German Championships In Athletics - Day 2
Sprinterin Lisa Mayer geht bei der Leichtathletik-WM in London an den Start © Getty Images

Frankfurt am Main - Deutschlands Sprinterin Lisa Mayer spricht vor dem Beginn der Leichtathletik-WM in London über die Medaillenaussichten und erklärt, warum die Staffel oberste Priorität hat.

Am 5. August beginnt die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London.

Mit dem deutschen WM-Kader reist auch Sprinterin Lisa Mayer in die britische Hauptstadt, um dort um Medaillen zu kämpfen. Die 21-Jährige geht über 100 m, 200 m und mit der Staffel an den Start, mit der sie zuletzt bei den Staffel-Weltmeisterschaften auf den Bahamas Gold gewann.

Im Sporthilfe-Interview spricht Mayer über den Traum von einer WM-Medaille, erklärt, wie sie der Zweikampf der Speerwurf-Kollegen Thomas Röhler und Johannes Vetter motiviert, und spricht über die Vorfreude auf die Heim-EM im kommenden Jahr in Berlin.

Frage: Die Leichtathletik-WM steht vor der Tür. Nach Ihrer Verletzung bei der Deutschen Meisterschaft lautet die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen?

Lisa Mayer: Eigentlich ganz gut. Ich hatte in den letzten Wochen leider ein paar Probleme, musste viele Wettkämpfe absagen. Aber das medizinische Team hat tolle Arbeit geleistet. Ich bin guter Dinge, dass ich in London schmerzfrei und schnell auf der Bahn stehen kann.

Frage: Sie haben in diesem Jahr Ihre persönliche Bestzeit über 200 m auf 22,64 Sekunden verbessert. Peilen Sie beim Saisonhöhepunkt eine weitere Steigerung an?

Mayer: Das ist natürlich immer das Ziel. Aber durch die schwierige Vorbereitung muss man abwarten, wie meine Form tatsächlich ist. Wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, ist noch einmal eine schnelle Zeit drin.

Frage: Was ist über Ihre Paradestrecke drin?

Mayer: Das Halbfinale war von vorneherein das Ziel. Auf das Finale zu schielen, ist gemessen am Verlauf der letzten Wochen vielleicht etwas vermessen. Es kommt aber einfach viel auf die Tagesform an.

Frage: Und mit der 4x100m-Staffel?

Mayer: Die Staffel hat bei uns Priorität, weil wir da wirklich um die Medaillen mitlaufen können. Wir waren in Rio bei den Olympischen Spielen Vierter, haben zuletzt die Staffel-Weltmeisterschaften auf den Bahamas gewonnen. Damit würde schon ein kleiner Traum in Erfüllung gehen.

Frage: Parallel zum Training studieren Sie in Frankfurt Germanistik und Geografie. Wie funktioniert die Kombination von Sport und Studium?

Mayer: Ich habe ein Studium, das relativ flexibel ist, kann mir den Stundenplan selbst gestalten. Dadurch arbeite ich im Winter ein bisschen mehr ab und konzentriere mich im Sommer auf Wettkämpfe und Training. Ich bin jetzt schon relativ weit und hoffe, dass ich bald zum Ende komme.

Frage: Im letzten Jahr wurden Sie zum Sport-Stipendiat des Jahres gewählt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Mayer: Es war für mich eine unheimlich schöne Anerkennung. Auch wenn ich in gewisser Weise nur stellvertretend für alle Sportler stand, die täglich Sport und Uni unter einen Hut bringen müssen, hat mich das stolz gemacht. Weil mit der Auszeichnung außerdem eine etwas bessere finanzielle Unterstützung durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium verbunden ist, war die Vorbereitung auf die WM jetzt ein bisschen sorgenfreier.

Frage: Schon zur Para-WM vor wenigen Wochen sind über 250.000 Zuschauer ins Londoner Leichtathletik-Stadion geströmt. Freuen Sie sich schon auf die WM-Atmosphäre?

Mayer: Ich freue mich wahnsinnig. Man hat auch von den Olympischen Spielen 2012 nur Gutes über London gehört. Das Leichtathletik-Stadion war schon in den Vormittagssessions komplett ausverkauft. Ich glaube, dass wir eine ganz besondere Stimmung erwarten dürfen.

Frage: Was ist für das deutsche Leichtathletik-Team allgemein drin?

Mayer: Das ist eine schwierige Frage, weil Weltmeisterschaften ihre eigenen Gesetze schreiben. Ich denke aber, dass wir aus einer guten Ausgangsposition in die Wettbewerbe gehen. Wir haben den einen oder anderen Medaillenkandidaten in unseren Reihen, sodass wir bestimmt einige Höhepunkte für das deutsche Team erleben werden.

Frage: Motivieren einen die Erfolge von Teamkollegen zusätzlich?

Mayer: Natürlich bekommt man das mit. Was zum Beispiel gerade im Speerwurf abgeht mit Thomas Röhler und Johannes Vetter, die sich gegenseitig zum Deutschen Rekord anstacheln, ist der Wahnsinn. Das steckt an und motiviert.

Frage: Auf das Highlight in London folgt im nächsten Jahr die Heim-EM 2018 in Berlin. Haben Sie die schon im Hinterkopf?

Mayer: Die EM ist bei allen Leichtathleten schon total präsent. Es stellt für uns wirklich ein besonderes Highlight dar, im Olympiastadion im eigenen Land antreten zu können. Und dann auch noch bei einer EM, wo wir uns immer noch mal ein bisschen besser platzieren können. Wir arbeiten schon konsequent darauf hin, auch wenn jetzt natürlich erst mal London im Fokus steht.

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