Athletics - Olympics: Day 10
Matthias Bühler nimmt kein Blatt vor den Mund © Getty Images

Hürdensprinter Matthias Bühler begründet seine Kritik an der deutschen Sportförderung und zieht ein düsteres Fazit, sollte sich am System nichts ändern.

Hürden-Sprinter Matthias Bühler hat seine Kritik an der deutschen Sportförderung gerechtfertigt.

Nach seinem Halbfinal-Aus bei der WM in London hatte der 29-Jährige im ZDF-Interview zum Rundumschlag gegen das deutsche Sportsystem ausgeholt. In der Süddeutschen Zeitung erneuerte er seine Vorwürfe nun.

"Wenn ich die finanzielle Hilfe meiner Eltern nicht hätte, müsste ich sofort mit dem Sport aufhören", beklagte sich der siebenmalige deutsche Meister.

Schichtdienst statt Training

Wieder kritisierte Bühler die unprofessionellen Bedingungen in seiner Heimat. Einzig über den Umweg der Bundeswehr sei die staatliche Förderung einigermaßen ausreichend.

Aber auch diese Lösung sei nicht optimal: "Du gehst Jahr für Jahr mit Trainingsrückstand in die Saison, die Weltspitze trainiert da schon längst unter Topbedingungen, während die Deutschen durch Schlamm kriechen oder am Bahnhof rumstehen müssen, Schichtdienst haben, morgens um sieben."

15.000 bis 20.000 Euro pro Jahr

Er selbst habe sich deswegen entschieden, seinen Trainingsmittelpunkt in die USA zu verlegen. Dieser Umzug sei aber mit hohen Kosten verbunden, die durch die Sportförderung nicht ansatzweise gedeckt werden könnten: "Ich mache Verluste. Ich habe durch Amerika hohe Kosten, etwa 30.000 Euro im Jahr." Insgesamt könne er durch Zuschüsse seines Vereins, die Sporthilfe und Prämien aber nur 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr verdienen.

Bühlers düsteres Fazit: "Wenn man das System so weiterbetreibt, werden die Sportler irgendwann abspringen. Und dann geht die Leichtathletik völlig zu Grunde."

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