffekt Beruf nennen zu können, selbst wenn sie in der Top 10 der Welt unterwegs sind. Persönlich muss ich sagen, man sollte erst mit sportlicher Leistung glänzen, bevor man große Kritik äußert. Auf alle Fälle steht die Sportförderung aktuell mächtig in der Kritik. Diese Kritik teile ich auch, aber das sollte schon alles leistungsbasiert sein.

Thomas Röhler tritt bei der Leichtathletik-WM 2017 in London im Speerwurf an
Thomas Röhler hält einen Wurf über 100 Meter für möglich © Sascha Fromm

SPORT1: Sie engagieren sich selbst dabei, ihren Sport populärer zu machen, haben dazu auch ein eigenes Video produziert. Was war ihre Intention hinter dem Video "New Unlimited"?

Röhler: Kickstarter war die EM 2018, die einen triggernden Social-Media-Beitrag gemacht hat, wo Athleten gefragt wurden, in wie weit es ihnen gefallen würde, wenn die deutschen Speerwerfer ihre Körper mehr präsentieren. Da mussten wir reagieren und die Jungs waren auch sofort begeistert. Wir wollten Fragen aufwerfen, deswegen haben wir auch nur den kurzen Begriff "New Unlimited" gewählt. Wir wollten neue Fans für die Sportart gewinnen und Aufmerksamkeit erregen. Das Gesamtpaket hat bis zum heutigen Tag sehr gut funktioniert.

SPORT1: Die deutschen Speerwerfer sind zuletzt durch enorme Weiten aufgefallen, die 100-Meter-Grenze rückt näher. Ist diese Marke mit dem Speer möglich?

Röhler: Die ist physikalisch möglich, also ist sie eines Tages auch menschlich möglich. Es wird natürlich mit jedem Meter über die 93 oder 94 Meter immer schwieriger, das ist logisch. Aber wenn wir die 95 und auch die 100 Meter angreifen wollen, dann sollte es so weiter gehen.

SPORT1: Wie ist das Verhältnis zu Ihrem großen Konkurrenten Johannes Vetter?

Röhler: Das ist ein sehr gutes Verhältnis. Wir sind sehr faire Gegner, wenn wir auf der Bahn sind, aber sind außerhalb der Bahn auch befreundet. Das Duell Johannes gegen Thomas hat im Endeffekt dazu geführt, dass wir beide historische Leistungen erzielt haben und die auch in Zukunft weiter erzielen wollen. Speerwerfen funktioniert so, dass wir keinen Einfluss auf den Gegner nehmen können. Jeder steht sechs Mal allein am Anlauf und hat sechs Mal allein die Chance sein Bestes zu geben. Und wer an dem Tag der Beste war, das wird einfach akzeptiert.

SPORT1: Sie haben sich zur Wahl der Athletenvertretung der IAAF (Internationaler Leichtathletik Verband) aufstellen lassen. Was wollen Sie damit verändern?

Röhler: Wir müssen natürlich erst abwarten, wie die Wahl läuft. Aber Ziel ist es, unsere Ideen, die über unsere Erfahrungen die wir mit dem Speerwurf in Deutschland gesammelt haben, auf die internationale Ebene zu übertragen. Die Leichtathletik befindet sich in einer Umbruchphase. An vielen Stellen würde ich mir die Modernität, die wir im Speerwurf vormachen an anderer Stelle auch wünschen.

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