Usain Bolt musste den Verlust seines "Triple-Triple" hinnehmen © Getty Images

Usain Bolts "Triple-Triple" ist nach der positiven Dopingprobe seines Kollegen Geschichte. Der Jamaikaner hofft, in den Köpfen seiner Fans weiter Olympiasieger zu bleiben.

Usain Bolt liegt auf seiner Massagebank und ist genervt. Am Tag, als der große Star der Leichtathletik sein "Triple-Triple" verlor, sind vier Personen nötig, um ihn aufzumuntern. Sein Masseur, seine Freundin und zwei Kumpels - sie alle mühen sich, die Laune des Jamaikaners aufzuhellen. Erst nach einigen Scherzen und Witzen kann Bolt wieder lachen.

Aber wirklich darüber reden, dass er wegen einer positiven Dopingprobe seines Teamkollegen Nesta Carter sein Staffelgold von Peking 2008 abgeben muss, will Bolt nicht. Seine Bahnen auf dem Trainingsplatz der University of West Indies in Kingston zieht er sichtlich missmutig. Als ihn ein Zuschauer fotografiert, ruft er laut über den ganzen Platz: "No."

"Hoffe, es bleibt mein Gold" 

"Wir werden sehen, was passiert", sagte Bolt: "Ich hoffe, es bleibt mein Gold." Rechtlich dürfte das hoffnungslos sein, doch Bolt bezieht es auf die Köpfe der Menschen. Er hat Sportgeschichte geschrieben mit den Triumphen über 100 m, 200 m und in der 4x100-m-Staffel bei drei Olympischen Spielen. Und das soll trotz der offiziellen Aberkennung des Teamgolds von Peking 2008 hängenbleiben.

In der Stadt, in Bolts Sportsbar "Track and Records", wo sich der Sprintkönig selbst gerne unters Volk mischt, stehen die T-Shirts mit der Aufschrift "Triple Triple" fast schon demonstrativ ganz vorne. Oben, ganz in der Ecke, hängt noch eine Titelseite der Zeitung Jamaica Gleaner mit der Überschrift "Fab Four". Sie zeigt Bolt, Carter, Michael Frater und Asafa Powell nach dem Gewinn des Staffelgolds 2008. Das ist nun weg.

Olympics Day 15 - Athletics
Jamaikas Staffel verlor wegen der positiven Dopingprobe von Nesta Carter (2.v.r.) seine Goldmedaille © Getty Images

Bereits länger im Fokus

"Jamaika steht schon seit längerer Zeit unter Beobachtung. Die Entscheidung kann als weiterer Fleck auf der Geschichte der Leichtathletik im Land gesehen werden", schrieb der Gleaner nun. Die Tageszeitung hatte bereits im Juni über die positive Probe berichtet - und Recht behalten.

Für Bolt, für das Land, in dem die Sprinter Nationalhelden sind, ist das ein Schock. Aber wahrhaben will das keiner. "Ich glaube nicht, dass es einen Effekt auf das Ansehen Jamaikas in der Zukunft haben wird", sagte Warren Blake, Präsident des jamaikanischen Leichtathletik-Verbandes JAAA: "Das ist etwas, was 2008 passiert ist."

Jamaika droht weiteres Ungemach 

Ganz so einfach, wie Blake es gerne hätte, ist das Dopingproblem in Jamaika aber nicht vom Tisch zu wischen. Seit Jahren wird Jamaika kritisch beäugt, ein dichtes Kontrollsystem wie in Deutschland ist eher Wunschtraum als Wirklichkeit.

2013 trat die gesamte Führung der jamaikanischen Anti-Doping-Agentur JADCO zurück. Die ehemalige JADCO-Geschäftsführerin Renee Anne Shirley hatte erklärt, dass ihre Behörde in den fünf Monaten vor den Olympischen Spielen in London gerade einmal eine Kontrolle außerhalb der Wettkämpfe durchgeführt habe. Eine.

Doping wird nicht hart genug bestraft

Zudem sorgten die positiven Dopingproben der dreimaligen Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown und des früheren 100-Meter-Weltrekordlers Asafa Powell, Mitglied der Staffel 2008 und auch im vergangenen Jahr in Rio, in der Vergangenheit für Schlagzeilen. Hart bestraft wurden sie dennoch nicht.

Und es droht weiteres Ungemach - auch für Bolt. Obwohl sein Staffelgold von London 2012 nicht in Gefahr scheint. Carters Probe dort soll laut Branchendienst insidethegames.com negativ gewesen sein. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF kündigte allerdings an, alle weiteren Proben Carters testen zu lassen. 2011, 2013 und 2015 wurde er Staffel-Weltmeister - mit Bolt.

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