400m-Läufer Isaac Makwala aus Botswana setzte eine Infektionskrankheit außer Gefecht
Isaac Makwala aus Botswana galt als Medaillenkandidat über 400 Meter © Getty Images

München und London - Mitfavorit Isaac Makwala reagiert verärgert auf die Verweigerung der Teilnahme am 400-Meter-Finale wegen angeblicher Krankheit. Er kritisiert den Weltverband scharf.

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Medaillenkandidat Isaac Makwala ist wenige Stunden vor dem Finale über 400 m bei der Leichtathletik-WM in London unter mysteriösen Umständen der Zutritt zum Stadion und die Teilnahme am Rennen untersagt worden.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF teilte mit, dass der Sprinter aus Botswana wegen hoch ansteckender Magen-Darm-Problemen nicht antreten könne. Er habe Symptome des Norovirus gezeigt, hieß es.

Der Läufer erhob nun schwere Vorwürfe gegen den Verband. "Das ist nicht fair. Ich glaube fast, das ist Sabotage", sagte Makwala dem Sender ITV. 

"Es bricht mir das Herz"

Trotz der verhängten Quarantäne war er zum Stadion gefahren, er fühlte sich gut, wollte unbedingt laufen. "Ich frage mich, was passiert wäre, wenn ich ein britischer Athlet gewesen wäre. Hätten sie mir dann auch nicht erlaubt zu laufen?", fragte Makwala, der am Montag schon die Vorläufe über 200 Meter erpasst hatte: "Es bricht mir das Herz."

Auch ein Sprecher des Landesverbandes aus Botswana hatte kein Verständnis für die Entscheidung. "Ich habe mich heute Morgen und heute Nachmittag mit Isaac getroffen und er war bereit für sein Rennen", betonte Falcon Sedimo in der BBC.

Er bestätigte, dass Makwala zurück zum Hotel gebracht worden sei, beklagte aber zugleich, dass es keinerlei offizielle Kommunikation vonseiten der IAAF gegeben habe.

Sollte Makwala ein Gesundheitsrisiko für seine direkte Umgebung darstellen, hätte er Verständnis für die Maßnahmen: "Aber er ist im Hotel mit vielen anderen Athleten und Offiziellen aus der ganzen Welt - und es wurde nicht kommuniziert, dass er von anderen Sportlern ferngehalten oder unter Quarantäne gestellt werden soll."

Makwala darf nicht ins Stadion

Lediglich der Zutritt zum Stadion sei Makwala verwehrt worden - wie auch schon am Montagabend, als dieser nicht zu seinem Vorlauf über 200 m angetreten war.

Auch das nicht freiwillig, wie Sedimo erklärte: "Gestern Abend hatte er schon mit dem Warmmachen angefangen. Er war am Stadion und war im Aufwärmbereich. Er war bereit, aber ihm wurde gesagt, dass er nicht antreten dürfe."

Simon O'Brien aus dem medizinischen Stab des Teams aus Botswana ließ in der BBC eine E-Mail von der IAAF verlesen, in der es hieß, dass Makwala am Montagabend von einem Arzt untersucht wurde, woraufhin eine 48-stündige Wettkampfsperre verhängt worden sei.

Das Ergebnis der Untersuchung sei im offiziellen medizinischen Bericht festgehalten worden.

Teamarzt klagt über Verwirrung

O'Brien beklagte jedoch, dass kein Teamarzt bei der Untersuchung dabei gewesen sei. Makwala habe ihm berichtet, er habe eine halbe Stunde lang in einem Zelt auf eine Untersuchung gewartet, ohne dass jemand zu ihm gekommen sei.

Zudem sei die E-Mail von der IAAF erst am Dienstagabend bei den Offiziellen Botswanas eingegangen, wie O'Brien erklärte.

Augenscheinlich gebe es Verwirrung um den Zustand des Athleten: "Der IAAF-Report besagt, dass Isaac dem Doktor gesagt habe, dass er sich am Vorabend um 22 Uhr übergeben habe. Als wir ihn danach gefragt haben, sagte er uns, dass er dies zu keinem Zeitpunkt gegenüber dem Arzt erklärt habe", betonte O'Brien.

Laut Sedimo habe es im Laufe des Dienstags "keine weiteren medizinischen Untersuchungen" gegeben, um den genauen Gesundheitszustand Makwalas zu ermitteln.

Makwala mit Medaillenchancen über 400 m

Mit einer Jahresbestzeit von 43,84 Sekunden hätte Makwala über 400 m gute Medaillenchancen gehabt, von seinen Finalkontrahenten waren 2017 nur der US-Amerikaner Fred Kerley (43,70) und Wayde van Niekerk (43,62) aus Südafrika, der am Dienstagabend in Makwalas Abwesenheit seinen WM-Titel von Peking 2015 erfolgreich verteidigte, schneller.

"Er hat jahrelang darauf gewartet, hier anzutreten", klagte Verbandssprecher Sedimo und kündigte an: "Ich bin die Regeln noch nicht genau durchgegangen, aber wir haben auf jeden Fall das Recht, Einspruch einzulegen."

Mehrere Teams meldeten in London zuletzt Magen-Darm-Erkrankungen - auch die deutsche Delegation.

"Wir haben daraufhin zusammen mit der medizinischen Kommission der IAAF Gespräche geführt, und die Hygienestandards im Hotel wurden kurzfristig deutlich erhöht", hatte Andrew Lichtenthal, leitender Verbandsarzt des DLV, gesagt.

Zudem wurden die deutschen Athleten angewiesen, als Vorsichtsmaßnahme verstärkt Desinfektionsmittel zu benutzen, sich regelmäßig die Hände zu waschen, überschwängliche Umarmungen, Handshakes sowie offen liegendes Obst zu meiden.

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